Polizei erschießt islamistischen Täter (18)

Terroranschlag in der Innenstadt: So erlebten Münchner den Horror – Augenzeugen schildern dramatische Szenen

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    Nadja Hoffmann

Die Münchner Polizei erschießt einen 18-Jährigen, der das Feuer gegen Beamte eröffnet hatte. Ronaldo Barbosa war dem Angreifer ganz nah – und beobachte die dramatischen Szenen.

München - Für Ronaldo Barbosa und seinen Kollegen war es ein ganz normaler Morgen. Die beiden Mitarbeiter eines Getränkehändlers haben auf ihrer Tour durch die Stadt gerade Station im NS-Dokuzentrum in München gemacht. „Wir sind immer wieder hier“, erzählt der 45-Jährige. Doch an diesem Donnerstag sollte alles anders werden. Während er eine Kiste trägt, sieht Barbosa plötzlich den Angreifer. „Er ist vom Zentrum in Richtung Konsulat gelaufen.“

Ronaldo Barbosa, 45

Terroranschlag in München: Getränke-Auslieferer beobachtet tödliche Schüsse

Kurz zuvor fallen zwei Schüssen. Dem Getränke-Auslieferer gefriert das Blut in den Adern: „Natürlich habe ich Angst bekommen.“ Trotzdem reagiert er schnell. Barbosa läuft nach draußen und winkt eine Polizeistreife, die gerade ankommt, zu sich. Dann erklärt er, wo der der Angreifer hingelaufen ist. Als nächstes schnappt sich der 45-Jährige seinen Kollegen und läuft im Zentrum in ein oberes Stockwerk. Die Menschen dort stellen sich in die Mitte des Raums, möglichst weit weg von den Fenstern. „So waren wir sicher.“

CSU-Politikerin wird Augenzeugin: „Ein beklemmendes Gefühl, im Gebäude zu sein“

Nicht weit entfernt arbeitet Tina Pickert (39) beim Bayerischen Bauernverband am Karolinenplatz. Die CSU-Politikerin hörte die Schüsse –vermutete im ersten Moment aber etwas ganz anderes: „Ich dachte erst, es ist ein Gerüst umgefallen. Da kam mein Kollege auch schon rein und sagte mir, es werde draußen geschossen. Es war ein beklemmendes Gefühl, im Gebäude zu sein.“

Der Blick auf den Polizeieinsatz am Karolinenplatz.

Die Politikerin spürte Erleichterung, weil die Polizei gleich vor Ort war. „Polizisten riefen uns zu, wir sollen von den Fenstern wegbleiben. Unser Haus wurde abgeriegelt, wir durften auch nicht raus.“ Bis 12 Uhr hörten die Kollegen die Hubschrauber über sich kreisen. Ganz ähnlich war es in der Hochschule für Musik an der Arcisstraße. Auch auf der anderen Seite des NS-Dokumentationszentrums sind die Schüsse laut zu hören.

Augenzeuge berichtet: „Alle sollten die Fenster schließen und von ihnen weg bleiben“

Ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, vermutet Baustellen-Geräusche. Dann kommt aber eine Mail bei ihm an. „Alle sollten die Fenster schließen und von ihnen weg bleiben.“ Im Anschluss kommen die Kollegen im Konzertsaal zusammen und warten ab. Die Stimmung: Angespannt, aber ruhig. Später bringt ein Bus der Feuerwehr die Mitarbeiter zur zentralen Zeugensammelstelle. Die hat die Polizei bei der Landesbank an der Brienner Straße eingerichtet.

