VonElisa Buhrkeschließen
Mehr als 90.000 Passagiere waren vom Warnstreik am Münchner Flughafen betroffen. Auch am Tag danach müssen sich Reisende auf lange Wartezeiten einstellen.
- Nach Streikende: lange Wartezeiten auch am Samstagvormittag
- mehr als 700 Flüge für etwa 90.000 Passagiere fallen am Flughafen München aus
- Privatflüge für die Münchner Sicherheitskonferenz sind nicht betroffen
- der Flughafen warnt vor hohem Passagieraufkommen in den kommenden Tagen
Update vom 18. Februar, 09.15 Uhr: Reisende bekommen auch am Samstag die Folgen des Verdi-Streiks noch deutlich zu spüren: Der Flughafen München teilte bereits im Vorfeld auf seiner Webseite mit: „Aufgrund des vorangegangenen Streiks und der beginnenden Ferien rechnen wir am Samstag, 18. Februar, mit einem hohen Passagieraufkommen am Flughafen München.“
Wer heute fliegen will, sollte also lieber etwas mehr Zeit einplanen. Am Samstagvormittag dauerte es über eine Stunde, um allein durch die Sicherheitskontrolle zu kommen: „Die Schlange vor der Sicherheitskontrolle schlängelt sich durch die gesamte Abflughalle des Terminal 2“, berichtete ein Betroffener vor Ort. „Einmal um die Gepäckschalter und wieder bis zum Ausgang.“
Offiziell stellte Verdi seine Streiks in der Nacht von Freitag auf Samstag ein, die Nachwirkungen sind auch am Tag danach noch deutlich zu spüren. Der Flughafen München rät seinen Passagieren daher: „Planen Sie ausreichend Zeit für die Anreise, für den Check-in und für die Sicherheitskontrolle ein.“
Auch in München: mit „kleineren Aktionen zu rechnen.“
Update vom 17. Februar, 15.30 Uhr: Für die kommende Woche fährt Verdi ihre Warnstreiks in Bayern zurück. Allerdings: „in München, Augsburg und Bamberg ist mit [kleineren] Aktionen zu rechnen“, so die Gewerkschaft. Auch am kommenden Freitag sei kein größerer Streik geplant. Am Mittwoch, 22. Februar, beginnt in Potsdam die zweite Verhandlungsrunde der Tarifverhandlungen für die bundesweit 2,5 Millionen Menschen, die im Öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen arbeiten.
Mehr als 7000 Streikende haben sich in Bayern an dem heutigen Warnstreik beteiligt, teilt der stellvertretende Verdi-Landesbezirksleiter, Sinan Öztürk, mit. Die dermaßen hohe Beteiligung sei ein deutliches Zeichen: Wenn die zweite Verhandlungsrunde nichts bringe, „werden wir drauflegen“. Am 1. März plant die Gewerkschaft eine Großdemonstration in Nürnberg mit jungen Beschäftigten und Auszubildenden aus ganz Bayern.
Ihre Forderung bleiben 10,5 Prozent mehr Gehalt, aber mindestens 500 Euro mehr im Monat bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. „Die ablehnende Haltung der Arbeitgeber, insbesondere hinsichtlich des geforderten Mindestbetrages von 500 Euro und 200 Euro für die Auszubildenden, haben die Beschäftigten äußerst negativ aufgefasst“, so Öztürk. Nicht nur Flugpersonal, sondern auch Beschäftigte aus Kitas, Müllabfuhr und anderen Bereichen hatten in dieser Woche für mehr Lohn gestreikt.
Keine Probleme bei der Deutschen Bahn – erhöhter Verkehr auf den Straßen
Update vom 17. Februar, 15.16 Uhr: Obwohl der Flugverkehr am Flughafen München seit Freitagmorgen fast komplett lahmgelegt ist, bleibt das Chaos auf Bayerns Straßen und Schienen bisher aus. „Die auf die Bahn umgestiegenen Fluggäste konnten wir in der Regel problemlos unterbringen“, teilt eine Sprecherin der Bahn mit. Bisher laufe der Bahnbetrieb weitgehend problemfrei, trotz erhöhter Fahrgastzahlen.
Die bayerischen Straßen blieben am Vormittag ebenfalls ruhig, so ein Sprecher der Polizei. Aufgrund der beginnenden Faschingsferien rechnet der ADAC ab Nachmittag allerdings mit mehr Autofahrern, die für ihren Skiurlaub in Richtung Alpen aufbrechen. Dies hänge nicht zwangsläufig mit dem Warnstreik zusammen.
Wenige Ersatzflüge über Nürnberg und Memmingen
Update vom 17. Februar, 12.27 Uhr: Einige wenige Passagiere können trotz des Warnstreiks am Freitag ihre Reise antreten. Die Flüge gehen dann aber nicht wie vorgesehen über den Flughafen München, sondern über Memmingen oder Nürnberg. Am Memminger Flughafen heben voraussichtlich insgesamt fünf Maschinen Richtung Süden – etwa Griechenland und Ägypten – ab, am Flughafen Nürnberg sollten drei von ihnen am Vormittag starten. Eine Sprecherin des Allgäuer Airports teilt mit, es sei zwar „ein bisschen voller als sonst“, aber sonst laufe bisher alles nach Plan.
