Terroranschlag in der Innenstadt: So erlebten Münchner den Horror – Augenzeugen schildern dramatische Szenen
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Katrin Woitsch
Thomas Gautier
Nadja Hoffmann
Die Münchner Polizei erschießt einen 18-Jährigen, der das Feuer gegen Beamte eröffnet hatte. Ronaldo Barbosa war dem Angreifer ganz nah – und beobachte die dramatischen Szenen.
München - Für Ronaldo Barbosa und seinen Kollegen war es ein ganz normaler Morgen. Die beiden Mitarbeiter eines Getränkehändlers haben auf ihrer Tour durch die Stadt gerade Station im NS-Dokuzentrum in München gemacht. „Wir sind immer wieder hier“, erzählt der 45-Jährige. Doch an diesem Donnerstag sollte alles anders werden. Während er eine Kiste trägt, sieht Barbosa plötzlich den Angreifer. „Er ist vom Zentrum in Richtung Konsulat gelaufen.“
Terroranschlag in München: Getränke-Auslieferer beobachtet tödliche Schüsse
Kurz zuvor fallen zwei Schüssen. Dem Getränke-Auslieferer gefriert das Blut in den Adern: „Natürlich habe ich Angst bekommen.“ Trotzdem reagiert er schnell. Barbosa läuft nach draußen und winkt eine Polizeistreife, die gerade ankommt, zu sich. Dann erklärt er, wo der der Angreifer hingelaufen ist. Als nächstes schnappt sich der 45-Jährige seinen Kollegen und läuft im Zentrum in ein oberes Stockwerk. Die Menschen dort stellen sich in die Mitte des Raums, möglichst weit weg von den Fenstern. „So waren wir sicher.“
CSU-Politikerin wird Augenzeugin: „Ein beklemmendes Gefühl, im Gebäude zu sein“
Nicht weit entfernt arbeitet Tina Pickert (39) beim Bayerischen Bauernverband am Karolinenplatz. Die CSU-Politikerin hörte die Schüsse –vermutete im ersten Moment aber etwas ganz anderes: „Ich dachte erst, es ist ein Gerüst umgefallen. Da kam mein Kollege auch schon rein und sagte mir, es werde draußen geschossen. Es war ein beklemmendes Gefühl, im Gebäude zu sein.“
Die Politikerin spürte Erleichterung, weil die Polizei gleich vor Ort war. „Polizisten riefen uns zu, wir sollen von den Fenstern wegbleiben. Unser Haus wurde abgeriegelt, wir durften auch nicht raus.“ Bis 12 Uhr hörten die Kollegen die Hubschrauber über sich kreisen. Ganz ähnlich war es in der Hochschule für Musik an der Arcisstraße. Auch auf der anderen Seite des NS-Dokumentationszentrums sind die Schüsse laut zu hören.
Augenzeuge berichtet: „Alle sollten die Fenster schließen und von ihnen weg bleiben“
Ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, vermutet Baustellen-Geräusche. Dann kommt aber eine Mail bei ihm an. „Alle sollten die Fenster schließen und von ihnen weg bleiben.“ Im Anschluss kommen die Kollegen im Konzertsaal zusammen und warten ab. Die Stimmung: Angespannt, aber ruhig. Später bringt ein Bus der Feuerwehr die Mitarbeiter zur zentralen Zeugensammelstelle. Die hat die Polizei bei der Landesbank an der Brienner Straße eingerichtet.
Nach Schüssen in München – Bilder des Einsatzes am Haus des Täters
Ein 21-Jähriger hat die Schüsse aus nächster Nähe mitbekommen. Auch er möchte anonym bleiben. Sein Büro ist direkt am Karolinenplatz, erzählt er. Als er morgens um kurz vor 9 Uhr auf dem Weg dorthin war, hörte er die ersten Schüsse. Er eilte ins Gebäude, im Büro standen schon Kollegen am Fenster. Sie sahen von oben den Täter. „Die Polizei hat ihn aufgefordert, sich auf den Boden zu legen. Das hat er aber nicht getan“, erzählt der junge Mann. Es fielen noch mehr Schüsse, der Mann war nicht mehr zu sehen. „Und auf einmal ist es ganz still geworden.“
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