Heute Thema im Stadtrat

Wird Sanatorium Sedlmayr in Wohnhaus umgewandelt? Jetzt meldet sich die Familie zu Wort

+
„Jeden Cent in das Sanatorium gesteckt“: Geschäftsführerin Roswitha Sedlmayr vor ihrem Sanatorium an der Buchener Straße.

Die Umwandlung des traditionsreichen Sanatoriums Sedlmayr in Wohnungen möchte der Tölzer Bauausschuss verhindern und hat daher eine Veränderungssperre in der Buchener Straße befürwortet. Um dieses Thema geht es auch in der Stadtratssitzung an diesem Dienstag. Nun nimmt erstmals die Familie Sedlmayr selbst öffentlich Stellung.

Bad Tölz – Der Betrieb, so hatte Kurdirektorin Brita Hohenreiter, argumentiert, sei ein „kleines, aber gutes Haus“, dessen Übernachtungszahlen sich trotz aller Krisen positiv entwickelt hätten. Das Areal sei als „touristisches Kerngebiet schützenswert“. Die Familie Sedlmayr wollte diesen Beschluss zunächst nicht kommentieren, meldet sich nun aber doch zu Wort. Denn, so Geschäftsführerin Roswitha Sedlmayr: Der Beschluss des Bauausschusses sei „aufgrund fehlender Informationen getroffen worden“.

Die entscheidenden Punkte werden in einem Brief an alle Stadträte aufgelistet. Der Kern: Ein wichtiger Kostenträger hat seinen Belegungsvertrag für das Tölzer Sanatorium überraschend gekündigt, weil er seine Patienten nur noch größeren Häusern mit 200 bis 300 Betten zuweisen will. Für das kleine, aber feine 31-Zimmer-Haus in Tölz bedeutet dies einen Umsatzeinbruch um 40 Prozent.

Das bricht dem Betrieb das Genick: Das Sanatorium sei trotz aller Bemühungen ab 2019 nur noch mit Verlust zu führen, so ist zu lesen. Man habe, so Roswitha Sedlmayr, mit Steuer- und Tourismusberatern diverse Szenarien durchgespielt. Eindeutiges Ergebnis: Das Unternehmen habe nicht mehr die ausreichende Ertragskraft für eine Übergabe an die Kinder, die Sicherung von Investitionen und – wichtig – die Altersversorgung der Übergeber-Generation.

Lesen Sie auch: „Haus am Park“: Weitere Senioren-Zimmer statt Café „Kupferdachl“

Gerade diesen letzten Punkt hebt Roswitha Sedlmayr in dem Schreiben an die Stadträte als bedeutsam hervor. Man habe in den vergangenen Jahren aufgrund der schwierigen Lage im Kurbereich keine Rücklagen bilden können, sondern „jeden Cent“ in das Sanatorium gesteckt. Man habe 25 Jahre lang eine Vielzahl von Mitarbeitern beschäftigt, Steuern bezahlt und das Tölzer Kurwesen maßgeblich unterstützt.

Sedlmayr: „Wir haben verdient, dass diese Fakten berücksichtigt werden.“ Man brauche möglichst schnell die Umwandlung in ein Wohnprojekt, um mit den Einnahmen der Mietwohnungen die eigene Rente generieren zu können.

Lesen Sie auch: Die Luft ist rein: Tölz behält Heilklima-Prädikat

Sedlmayr betont in dem Zusammenhang, dass das Grundstück, das ihren Worten zufolge in einem Mischgebiet liegt, in Familienbesitz bleiben werde. „Es wird nichts verkauft.“

Sanatorium in Bad Tölz „eben kein Hotel, sondern ein Kurbetrieb“

Die drohende Kündigung durch einen wichtigen Kostenträger und die für diesen Ernstfall alternativ geplante Umwandlung des Sanatoriumsbetriebs in Wohnungen habe man im Sommer gegenüber Bürgermeister Josef Janker bereits kommuniziert. Der habe diese Notlösung als „plausibel und verständlich“ bezeichnet. Umso mehr wundert man sich nun über den Beschluss des nicht ausreichend informierten Bauausschusses.

Lesen Sie auch: Leben zwischen Erfüllung und Einsamkeit: Wenn ein alter Tölzer Bierkeller sprechen könnte

Zwei Dinge stellt die Sanatoriumschefin noch am Rande klar: Das Haus sei eben kein Hotel, sondern ein Kurbetrieb. Die Kunden seien Patienten. „Wir haben keine Hotelbetten.“ Das Grundstück sei mit seinen rund 1500 Quadratmetern auch viel zu klein für ein wirtschaftlich zu führendes Hotel.

Der zweite Punkt bezieht sich auf die anhaltenden Diskussionen über die Zukunft des Badeteils und des Tölzer Kur- und Fremdenverkehrsbetriebs. „Wir wollen nicht im Zuge einer Grundsatzdiskussion über die städtebauliche Entwicklung unsere Existenzgrundlage der Zukunft verlieren. Unsere Situation erfordert eine Einzelfallprüfung.“

Kommentare