Er ist eigentlich sehr erfolgreich und aktiv. Dennoch droht dem Kunstverein Tölzer Land abermals das Aus. Denn er hat mit zwei Problemen zu kämpfen.
Bad Tölz – 53 aktive Künstler, 13 Ausstellungen im Jahr, eine 40-jährige Geschichte und 126 Mitglieder: Der Kunstverein Tölzer Land könnte eine erfreuliche Bilanz vorweisen – wären da nicht zwei Probleme. Das eine ist die fehlende Bereitschaft der Mitglieder, aktiv in der Vorstandschaft mitzuarbeiten, das andere sind die Finanzen, die von Jahr zu Jahr weniger werden. Erneut ist die Auflösung des Vereins zu befürchten, falls sich nicht in letzter Minute noch jemand findet.
Genau zwölf Mitglieder, darunter vier der derzeitigen Vorstandschaft, waren am Montagabend in den Kunstsalon in der Marktstraße zur Jahresversammlung gekommen. Da der Sachsenkamer Kurt Wagner sein Amt als Kassier aus Altersgründen nicht mehr weiterführen möchte und auch Schriftführerin Ruth Emrich aus beruflichen Gründen aufhören will, suchten Vorsitzende Sylvia van der Drift und ihre Stellvertreterin Birgit Haas-Heinrich Nachfolger für die Ausscheidenden, außerdem einen Verantwortlichen für die Öffentlichkeitsarbeit, nachdem auch Doris Niewöhner aufgehört hatte.
Am 27. Mai entscheidet Kunstverein Tölzer Land über seine Zukunft
Da sich niemand bereit erklärte, eines der Ämter zu übernehmen, bleiben Wagner und Emrich noch bis zur außerordentlichen Hauptversammlung am 27. Mai um 19 Uhr im Kunstsalon kommissarisch im Amt. Wenn sich bis dahin keine Kandidaten finden, muss entschieden werden, ob van der Drift und Haas-Heinrich einen Rumpfverein irgendwie weiterführen oder die Vereinsauflösung beantragt werden soll. In letzterem Fall würde, wie in der Satzung des 1979 gegründeten Vereins festgelegt, das Vermögen von aktuell 9800 Euro an die Stadt Bad Tölz fallen.
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Kassier Kurt Wagner legte einen sehr detaillierten Bericht vor. Der Kassenstand des Vereins sinkt Jahr für Jahr um etwa 2500 Euro. „Deshalb müssen wir überlegen, ob die angemieteten Räume gehalten werden können.“ Für den Kunstsalon im ersten Stock des ehemaligen Café Volkland zahlt der Verein pro Jahr über 8000 Euro Miete. Allerdings finden ausschließlich dort die monatlichen Mitgliederausstellungen statt. Hohe finanzielle Aufwendungen erfordert auch der bundesweit beachtete Kunstwanderweg am Blomberg, für den sich der Verein pro Jahr Zuschüsse in Höhe von 5000 Euro von der Stadt Bad Tölz und der Gemeinde Wackersberg erwartet.
Trotz der äußerst unerfreulichen Situation im Jubiläumsjahr hat man heuer noch einiges vor. Am 14. Juli soll zum sechsten Mal die Freiluftausstellung „Tölz Kunst“ an der Isarpromenade stattfinden. Ab 7. September ist die Mitgliederausstellung zum 40-jährigen Bestehen geplant. Dazu kommen Einzelausstellungen und am Jahresende die 99-Euro-Aktion, bei der Kunstwerke für 99 Euro verkauft werden, wovon neun Euro als Spende an das Schenkräumchen gehen.
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Die rührige Vorsitzende van der Drift war am Montag sehr enttäuscht von der mageren Resonanz auf die Einladung zur Versammlung. Zusammen mit Haas-Heinrich hat sie aber noch nicht resigniert: „Mir liegt der Verein am Herzen, sonst hätte ich schon längst aufgegeben“, sagt sie. Van der Drift, die derzeit von Holzkirchen nach Gmund umzieht, leitet den Verein als Erste beziehungsweise Zweite Vorsitzende seit 2011. In der Einladung zur nächsten Versammlung soll an die 126 Mitglieder, die in Bad Tölz und der weiteren Umgebung wohnen, appelliert werden, sich doch noch für ein Vorstandsamt zur Verfügung zu stellen, um die drohende Auflösung abzuwenden.
Karl Bock