Nach Schüssen in München – Bilder des Einsatzes am Haus des Täters

Nach dem Attentat in München stellte sich heraus: Der Täter war ein 18-jähriger Österreicher. Die Polizei durchsuchte seinen Wohnsitz in Neumarkt.
imago0759548189h.jpg © IMAGO/Daniel Scharinger
Der Täter stellte im Bereich des Tatorts sein Auto ab – es soll in Salzburg-Umgebung zugelassen worden sein. Daraufhin durchsuchten Einsatzkräfte auch den Wohnort des Mannes.
imago0759548188h.jpg © IMAGO/Daniel Scharinger
Mehrere Polizeiwagen trafen am frühen Nachmittag in Neumarkt ein, dutzende Beamte durchsuchten das Anwesen, in dem der Täter wohnte.
Mehrere Polizeiwagen trafen am frühen Nachmittag in Neumarkt ein, dutzende Beamte durchsuchten das Anwesen, in dem der Täter wohnte. © IMAGO/Daniel Scharinger
Der Wohnsitz des Täters befindet sich in Neumarkt am Wallersee, etwa eine halbe Autostunde von Salzburg entfernt. Es heißt, der junge Mann habe dort mit seinen Eltern gewohnt.
Der Wohnsitz des Täters befindet sich in Neumarkt am Wallersee, etwa eine halbe Autostunde von Salzburg entfernt. Es heißt, der junge Mann habe dort mit seinen Eltern gewohnt. © IMAGO/Daniel Scharinger
Nach dem vereitelten mutmaßlichen Terroranschlag auf das israelische Generalkonsulat sind Bereiche um den Tatort am Morgen noch gesperrt.
dpa_5FB24C0052B7E8FF.jpg © dpa/Matthias Balk
Polizistinnen patrouillieren am Morgen um das Israelische Generalkonsulat – rechts ist die Ecke des Gebäudes zu sehen, an der es zum Schusswechsel gekommen war.
dpa_5FB24C00FB61123F.jpg © dpa/Matthias Balk
Der Justizminister von Bayern Georg Eisenreich (CSU, l-r), Markus Söder (CSU) und Generalstaatsanwalt Reinhard Röttle auf der Pressekonferenz vor dem Israelischen Generalkonsulat.
Der Justizminister von Bayern Georg Eisenreich (CSU, l-r), Markus Söder (CSU) und Generalstaatsanwalt Reinhard Röttle auf der Pressekonferenz vor dem Israelischen Generalkonsulat.  © Peter Kneffel/dpa
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte sich bei einem Pressetermin an einer Kontrollstelle der Bayerischen Grenzpolizei zu dem Vorfall in München. Eigentlich sollte es bei der Pressekonferenz um die aktuelle Lage an den bayerischen Grenzen zu Österreich und Tschechien und Grenzschutz gehen.
Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) äußerte sich bei einem Pressetermin an einer Kontrollstelle der Bayerischen Grenzpolizei zu dem Vorfall in München. Eigentlich sollte es bei dem Pressetermin um die aktuelle Lage an den bayerischen Grenzen zu Österreich und Tschechien und Grenzschutz gehen.  © Matthias Balk/dpa
Die Polizei sperrte das Gebiet rund um das Israelische Generalkonsulat weitläufig ab. Die israelische Flagge weht vor dem Gebäude.
Die Polizei sperrte das Gebiet rund um das Israelische Generalkonsulat weitläufig ab. Die israelische Flagge weht vor dem Gebäude. © Peter Kneffel/dpa
Polizisten suchen am Karolinenplatz nach Spuren. Der Platz befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Israelischen Generalkonsulat.
Polizisten suchen am Karolinenplatz nach Spuren. Der Platz befindet sich in unmittelbarer Nähe zum israelischen Generalkonsulat.  © Peter Kneffel/dpa
Absperrband der Polizei hängt vor dem NS-Dokumentationszentrum, ein Großaufgebot an Polizei ist vor Ort. Zuvor wurde der Täter am NS-Dokumentationszentrum gesichtet.
Absperrband der Polizei hängt vor dem NS-Dokumentationszentrum, ein Großaufgebot an Polizei ist vor Ort. Zuvor wurde der Täter am NS-Dokumentationszentrum gesichtet.  © Peter Kneffel/dpa
Großeinsatz der Polizei am Karolinenplatz, Blaulicht vor NS-Dokumentationszentrum
Blaulicht vor NS-Dokumentationszentrum: Einsatzkräfte der Polizei sind weiter im Einsatz. © IMAGO / Wolfgang Maria Weber
Polizeieinsatz in München
Polizisten sind in München im Einsatz. Laut Polizei waren für Beamte bei dem Schusswechsel beteiligt. © picture alliance/dpa/AP | Matthias Schrader
Polizeieinsatz in München
Polizisten in Spezialausrüstung und mit einem Spezialfahrzeug sind in München vor Ort. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst unbekannt. © picture alliance/dpa/AP | Matthias Schrader