Flughafen München warnt vor hohem Passagieraufkommen in den kommenden Tagen
Update vom 17. Februar, 11.06 Uhr: Laut der Gewerkschaft Verdi fällt der Warnstreik nicht bewusst auf den Zeitraum der Münchner Sicherheitskonferenz: „Das ist tatsächlich Zufall. Das war in der Planung überhaupt keine Größe“, sagt ein Sprecher von Verdi Bayern. Schließlich werde auch an anderen deutschen Flughäfen wie Berlin, Frankfurt und Hamburg gestreikt. Privatflüge im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz sind von dem Streik ohnehin ausgenommen, genauso wie alle Sonderflüge, die medizinische, technische oder sonstige Notfälle betreffen. Einige MSC-Teilnehmer nutzten bereits Donnerstag, den 16. Februar, zur Anreise. So auch US-Vizepräsidentin Kamala Harris, die gestern Vormittag in der Landeshauptstadt eintraf.
Aktuell ist es am Flughafen München spürbar leer, teilt ein Flughafensprecher am Morgen mit. „Es sind fast keine Menschen zu sehen, weil diese Streikmaßnahmen ja hinlänglich bekannt waren.“ In den kommenden Tagen rechne der Flughafen wegen der ausgefallenen Flüge und dem Ferienstart jedoch mit einem besonders hohen Passagieraufkommen. Reisende sollten deshalb etwas mehr Zeit einplanen und rechtzeitig da sein.
Flüge der Münchner Sicherheitskonferenz nicht betroffen
Update vom 17. Februar, 7.50 Uhr: Seit Morgen hat der ganztägige Warnstreik auch am Flughafen München begonnen. Alle regulären Passagierflüge fallen aus, davon sind mehr als 700 Starts und Landungen und etwa 90.000 Fluggäste betroffen. Bis 1 Uhr am Samstag sollen keine Flugzeuge landen oder abheben. Passagieren werde deshalb dringend empfohlen, sich bei ihrer jeweiligen Airline zu melden, wenn sie am Freitag eigentlich von oder nach München fliegen wollten. Ausgenommen von dem Warnstreik sind allerdings die mehr als 50 vorgesehenen Privatflüge für die Münchner Sicherheitskonferenz.
„Es ist alles so gestartet wie geplant“, gibt Manuela Dietz von der Gewerkschaft Verdi an. Die Lage sei sehr ruhig. An mehreren deutschen Flughäfen hatte die Gewerkschaft zu ganztägigen Warnstreiks aufgerufen. In München beteiligen sich laut Verdi die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, der Luftsicherheit und der Bodenverkehrsdienste. Ab 11 Uhr ist eine Demonstration am Flughafen geplant, zu der sich schon in der Nacht einzelne Streikende einfanden.
Ganztägiger Warnstreik an deutschen Flughäfen hat begonnen
Erstmeldung vom 17. Februar, 6.22 Uhr: Die Gewerkschaft Verdi hat weite Teile des deutschen Luftverkehrs lahmgelegt. In der Nacht auf Freitag (17. Februar) ging der Warnstreik los. In München, Frankfurt, Stuttgart, Bremen, Hamburg und Dortmund soll möglichst kein Flugzeug mehr starten oder landen. Der Flughafenbetrieb in Hannover, der als einziger der sieben bestreikten Flughäfen kein Nachtflugverbot hat, laufe sehr eingeschränkt, sagte ein Verdi-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Nach Schätzungen des Flughafenverbandes ADV sind knapp 300.000 Passagiere von gut 2340 Flugausfällen betroffen. Der Verband sprach von einer „beispiellosen Eskalation“. Allein die Lufthansa musste rund 1300 Verbindungen streichen, nachdem sie die von einem Bagger verursachte IT-Panne vom Mittwoch überwunden hatte.
Flughafen-Streiks am Freitag: „Beispiellose Eskalation“
Mit dem Ausstand nicht nur an den Flughäfen wollen die Beschäftigten ihren Forderungen im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen Nachdruck verleihen. Neben dem öffentlichen Dienst gibt es zudem örtliche Verhandlungen für die Bodenverkehrsdienste sowie eine bundesweite Tarifrunde für die Luftsicherheit. Gemeinsame Kundgebungen sind geplant.
Verdi und der Beamtenbund DBB fordern im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes 10,5 Prozent mehr Einkommen, mindestens aber 500 Euro mehr für die rund 2,5 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen. Die Laufzeit soll zwölf Monate betragen. Die Arbeitgeber haben die Forderungen zurückgewiesen. Die zweite Verhandlungsrunde ist für den 22. und 23. Februar in Potsdam geplant. Ein Angebot der Arbeitgeber liegt bislang nicht vor. (AFP/dpa/frs)
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