Stadtrat entscheidet mit 19:2 Stimmen

Aufwertung der Altstadt: So viel Geld nimmt Wolfratshausen in die Hand

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Die Aufenthaltsqualität in der Wolfratshauser Altstadt soll deutlich erhöht werden. Der Stadtrat ist bereit, einen zweistelligen Millionenbetrag zu investieren.
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Die Wolfratshauser Altstadt soll aufgewertet werden. Jetzt hat der Stadtrat mit 19:2 Stimmen eine erste Kostenschätzung gebilligt.

Wolfratshausen – Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat am Dienstag die Vorentwürfe zur geplanten Aufwertung der Wolfratshauser Altstadt gebilligt. Die geschätzten Kosten von rund 10,6 Millionen Euro machen eine Kreditaufnahme wohl unvermeidlich, doch es handele sich um eine „rentierliche“ Investition, stellte Fritz Schnaller (SPD) fest. Den Prozess stoppen, der im Herbst 2018 begann, wollten allein Helmut Forster und Richard Kugler (beide Wolfratshauser Liste).

Marienbrunnen für die Entwurfsplanung „nicht relevant“

Michael Forster vom Planungsbüro Mahl-Gebhard-Konzepte (mgk) und Andreas Reichthalhammer (BPR Schäpertöns Consult) informierten den Stadtrat über den Stand der Dinge. Die Vorentwurfsplanung, die der Rat vor einigen Wochen absegnete, ist inzwischen überarbeitet. Der Innenstadtbereich, der mit dem Ziel aufgewertet werden soll, die Aufenthaltsqualität kräftig zu erhöhen, ist untergliedert in die Abschnitte Nord (von der städtischen Musikschule bis zum Reiser Eck), den Zentralbereich (Reiser- bis Schwankl-Eck) und den Abschnitt Süd (Johannisgasse bis Paradiesweg inklusive Littig-Villa).

„Nicht relevant“ für die Entwurfsplanung ist laut Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW) das Thema Marienbrunnen. Ob der versetzt wird oder nicht entscheidet sich wie berichtet am 11. Dezember bei einem Bürgerentscheid und einem Ratsbegehren. Das Ergebnis arbeiten die Experten in die Gesamtplanung ein.

Vorschlag: Granit-Stein „Flusskiesel, geschnitten“ für die Gehwege

Mgk-Vertreter Forster stellte den Bürgervertretern in der Sitzung unter anderem zwei Materialien (Granit- und Betonstein) für die Oberflächengestaltung der Gehwege vor. Er persönlich plädierte nicht zuletzt aufgrund der Langlebigkeit für die teurere Ausführung in Granit, konkret „Flusskiesel, geschnitten“. Ein Belag, der Barrierefreiheit garantiere – eine zwingende Voraussetzung, um Zuschüsse von der Städtebauförderung zu bekommen. Auf Vorschlag des Bürgermeisters wird im Frühjahr eine Besichtigungstour stattfinden, um sich in benachbarten Kommunen ein konkretes Bild von diversen Gehwegoberflächen zu machen. Schließlich sei die Altstadt „unser Wohnzimmer“, bei der Möblierung wolle er sich nicht auf Fotos in einem Katalog verlassen.

„Ich vertraue den Experten, dass die Keller nicht überflutet werden“: Dr. Hans Schmidt (Grüne).

Staatliches Bauamt ist in Sachen B11 „kompromisslos“

„Kompromisslos“, so Michael Forster, sei das Staatliche Bauamt Weilheim mit Blick auf die B11, die sich durch die Altstadt schlängelt: „Es bleibt bei einer Asphaltdecke.“ Heilinglechner hob allerdings lobend hervor, dass die staatliche Behörde den Prozess, der im Herbst 2018 unter Bürgerbeteiligung begann, sehr wohlwollend begleite und der Loisachstadt „sehr viel Spielraum“ einräume. Eine ins Detail gehende Diskussion über Radlständer und Trinkwasserbrunnen erstickte der Rathauschef am Dienstag in der Loisachhalle im Keim: Diese Debatte werde geführt, wenn mgk und BPR die Entwurfsplanung vorlegen – damit könne in etwa einem halben Jahr gerechnet werden, prognostizierten die Fachplaner.

Wir sollten nicht am verkehrten Fleck sparen.

Fritz Schnaller (SPD)

Die geschätzten Baukosten für alle drei Bereiche belaufen sich laut mgk/BPR insgesamt auf circa 8,9 Millionen Euro. In die Aufwertung des Abschnitts Nord müssen etwa 1,6 Millionen Euro investiert werden, rund 3,7 Millionen in den Zentralbereich und etwa 2,1 Millionen Euro in den Abschnitt Süd. Dazu kommen Baunebenkosten von geschätzten 1,7 Millionen Euro – das sind summa summarum 10,6 Millionen Euro. Die Preise seien im März dieses Jahres ermittelt und im September mit einem Aufschlag von 20 Prozent versehen worden, so Forster. Es sei eine „qualifizierte Kostenschätzung“, ein Stand heute „verlässlicher Preis“.

