Frido Mann im Interview

Bad Tölz erinnert an Thomas Mann -  und bekommt viel Lob vom Lieblingsenkel des Nobelpreisträgers

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Der Psychologe und Schriftsteller Frido Mann (78) gilt als Lieblingsenkel Thomas Manns.
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Wenn am Montag, 8. Oktober, in der Tölzer Stadtbibliothek ein eigenes Thomas-Mann-Zimmer eröffnet, ist auch Enkel des Schriftstellers mit dabei. Der 78-jährige Frido Mann will demnächst sogar dem Bundespräsidenten davon berichten.

Bad Tölz Ein Stück „Thomas Mann zum Anfassen“ gibt es jetzt in der Tölzer Stadtbibliothek: Dort wird am Montag, 8. Oktober, offiziell ein Thomas-Mann-Zimmer eröffnet. Bei der Veranstaltung wird auch Frido Mann (78) zu Gast sein. Der Psychologe und Schriftsteller gilt als Lieblingsenkel Thomas Manns. Im Kurier-Interview berichtet er, dass er das Landhaus, das sein Großvater bis 1917 am Klammerweiher besaß, erst vor Kurzem zum ersten Mal von innen besichtigte und dass er Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bald vom Tölzer Thomas-Mann-Zimmer berichten möchte.

Herr Prof. Mann, erkennen Sie im neuen Thomas-Mann-Zimmer in der Tölzer Stadtbibliothek den Schreibtisch Ihres Großvaters wieder?

Bisher habe ich die Nachbildung des Schreibtischs, die jetzt in Bad Tölz steht, nur kurz im Landhaus Villino gesehen. Ob es da Divergenzen zum Original gibt, kann ich nicht sagen. Zum Vergleich kann man sich ja den Original-Schreibtisch im Thomas-Mann-Archiv in Zürich ansehen. Aber ich glaube nicht, dass es auf mögliche kleine Abweichungen ankommt. Den Schreibtisch in Bad Tölz kann man durchaus als Schreibtisch von Thomas Mann betrachten, und dass er für die Besucher der Tölzer Stadtbibliothek zugänglich sein wird, ist etwas Wunderbares.

Verbinden Sie mit dem Arbeitszimmer, wie es in Bad Tölz zu sehen ist, eigene Erinnerungen?

Ja, denn bis zum Alter von knapp neun Jahren habe ich jeweils drei bis vier Monate im Jahr bei meinen Großeltern in Pacific Palisades in Kalifornien verbracht. Auch nach ihrer Rückkehr aus den USA in die Schweiz war ich in den meisten Schulferien bei ihnen, bis etwa ein halbes Jahr vor dem Tod meines Großvaters. Ich war mit meinen Großeltern sehr eng verbunden.

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Haben Sie Thomas Mann an dem Schreibtisch arbeiten sehen?

Ich habe ihn nicht während seiner Arbeit an diesem Schreibtisch sitzen sehen, denn wenn er schrieb, durfte niemand zu ihm. Aber in dem Arbeitszimmer habe ich mich immer wieder bei Vorlese-Nachmittagen auf dem Sofa bei ihm aufgehalten. Und ich erinnere mich auch sehr gut an die Gegenstände, die auf dem Schreibtisch standen. Darunter war eine Dose, die ich noch in Amerika von ihm geschenkt bekommen habe. Ich habe sie vor einiger Zeit ans Thomas-Mann-Archiv in Zürich weiterverschenkt.

Was sagen Sie dazu, dass der Schreibtisch und die Thomas-Mann-Bibliothek nun in Bad Tölz ein neues Zuhause gefunden haben?

Als bekannt wurde, dass beides aus dem Landhaus Villino ausziehen muss, da habe ich zusammen mit Dirk Heißerer vom Thomas-Mann-Forum überlegt, welche Möglichkeiten es gibt, und dabei hatte ich auch die Kurstadt Bad Tölz im Kopf. Umso größer war unsere Freude, als der Dritte Bürgermeister Christof Botzenhart von sich aus vorgeschlagen hat, dass das Thomas-Mann-Zimmer nach Bad Tölz umziehen könnte. Das war schon eine ganz besondere Nachricht.

