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Stundenpläne werden überarbeitet, Sitzordnungen verändert, Einbahnregelungen auf Treppen geschaffen: Die Schulen richten sich auf „Unterricht mit Abstand“ ein.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Ab Montag dürfen die Abschlussklassen zurück in die Schulen. In den Bildungseinrichtungen wurde zuletzt alles dafür vorbereitet.
104 Zwölftklässler kehren am Montag ins Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium zurück, wie Schulleiter Alexander Göbel auf Nachfrage mitteilt. „Wir haben einen komplett neuen Stundenplan geschaffen für den Zeitraum, in dem die Q12 zu beschulen ist.“ Dabei wurde darauf geachtet, den Plan kompakt zu halten, um möglichst wenige Freistunden und somit Kontaktmöglichkeiten zuzulassen. Die Schüler würden in ihren bisherigen Kursen von den bisherigen Leitern unterrichtet – außer in den Fällen, in denen Kurse geteilt werden mussten. Unterrichtet werden nur die prüfungsrelevanten Fächer.
„Keine zu große Schülerzahl in einem Raum“
Man habe sich sowohl an die Hygienevorgaben des Ministeriums als auch an die des Gesundheitsamts und an eigene Überlegungen gehalten: „Dazu zählt das Abstandhalten, keine zu große Schülerzahl in einem Raum, keine zu großen Schülerbewegungen in der Schule, die bekannte Nies- und Hustenetikette, Versorgung von jedem Waschbecken mit Handseife und Handtüchern durch das Landratsamt sowie besondere Pausenregelungen.“
42 Schüler werden ab Montag die Mittelschule in Lenggries besuchen. Diese werden laut Leiter Bernd Kraft über einen genauen Hygieneplan informiert. In kleineren Gruppen und verschiedenen Schichten soll der Unterricht für die prüfungsrelevanten Fächer laufen. „Nahezu das gesamte Kollegium“ werde wieder vor Ort sein. Es werde darauf geachtet, die Türklinken, Geländer und andere Bereiche, die häufig angefasst werden, zu reinigen. „Durch eine großzügige Spende der Firma Hirschkuss ist ausreichend Desinfektionsmittel vorhanden“, so Kraft.
Unterricht zeitlich versetzt
„Beide neunten und auch beide zehnten Klassen wurden halbiert“, berichtet Stephanie Eckert, kommissarische Schulleiterin der Mittelschule Gaißach. So könne man die Vorgaben von 10 bis 15 Schülern pro Raum und entsprechenden Abständen einhalten. „Außerdem beginnen wir den Unterricht zeitlich versetzt.“ Damit soll sich die Zahl der ankommenden Schüler reduzieren. Auch die Busbeförderung werde so erleichtert. Die ersten Schüler beginnen um 8.15 Uhr, die letzten verlassen die Schule um 13.30 Uhr. Unterrichtet werden in den 20 Stunden pro Gruppe nur Fächer, die entweder im Quali oder in den M-Prüfungen abgefragt werden.
Die vier Klassenlehrer betreuen weiterhin ihre Klassen. Da aber durch die Aufteilung mehr Personal gebraucht wird, springen weitere Lehrer ein, versorgen aber trotzdem weiterhin auch ihre eigenen Schüler digital mit Unterrichtsmaterial für das Lernen zu Hause. „Unsere Lehrer freuen sich auch schon wieder auf das Arbeiten in der Klasse. Wir werden diese wertvollen Wochen nun auch effektiv nutzen“, sagt Eckert.
Mundschutzmasken und Handschuhe für die praktischen Fächer
Der Hygieneplan sieht vor, dass die Schüler für die praktischen Unterrichtsfächer Technik und Soziales mit Mundschutzmasken und Handschuhen ausgestattet werden. In den Waschräumen gibt es reichlich Seife und Trockengebläse, in den Klassenzimmern werden Papiertücher verwendet. Die genutzten Zimmer werden gründlich gereinigt. Dazu gehört auch, dass Lichtschalter und Türgriffe sauber gemacht werden. Weitere Maßnahmen laut Eckert: „Die Schüler dürfen nur alleine zur Toilette gehen. Die Pausen finden in den Klassenzimmern statt, um auch hier den Mindestabstand einhalten zu können.“
Mit großer Vorfreude blickt Christoph Beck, Leiter des St.-Ursula-Gymnasiums Hohenburg in Lenggries, auf die Rückkehr der 44 Abiturientinnen. „Wir brennen alle darauf, die Schülerinnen direkt beschulen zu dürfen, ihnen den letzten Schliff für die Prüfungen zu geben und Fragen zu klären.“ Zwar habe man auch anhand der digitalen Möglichkeiten die Zeit gut überbrückt. „Aber Unterricht von Angesicht zu Angesicht ist nicht zu ersetzen.“
Unterricht in Hohenburg beginnt zur zweiten Stunde, Freitag bleibt frei
Auch in Lenggries wurde ein eigener Stundenplan erstellt, der möglichst wenige Zwischenstunden zulässt, um „die Kontakte gering zu halten“. Vorgesehen ist, dass die Mädchen von Montag bis Donnerstag von der zweiten Stunde bis 13 Uhr Unterricht haben. Aufgrund des reduzierten Fahrplans von Bahn und Bus könnten die Schülerinnen nicht rechtzeitig zur ersten Stunde anwesend sein. Der Freitag bleibe frei für das eigenständige Lernen zuhause. „Aber die Lehrer stehen parat, um die Mädchen über Skype zu betreuen.“
Die Klassenzimmer seien von den Hausmeistern entsprechend umgestaltet, um den Abstand zu gewährleisten. In jedem Raum sind nur maximal 15 Schülerinnen anwesend.
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Auch gibt es neue Regeln für die Pause: Die Pausen von Gymnasium und Realschule finden zu unterschiedlichen Zeiten statt, damit weniger Leute gleichzeitig auf den Gängen sind. Bei den Treppen habe man nun eine zum Rauf- und eine zum Runtergehen. Seife sei ausreichend vorhanden, auch Desinfektionsmittel stehe in den Klassenzimmern bereit, so Beck. Maskenpflicht gebe es keine, „aber wir halten Masken durchaus für sinnvoll“.
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Er ist sich sicher, dass die Schülerinnen gut vorbereitet in das Abitur starten werden. „Alle waren richtig fleißig, haben die Zeit gut genutzt.“ Auch habe er bei einer Umfrage in einem seiner Kurse die Resonanz bekommen, dass die Schülerinnen unbedingt die Prüfungen schreiben wollen. „Sie haben allesamt gesagt: Das gehört einfach dazu.“

