Die in Bad Tölz aufgewachsenen Schwestern Miriam und Elisabeth Heuberger eröffneten die neue Saison der Konzertreihe „Bad Tölz – Stadt mit der besonderen Note“.
Bad Tölz – Der Andrang im Kleinen Kursaal war so groß, dass weder Stühle noch Programmzettel ausreichten. Dort eröffneten am Samstagabend die in Bad Tölz aufgewachsenen Schwestern Miriam und Elisabeth Heuberger die neue Saison der erfolgreichen Konzertreihe „Bad Tölz – Stadt mit der besonderen Note“, seit 2011 gemeinsam veranstaltet von der Tölzer Musikschule und der Tourist-Info.
Die Schwestern stehen beispielhaft für viele große Talente, die in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen sind und dort behutsam in ihrer künstlerischen Entwicklung gefördert wurden, ehe sie an die Musikhochschule gingen. Vater Christoph Heuberger ist Chorregent der Stadtpfarrei, seine aus Japan stammende Frau Atsuko ist Pianistin. Miriam Heuberger (28) ist Klavierlehrerin in Wangen (Allgäu), die ein Jahr jüngere Schwester Elisabeth spielt Violine im Bayerischen Staatsorchester. Sie traten jetzt mit einem Programm mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Ernest Chausson auf.
Miriam und Elisabeth haben recht unterschiedliche Temperamente, aber in der Musik ergänzen sie sich großartig. Elisabeth wirkt extrovertierter, Miriam zurückhaltender. Damit sind sie eine Idealbesetzung für Violinsonaten, wo die Geige eher im Vordergrund steht und das Klavier tendenziell mehr begleitet.
Das stellten sie deutlich heraus im Hauptwerk des Abends, Beethovens letzter Violinsonate G-Dur op. 96. Elisabeth ließ einen wunderbar vollen, leuchtenden, aber nie zu pastosen Ton vorherrschen. Sie gefiel sich nicht in effektvoller Hochglanzpolitur, sondern phrasierte lebendig mit fein austariertem Ebenmaß.
Miriam könnte auf den ersten Blick wie eine Dienerin am Klavier erscheinen, die sich in weichen, locker perlenden Läufen zurückhielt und der Geigerin den großen Auftritt überließ. Doch dann emanzipierte sie sich, reagierte auf die Geige mit entschiedenem Zugriff und nutzte alle Möglichkeiten, ihre pianistische Brillanz auszuspielen.
So entstand in dieser Beethoven-Sonate ein Dialog voller Sensibilität und Temperament, bei dem sich Kammermusik auf schönste Weise entfaltete und das Publikum begeisterte. Wundervoll gesangliche Melodien, volkstümlich anmutende Landler-Themen und eine Atmosphäre von Heiterkeit und Glück prägen das Werk, in dem beide Solistinnen ihre gleichwertig anspruchsvoll ausgestalteten Parts souverän gestalteten.
Lesen Sie auch: Tölzer Musikschule plant große Projekte
Auch in Mozarts Violinsonate e-Moll und Chaussons „Poème“ op. 25 zelebrieren sie Triumphe der Kammermusik, ohne bei aller Virtuosität das Maß der Musik zu vergessen.
Großer Applaus für die Heuberger-Schwestern. Elisabeth ist übrigens am 24. November wieder im Tölzer Kurhaus zu hören. Dann tritt sie als Solistin gemeinsam mit den Holzkirchner Symphonikern auf. Gespielt wird das berühmte Brahms-Violinkonzert. RAINER BANNIER
Auch interessant:
Kronleuchter von Thomas Mann erstrahlt nun in Tölz und Dem Kunstverein Tölzer Land droht nach 40 Jahren die Auflösung