Stephan Semmelmayr erklärt Gründe für Aus

„Sie darf niemals sterben“: Ex-Chef der Predigtstuhlbahn wirbt für Erhalt der „Grande Dame“

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Stephan Semmelmayr hat trotz der kurzen Amtszeit die Bedeutung der Predigtstuhlbahn für Bad Reichenhall kennengelernt und verstanden.
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Der überraschende Wechsel Mitte Juli auf dem Chefposten der Predigtstuhlbahn in Bad Reichenhall hat Fragen aufgeworfen. Wieso trennte sich das Unternehmen von Stephan Semmelmayr, der erst im März 2024 übernommen hatte? Im Gespräch erklärt der 57-Jährige die Gründe für sein Ausscheiden und wirbt dafür, für den Erhalt der Bahn zu kämpfen.

Bad Reichenhall - Durchaus überraschend erfolgte vor wenigen Tagen die Nachricht, dass wieder Klaus Unterharnscheidt die Geschicke der Predigtstuhlbahn übernommen hat und damit auf Stephan Semmelmayr folgt. Dieser hatte den Posten des Geschäftsführers erst im März 2024 übernommen. Auf die Gründe nach dem Ausscheiden gefragt, stellt Semmelmayr von Anfang an klar, dass er die Predigtstuhlbahn im Guten verlassen hat.

„Ich konnte den Auftrag, den ich von Max Aicher erhalten habe, einfach aus finanziellen Gründen nicht umsetzen. Wir haben weiter ein gutes Verhältnis und stehen im Austausch“, betont er. Dass er von Aicher persönlich eingestellt und beauftragt wurde, die Bahn in eine neue touristische Dimension zu führen, habe ihn damals sehr gefreut.

Stephan Semmelmayr wirbt für den Erhalt der Bahn.

„Umsetzung der Pläne nicht möglich“

Doch wie Semmelmayr schildert, trat er den Posten genau in der Phase an, in der die Stiftung, zu der die Bahn gehört, aufgrund der wirtschaftlichen Probleme in der Stahl-Branche in eine schwierige Phase geriet. Er fand seinen Worten zufolge eine Situation vor, „die im Laufe des Jahres immer stärker und extremer wurde“.

Zusammengefasst bringt er es auf den Punkt: „Es war einfach nicht genügend Geld da und mit angezogener Handbremse war die Umsetzung der Pläne einfach nicht möglich - zumindest nicht in der Form, die ich vorgesehen hatte.“ Mit 57 Jahren befinde er sich zudem in einer Phase in seinem Leben, in der er sich nicht mehr jahrelang irgendwie durchbeißen und darauf hoffen wolle, dass irgendwann wieder bessere Zeiten kommen. „Das könnte ich mit 30 oder 40 Jahren machen, aber nicht mit Mitte 50. Ich will die Zeit für Dinge nutzen, die ich umsetzen kann.“

Mit der Erlebniswelt 1928 in die Geschichte eintauchen

Positiv blickt er darauf zurück, dass er die Ticketpreise für Einheimische wieder erschwinglicher gemacht habe. „Das hätte noch stärker beworben werden müssen, aber das liegt nicht mehr in meiner Hand.“ Ein großes Anliegen war ihm der Schritt zur Erlebniswelt 1928, um die Predigtstuhlbahn und deren Historie erlebbar zu machen. „Von der Bahnfahrt über die Gastronomie bis zum Museum: Die Besucher sollen in diese Welt eintauchen und deren Geschichten kennenlernen, wie zum Beispiel die zahme Gams, die 1934 dem damaligen Betriebsleiter zugelaufen ist. Damit soll ein Erlebnis geschaffen werden, dass über eine reine Berg- und Talfahrt hinausgeht.“

Die „Grande Dame der Alpen“

Die Predigtstuhlbahn gilt als die älteste im Original erhaltene Großkabinenseilbahn der Welt. Sie steht unter Denkmalschutz und wurde 1927/28 gebaut. Auf einer Strecke von 2,3 Kilometern wird ein Höhenunterschied von 1140 Metern überwunden. Mit einer Geschwindigkeit von 18 km/h dauert eine Fahrt etwa 8,5 Minuten. Nach Angaben der Predigtstuhlbahn GmbH sind etwa 50 Beschäftigte angestellt, die Bahn transportiert etwa 40.000 Gäste pro Jahr.

Der 57-Jährige betont, dass er die Bahn sehr ins Herz geschlossen habe. „Die Predigtstuhlbahn gehört zur touristischen DNA von Bad Reichenhall. Wenn sie schon nicht das Herz der Stadt ist, dann mindestens die Lunge“, macht er klar. Trotz der kurzen Amtszeit habe er die große Bedeutung für die Stadt und die Einheimische kennengelernt und verstanden. „Diese Erkenntnis war eine schöne Last, die ich gespürt habe“, sagt er.

Die Bergstation der Predigtstuhlbahn.

Nachhaltige Zukunft als größte Herausforderung

Die größte Herausforderung liegt für Semmelmayr in der nachhaltigen Zukunft der Bahn: Seiner betriebswirtschaftlichen Einschätzung zufolge ist die Bahn fast nicht rentabel zu fahren. „Die Personenkapazität liegt bei 100 Personen pro Stunde. Andere Bahnen schaffen 2000 bis 3000 Personen. Da muss man nicht Raketenwissenschaft studiert haben, um herauszufinden, dass es schwierig wird.“

Für ihn ist klar: „Die Predigtstuhlbahn darf niemals sterben. Wir alle müssen für deren Erhalt kämpfen. Ohne Aicher wäre sie schon vor zehn Jahren geschlossen worden. Er steckt so viel Geld und Leidenschaft rein.“ Für den 57-Jährigen ist daher klar, dass sich früher oder später auch die öffentliche Hand einschalten muss, um die Zukunft der Bahn sicherzustellen. (ms)

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