Im ARD-Brennpunkt

Bürgermeister platzt bei Hochwasser-Gaffer vor laufender Kamera der Kragen: „Schleppt‘s ihn ab!“

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Inmitten des Hochwassers kämpft die Gemeinde Nordendorf bei Augsburg auch mit Katastrophen-Tourismus. Bei einem Gaffer wird der Bürgermeister deutlich.

Nordendorf – Die großen Regenmassen der vergangenen Tage haben vielerorts in Bayern für Hochwasser und große Schäden gesorgt. Ein Ort, der von der Katastrophe besonders hart betroffen ist, ist die Gemeinde Nordendorf im Landkreis Augsburg. Dort flutete der Fluss Schmutter viele Straßen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag musste die Gemeinde deshalb sogar evakuiert werden.

Seither wird die Situation in Nordendorf regelmäßig von den Einsatzkräften und dem Bürgermeister Tobias Kunz (Freie Wähler) kontrolliert. Dabei fällt auch ein Gaffer auf, der durch ein abgesperrtes Gebiet fährt. Ganz zum Unmut von Bürgermeister Kunz, der dafür klare Worte findet.

Gaffer fährt mit Auto in Sperrzone – Bürgermeister Kunz: „Schleppt's ihn ab!“

Nordendorfs Bürgermeister Tobias Kunz hat für Katastrophen-Tourismus keinerlei Verständnis.

Der Vorfall ereignete sich während einer der Kontrollfahrten am Montag (3. Juni). Mit einem Kamera-Team sind Bürgermeister Kunz und weitere Einsatzkräfte dabei für einen Beitrag in einem ARD-Brennpunkt-Beitrag im überfluteten Gebiet Nordendorfs unterwegs. Im Videobeitrag ist unter anderem zu sehen, wie das Wasser der Schmutter nach wie vor an vielen Stellen durch aufgebaute Sandsack-Mauern drückt. Als Kunz und die Helfer an einer Stelle außerhalb des Flutgebiets anhalten und den Pegelstand kontrollieren wollen, fährt an ihnen ein Autofahrer vorbei. Sehr zum Unmut von Kunz.

„Unfassbar. Muss er jetzt da durchfahren?“, sagt der Bürgermeister kopfschüttelnd. Dann legt er nach: „Schleppt's ihn ab!“ Gegenüber dem Kamerateam der ARD erklärt Kunz dann sein Unverständnis. „Dieser Katastrophen-Tourismus, egal ob von intern oder von extern, ist ein großes Problem“, so Kunz.

Aus diesem Grund habe man die Gemeinde nach außen hin auch komplett abgeschottet. Ganz verhindern lassen sich Gaffer dadurch allerdings nicht. „Einzelne meinen immer noch, ihre Fotos sind wichtiger als die Einsatzkräfte“, berichtet der Bürgermeister. Bereits am Sonntag (2. Juni) mussten Einsatzkräfte im Kreis Augsburg einige Schaulustige vor dem Hochwasser retten.

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Nordendorf bei Augsburg nach Hochwasser unbewohnbar – Pegel geht leicht zurück

Die Pegel der Schmutter gingen in Nordendorf am Montag leicht zurück. „Das Schadensbild ist natürlich verheerend“, erklärte Bürgermeister Kunz. Das zeigt sich auch an der Infrastruktur unter den Straßen der Gemeinde. So könne Wasser wie beispielsweise aus Toiletten und Waschmaschinen nicht mehr in der Kanalisation abfließen. Bis sich das wieder möglich sei, bleibe die Gemeinde unbewohnbar, heißt es im ARD-Beitrag. Um die Rohre freizubekommen, pumpten städtische Mitarbeiter das Wasser mit einem Saugwagen ab.

Hochwasserlage bleibt in Bayern angespannt

In anderen Teilen von Bayern ist die Hochwasserlage derzeit noch dramatischer. So spitzt sich die Hochwassersituation an der Donau in Passau und Regensburg weiter zu. In Regensburg lagen die Hochwasserstände am Dienstagmorgen weiter über der Meldestufe vier. Seit Montagabend gibt es zudem Evakuierungen. (jr)

Rubriklistenbild: © Screenshot ARD Brennpunkt

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