Forster räumte ein, dass die Stunde der Wahrheit erst mit der Submission schlägt – dem Zeitpunkt, an dem die Unternehmen, die auf eine Ausschreibung reagieren, ihren Preis nennen. Zudem muss im Zentralbereich noch Geld für die Umgestaltung des Rathaus-Innenhofs, für die Straßenbeleuchtung und die Arbeiten am Marienbrunnen bereitgestellt werden.

„Ich erwarte mir von der Altstadt-Aufwertung ein sehr schönes Ergebnis“: Renate Tilke (CSU).

Eine zweistellige Millionensumme sei kein Pappenstiel, so BVW-Fraktionschef Josef Praller. Doch es sei eine Investition in ein nachhaltiges Projekt. Renate Tilke (CSU) erwartet ein „sehr schönes Ergebnis“, Fritz Schnaller (SPD) verspricht sich von dem Vorhaben „eine große Aufwertung unserer Altstadt“, die nicht nur optisch ein Genuss werde, sondern die Menschen auch „emotional“ berühren würde. „Wir werden Kredite aufnehmen müssen“, gab er zu, doch die „Qualität“ werde sich mit Blick auf die nächsten „20, 30, 50 Jahre“ auszahlen. Schnaller: „Wir sollten nicht am verkehrten Fleck sparen.“

Aufwertung der Wolfratshauser Altstadt: Arbeiten dauern voraussichtlich eineinhalb Jahre

Richard Kugler (Wolfratshauser Liste) gab zu bedenken, dass die Kommune in den nächsten Jahren bereits 60 Millionen in die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg investiert. Er fürchte, dass sich die Loisachstadt an einem zweiten Mammutvorhaben finanziell verhebt.

Kuglers Fraktionskollege Helmut Forster interessierte die Dauer der Baumaßnahmen. Im Zentrumsbereich voraussichtlich „eineinhalb Jahre“, sagte sein Namensvetter vom Büro mgk. In dieser Zeit werde der Kfz-Verkehr nicht durch die Marktstraße rollen können, ergänzte Reichthalhammer. Michael Forster machte kein Hehl aus der Tatsache, dass die Arbeiten „intensive Auswirkungen“ auf die Gewerbetreibenden in der Altstadt haben werde.

Entwässerung in der Wolfratshauser Altstadt muss parallel erneuert werden

„Wir werden definitiv eine Baustelle haben“, betonte Bürgermeister Heilinglechner. Wie berichtet müssen die alten Kanalrohre, die seit rund 60 Jahren unter der Marktstraße liegen, erneuert werden. Ein Projekt, das federführend die Stadtwerke betreuen – und das separat von der Altstadt-Aufwertung finanziert werden muss. Laut Rathauschef sollen die jeweiligen Planungen zeitlich eng aufeinander abgestimmt werden, das heißt: Unmittelbar nach dem Austausch der Rohre beginnt die Aufhübschung der Innenstadt. Die Flößerstadt schlage also gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe, freute sich der Sprecher der SPD/FDP-Fraktion, Fritz Meixner.

Stadtrat Kugler animiert Anwohner „Klage einzureichen“ - Meixner ist empört

Viele Anwohner hätten dagegen wenig Vergnügen mit der Umgestaltung, meinte Kugler. Aufgrund der geplanten Absenkung der Bordsteine – im Zentralbereich auf drei Zentimeter – würde das Wasser bei Starkregen „in die Hauseingänge fließen“. Kugler riet dazu, „schon im Vorfeld Klage einzureichen“, um später Schadensersatz verlangen zu können.

Den Bürgern „zu suggerieren, dass Überschwemmungen drohen“, sei „etwas unlauter“, empörte sich Meixner. „Sie spielen mit den Ängsten der Menschen.“ Dr. Hans Schmidt (Grüne) schenkte den Experten „das Vertrauen, dass die Keller nicht überflutet werden“. Rathauschef Heilinglechner unterstrich, dass es ohne ein schlüssiges Entwässerungskonzept keine Baugenehmigung geben werde.

Schließlich billigte der Stadtrat gegen die Stimmen von Forster und Kugler die Vorentwürfe von Mahl-Gebhard-Konzepte und BPR Schäpertöns Consult. Ebenfalls mit 19:2 Stimmen bekamen die Büros den Auftrag, die Planungen fortzuführen. (cce)

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