„Momentan nicht erreichbar“ heißt die neue Ausstellung im Tölzer Stadtmuseum. Die Exponate entstanden nach einer Phase der Überbeanspruchung der Künstlerin.
Bad Tölz – Nicht erreichbar sein? Das gibt es heute eigentlich gar nicht mehr. Das rasante Tempo der medialen Welt und die selbstverständlich erwartete Reaktion lässt kaum jemanden unberührt. Doch gerade deshalb erscheint es immer wichtiger, sich zumindest zeitweise aus diesen modernen Fesseln zu lösen. Die Künstlerin Stefanie von Quast hat sich mit dieser Thematik beschäftigt – das Ergebnis ist aktuell im Tölzer Stadtmuseum ausgestellt. Der Titel: „Momentan nicht erreichbar“.
Die Vernissage hatte ein interessiertes Publikum angelockt, das nach der Begrüßung durch Museumsleiterin Elisabeth Hinterstocker und den einführenden Worten von Quasts intensiv der künstlerisch verarbeiteten „Denk- und Fühlweise“ nachspürte. „Neue Informations- und Kommunikationstechnologien bestimmen unseren Alltag“, erklärte die seit Langem in Egling lebende und mehrfach ausgezeichnete Malerin und Bildhauerin. „Es findet eine allgemeine Beschleunigung des Lebens statt.“ Was einerseits Chance für die Weiterentwicklung sei, brächte andererseits aber auch negative Auswirkungen – permanenter Stress etwa könne unter Umständen zu Schlaflosigkeit, Burnout oder Depressionen führen. Angesichts der stetigen Erreichbarkeit und ständigen Anspannung würden Auszeiten immer wichtiger.
Einmal selbst in so eine Phase der Überbeanspruchung hineingeraten, habe sie sich näher mit diesem Thema befasst. Entstanden ist daraus nicht nur der Titel der Ausstellung, sondern eine Reihe kreativer, ausdrucksfreudiger und anspruchsvoller Werke. Man muss bei manchen Bildern wirklich genau hinschauen, um neben dem jeweiligen Hauptmotiv die oft wie beiläufig eingestreuten Nebendarstellungen mit aufzunehmen. Paare in trauter Zweisamkeit, schlafende, musizierende oder sinnierende Menschen, dazu im Kleinformat integriert ein Motorrad, eine Eisenbahn oder eine Sitzgruppe. Beispiele, wie man solch’ wohltuende Auszeiten verbringen könnte. Dass die Konturen mitunter verschwinden und farbige Schattierungen und Kontraste mit einfließen, unterstreicht den Ausdruck der Leichtigkeit und Ungezwungenheit des Augenblicks.
Ausstellung läuft noch bis 6. Oktober
Eine „Spezialiät“ der Künstlerin sind überdies jene Skulpturen, bei denen sie Bronze und Stein zu einem Objekt zusammenfügt. „Farbe und Marmorierung des Steins müssen mit dem Guss harmonieren“, unterstrich Hinterstocker. Ein glänzendes Beispiel unter den zahlreichen Ausstellungsstücken dieser Art ist „Die große Mutter“: Der obere Teil der Figur – also der Oberkörper der „großen Mutter“ – ist aus Chalcedon geschaffen, der untere Teil ist Bronzeguss, in dem reliefartig einige Menschen zu sehen sind – wohl jene Menschen, die sich unter der Obhut der „großen Mutter“ befinden. Als Werkstoff verwendet von Quast aber auch Hölzer.
Bis 6. Oktober kann die Präsentation besichtigt werden – ganz im Sinne von Elisabeth Hinterstocker: „Nehmen Sie sich die Zeit dafür, seien Sie eben momentan nicht erreichbar.“ (Rosi Bauer)
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