In dieser Villa am Klammerweiher verbrachte die Familie Mann über viele Jahre die Sommermonate.

Hatten Sie selbst schon vorher eine Verbindung zu Bad Tölz?

Vor etwa zehn Jahren war ich schon einmal für eine Lesung in Bad Tölz, organisiert von der Buchhändlerin Johanna Zantl. Das Landhaus am Klammerweiher habe ich aber erst vor Kurzem zum ersten Mal zusammen mit Dirk Heißerer besichtigt. Eine der freundlichen Schwestern, die es als Gästehaus nutzen, hat es uns gezeigt.

Und wie war Ihr Eindruck?

Ich war sehr erfreut über den guten baulichen Zustand. Das Haus selbst hat sich kaum verändert, das Grundstück ist riesig und bietet eine beeindruckende Aussicht. Es ist ja das einzige noch erhaltene Thomas-Mann-Haus in Deutschland.

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Wie bewerten Sie es, dass Bad Tölz sich seit Kurzem so intensiv um die Erinnerung an Thomas Mann kümmert?

Ich finde es großartig, dass sich die Stadt Bad Tölz dieses Themas annimmt. Im Vergleich dazu hat die bayerische Metropole München in dieser Hinsicht bedauerlich wenig getan.

Aktuell hingegen hat nicht nur Bad Tölz sein Thomas-Mann-Haus als kulturelles Erbe wiederentdeckt. Die Bundesrepublik hat Thomas Manns „Weißes Haus des Exils“ in Pacific Palisades 2016 erworben, am 18. Juni wurde es von Bundespräsident Steinmeier als transatlantische Begegnungsstätte eröffnet.

Es würde mich sehr freuen, wenn eine Kooperation zwischen Bad Tölz und dem Thomas-Mann-Haus in Kalifornien entstehen würde. Ich möchte dem Bundespräsidenten bei meinem nächsten Besuch vom Thomas-Mann-Zimmer in der Tölzer Stadtbibliothek berichten und ihm sagen, dass irgendeine Form der Verbindung eine schöne Sache wäre.

Neues Buch

In Frido Manns Buch „Das Weiße Haus des Exils“ geht um das „Thomas Mann House“ in Pacific Palisades, seine Erinnerungen, das politische Engagement der Manns im Exil und den transatlantischen Dialog in Zeiten Trumps. Verlag S. Fischer, 208 Seiten, 20 Euro.

Eröffnung des Thomas-Mann-Zimmers

Das Thomas-Mann-Zimmer im 1. Stock der Tölzer Stadtbibliothek beinhaltet einen Nachbau des Schreibtischs, den der Nobelpreisträger in seinen Exil-Häusern in Pacific Palisades (Kalifornien) und in der Schweiz stehen hatte. Bei dem in Tölz ausgestellten Tisch handelt es sich um ein Requisit aus dem Film „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ (2001) von Heinrich Breloer. Zudem sind in dem Zimmer Teile der Thomas-Mann-Bibliothek untergebracht, die das Thomas-Mann-Forum von Anita Graef, der Sekretärin der Familie Mann, geerbt hat. Filmrequisiten und Bücher waren bislang im Landhaus Villino in Feldafing untergebracht. Den dortigen Raum kann das Thomas-Mann-Forum aber nicht weiter nutzen, weil der Eigentümer, die Artemed-Klinik, umbaut. In dem Zimmer in Bad Tölz kann zu den Öffnungszeiten der Bibliothek jeder Besucher an dem Schreibtisch Platz nehmen und die Bücher aus der Bibliothek nutzen. Zur Eröffnungsveranstaltung am kommenden Montag, 8. Oktober, sprechen ab 19 Uhr im Erdgeschoß der Stadtbibliothek Bürgermeister Josef Janker, 3. Bürgermeister Christof Botzenhart, Dirk Heißerer (Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums), sowie Frido Mann. Harfenistin Anette Hornsteiner übernimmt die musikalische Gestaltung. Der Eintritt ist frei. Anschließend tragen sich Frido Mann und Dirk Heißerer ins Goldene Buch der Stadt ein.

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