Grosseinsatz der Polizei in Muenchen Foto vom 05.09.2024
Die Polizei habe im Bereich des Karolinenplatzes auf eine verdächtige Person geschossen und diese auch getroffen, sagte eine Polizeisprecherin. © IMAGO/epd/Theo Klein
Polizeieinsatz in München
Ein Polizeihubschrauber kreist über der Bayerischen Landeshauptstadt. Zahlreiche Polizisten sind in der Münchner Innenstadt in der Nähe des NS-Dokumentationszentrums und des Israelischen Generalkonsulats im Einsatz. © picture alliance/dpa | Felix Hörhager
Polizteieinsatz in München
Ein Polizist mit Maschinenpistole ist in München im Einsatz. © picture alliance/dpa | München TV
Die Polizei ist in Kampfmontur in der weiteren Umgebung zu sehen. Der Einsatzort ist großräumig abgesperrt.
Die Polizei ist in Kampfmontur in der weiteren Umgebung zu sehen. Der Einsatzort ist großräumig abgesperrt. © Matthias Schrader/dpa
Die Polizei ist in Kampfmontur in der weiteren Umgebung zu sehen. Der Einsatzort ist großräumig abgesperrt.
Ein Polizeihubschrauber sichert die Umgebung aus der Luft ab. © Achim Frank Schmidt
Gegen 9 Uhr waren Schüsse am NS-Dokuzentrum zu hören. Polizei hat eine verdächtige Person getroffen und gesichert, meldet sie etwa eine halbe Stunde später.
Gegen 9 Uhr waren Schüsse am NS-Dokuzentrum zu hören. Polizei hat eine verdächtige Person getroffen und gesichert, meldet sie etwa eine halbe Stunde später.  © Gautier
Die Karte zeigt den genauen Einsatzort in München. Die Polizei bittet den Bereich weiträumig zu meiden.
Die Karte zeigt den genauen Einsatzort in München. Die Polizei bittet den Bereich weiträumig zu meiden. © IPPEN.MEDIA
Großeinsatz in München: Am Donnerstagvormittag kam es zu Schüssen im Bereich des israelischen Generalkonsulats.
Die Schüsse ereigneten sich im Bereich des israelischen Generalkonsulats. © Gautier
Großer Polizeieinsatz am Donnerstagvormittag in München – der Bereich ist Großräumig abgesperrt.
Der Bereich ist Großräumig abgesperrt. © Thomas Gautier
Ein Großaufgebot an Einsatzkräften ist im Bereich Karolinenplatz und Briennerstraße unterwegs.
Ein Großaufgebot an Einsatzkräften ist vor Ort. © Thomas Gaultier
Polizeieinsatz in München
Fahrzeuge der Polizei stehen in München. Zahlreiche Polizisten sind in der Münchner Innenstadt in der Nähe des NS-Dokumentationszentrums und des Israelischen Generalkonsulats im Einsatz. Die Polizei rief dazu auf, den Bereich großräumig zu meiden. © Simon Sachseder/dpa
Die Polizei ist in Kampfmontur in der weiteren Umgebung zu sehen. Der Einsatzort ist großräumig abgesperrt.
Die Polizei ist in Kampfmontur in der weiteren Umgebung zu sehen. Der Einsatzort ist großräumig abgesperrt. © Achim Frank Schmidt
Ein Video, das auf X kursiert, zeigt den mutmaßlichen Täter. Die Polizei geht davon aus, dass das Video authentisch ist. In dem Video trägt er ein antikes Gewehr mit einem Bajonet und schießt damit.
Ein Video, das auf X kursiert, zeigt den mutmaßlichen Täter. Die Polizei geht davon aus, dass das Video authentisch ist. In dem Video trägt er ein antikes Gewehr mit einem Bajonet und schießt damit. © Screenshot X
Ministerpräsident Markus Söder hält unweit des Tatorts eine Pressekonferenz ab.
Ministerpräsident Markus Söder hält unweit des Tatorts eine Pressekonferenz ab. © Thomas Gautier

Schüsse aus nächster Nähe mitbekommen

Ein 21-Jähriger hat die Schüsse aus nächster Nähe mitbekommen. Auch er möchte anonym bleiben. Sein Büro ist direkt am Karolinenplatz, erzählt er. Als er morgens um kurz vor 9 Uhr auf dem Weg dorthin war, hörte er die ersten Schüsse. Er eilte ins Gebäude, im Büro standen schon Kollegen am Fenster. Sie sahen von oben den Täter. „Die Polizei hat ihn aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Das hat er aber nicht getan“, erzählt der junge Mann. Es fielen noch mehr Schüsse, der Mann war nicht mehr zu sehen. „Und auf einmal ist es ganz still geworden.“

Rubriklistenbild: © Nadja Hoffmann

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