- VonMarcel Sowaschließen
Erst 25 Jahre alt und schon Inhaber von zwei Döner-Filialen und eines Lebensmittelladens: Stillstand ist für Murad Azem keine Option. Dabei war die Übernahme des ehemaligen Filmcafés in der Reichenhaller Fußgängerzone gar nicht so geplant, wie er im Gespräch verrät.
Bad Reichenhall – Auch wenn Teile der Fassade noch sehr stark an das Filmcafé erinnern, deren Inhaber sich schweren Herzens für einen Umzug entschieden haben: Das Schaufenster in der Reichenhaller Fußgängerzone zeigt bereits die Aufdrucke des künftigen Niso-Grills. Murad Azem kann den Start seiner zweiten Döner-Filiale schon jetzt kaum erwarten. „Maximale Freude“, sagt er darauf angesprochen.
Mit gerade einmal 25 Jahren eröffnet der Inhaber sein insgesamt drittes Geschäft - das können nicht viele in diesem Alter von sich behaupten. „Das ist nicht meine Natur, dass ich mich mit dem Erreichten zufriedengebe“, meint Azem mit einem Lächeln. Er selbst sagt: „Die Gastronomie liegt mir einfach.“ Doch überraschenderweise hat er diese Leidenschaft nicht von seiner Familie.
Mit 18 Jahren eine eigene Bar
Seine Eltern eröffneten vor vielen Jahren einen kleinen Lebensmittelladen in der Kreisstadt. Azem fing schon im Alter von 15 Jahren an, in der Gastronomie zu arbeiten. Der gelernte Hotelfachmann sammelte unter anderem im Berchtesgadener Kempinski am Obersalzberg wichtige Erfahrung. Damals lebte die Familie noch in Bischofswiesen. Dass sich der 25-Jährige nicht davor scheut, Verantwortung zu übernehmen und etwas aufzubauen, zeigte er bereits früh: Mit nur 18 Jahren eröffnete er in Freilassing eine eigene Bar.
Wie es der Zufall so wollte, wurde 2022 für das Geschäft in der Reichenhaller Bahnhofsstraße 29 ein Nachfolger gesucht. Azem und seine Eltern einigten sich darauf, hier den Lebensmittelladen zusammen fortzuführen. „Die Bar habe ich dann abgegeben“, sagt er. Anfangs hatten sie durchaus Bedenken, ob die familiäre Zusammenarbeit auch reibungslos klappt, denn: „Ich wollte schon immer mein eigenes Ding machen. Aber mein Vater vertraut mir und nimmt sich auch zurück. Er lässt mich machen und wir helfen uns gegenseitig.“
„Ich wollte etwas Neues“
Sie investierten viel Geld in das Geschäft, weil unter anderem der Aufzug in den Keller repariert werden musste. Nach der Eröffnung merkte Azem, dass er wieder seiner Leidenschaft für die Gastronomie nachgehen möchte. Direkt nebenan gab es damals noch eine Bäckerei. Und wie es der Zufall so wollte, konnte er auch diesen Laden Ende 2023 übernehmen.
Doch warum ausgerechnet ein Dönerladen? „Ich finde, der hat in Bad Reichenhall noch gefehlt“, sagt der 25-Jährige selbstbewusst. Ein Restaurant zu eröffnen kam für ihn auch deshalb nicht infrage, weil er schon mal in einem gearbeitet hatte. „Ich wollte etwas Neues.“
Konzept entwickelt sich zum Erfolg
Auch hier ging Azem seinen eigenen Weg, bei anderen Betreibern von Dönerläden informierte er sich nicht wirklich. „Man muss es einfach machen, aber man braucht Liebe und Leidenschaft dafür“, findet er. Mit seinen Zutaten, etwa beim Gemüse oder den Soßen, versucht er sich abzuheben - etwa mit Granatapfelkernen und Cocktailtomaten. Sein Konzept ging auf und der Niso-Grill wurde für den 25-Jährigen zum vollen Erfolg: „Mit einer solchen Menge an positiven Rückmeldungen hatte ich nicht gerechnet.“
Ein zweiter Standort war eigentlich nicht geplant, auch wenn Azem betont, dass er Ziele und Träume hat. „Mich auf dem Erfolg auszuruhen, das kann ich einfach nicht“, sagt der Inhaber, der auch weiterhin mit seinen Eltern den Niso-Markt leitet. Die Übernahme des früheren Filmcafés ergab sich einfach so, erklärt er.
Leidenschaftlicher Gastronom
Die Speisekarte wird die gleiche sein wie im Laden in der Bahnhofstraße, nur wird es kein Rindfleisch geben. Die Vorfreude ist groß, aktuell laufen die Umbauarbeiten im Inneren des Lokals. Er denkt, dass er dort mehr Touristen als Kunden begrüßen kann als am ersten Standort, er aufgrund seiner Lage mehr Einheimische anzieht. „Ich bin froh, hier zu sein, und kann die Neueröffnung Ende Juli oder Anfang August kaum abwarten.“
Über seine Mitarbeiter ist er voll des Lobes: „Ich habe ein super Team, das hinter mir steht. Wir halten zusammen.“ Der junge Inhaber strahlt, wenn er über seinen Beruf als Gastronom erzählt. Das Menschliche, der Kontakt und die Gespräche mit den Kunden, die soziale Komponente: Das liebt er am meisten an seinem Beruf. „Das liegt mir einfach im Blut“, meint Azem mit einem Grinsen. (ms)

