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Stefan Sessler
Uli Heichele- Regina Mittermeier
Bald entscheidet der Münchner Stadtrat, wer einen Wiesn-Platz bekommt. Beppi Bachmaiers Herzkasperltzelt könnte runterfliegen – Peter Schöniger (bekannt vom Frühlingsfest) könnte den Zuschlag erhalten. Hier erklärt er seine Pläne.
München – Montagvormittag. Es scheppert und klappert auf der Theresienwiese. Kaum ist das Frühlingsfest zu Ende, zerlegen Arbeiter Fahrgeschäfte und Buden. Auch in der Festhalle Bayernland wird gewerkelt. Mittendrin: das Festwirts-Paar Petra (52) und Peter Schöniger (53). Ihr nächster Stopp: die Nördlinger Mess‘.
In München steht davor aber noch ein wichtiger Termin an. Denn am Dienstag entscheidet der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats, ob die Schönigers einen Platz auf der Wiesn bekommen.
Es könnte sein, dass sie mit ihrer Boandlkramerei das Herzkasperlzelt von Fraunhofer-Wirt Beppi Bachmaier (76) von der Oiden Wiesn verdrängen. Denn es sieht danach aus, als hätte Bachmaier weniger Punkte als Peter Schöniger. Aber wie genau soll die Boandlkramerei aussehen?
Oktoberfest 2024: Boandlkramerei statt Herzkasperlzelt?
Wir haben nachgefragt und Schönigers im Abbau-Stress getroffen. Der Boandlkramer: So heißt der Tod in der Geschichte vom Brandner Kasper. Als Name fürs Zelt passt das in doppelter Hinsicht – erstens, weil bayerische Tradition mitschwingt – und zweitens, weil bei so mancher bayerischer Speise Knochen eine Rolle spielen.
Es ist klar, dass wir keine Ballermann-Musik spielen.
Hendl zum Beispiel. Und: „Bei uns gibt‘s a hausg‘machte Knöcherlsoß‘“, sagt Peter Schöniger. Denn kulinarisch soll es neben Veganem – zum Beispiel Linsencurry – freilich auch Klassiker geben: Schweinsbraten, Rollbraten, Haxn.
Boandlkramerei-Wirt Schöninger träumt schon lange von Wiesn-Zelt
Schöniger ist Münchner: Er ist im Westen der Stadt an der Landsberger Straße aufgewachsen und hat die St.-Anna-Schule im Lehel besucht. Seit 33 Jahren bewirtet er die Besucher auf dem Frühlingsfest und betreibt seit 1992 einen Würstl-Stand auf dem Oktoberfest. Ziel sei ein eigenes Wiesn-Zelt gewesen, sagt er. „Schon immer. Das steckt mir im Blut.“
Heuer könnte es klappen. Bekäme er am Dienstag den Zuschlag, würde er sich kurz freuen, erzählt er. „Dann würden wir uns aber voll in die Arbeit stürzen.“ Schließlich startet die Wiesn in viereinhalb Monaten, am 21. September.
Peter Schöniger plant Oktoberfest-Zelt mit Wirtshaus-Flair
Er plant deswegen schon Außenfassade und Innenleben seiner Boandlkramerei. Wie ein „oids Wirtshaus“ soll sie einmal aussehen, das gefalle ihm. Vielleicht auch deshalb eine Sehnsucht, weil er selber kein Wirtshaus führt. Der aktuelle Entwurf zeigt eine Bühne an der Stirnseite mit viel Holz, Geweihen und einem Tierfell an der Wand.
Schöniger plant zudem eine Außenbühne, erhöhte Boxen sowie 2850 Sitzplätze. Zum Vergleich: Die Festhalle Bayernland auf dem Frühlingsfest hat 3300.
Schönigers haben sich schon vier Mal auf die Oide Wiesn beworben
Die Idee zu seinem Musikzelt hat er mit Volksschauspieler Winfried Frey geschmiedet, beim Schafkopfen. Sie kennen sich über Karl-Heinz Knoll vom Festring. Frey, selbst Sänger, plant für das Kulturprogramm der Boandlkramerei bekannte, aber auch Nachwuchs-Musikgruppen ein, vom Duo bis zur Blaskapelle. Es soll Volksmusik geben, drei bis fünf Auftritte pro Tag, und ein Ensemble soll kurze Stücke aufführen. Brauchtum sei der Fokus, sagt Schöniger: „Es ist klar, dass wir keine Ballermann-Musik spielen.“
Die Schönigers haben sich schon zum vierten Mal für die Oide Wiesn beworben. Der Prozess sei schwerer als die Steuererklärung, sagt Petra und lacht. Aber: „Man lernt mit jedem Mal dazu“, ergänzt Peter. Nur welches Bier ausgeschenkt wird, verrät er noch nicht. Er will erst die Entscheidung des Stadtrats abwarten.






