VonGerti Reichlschließen
Bad Wiessee verlangt künftig mehr Kurtaxe. Der Kur- und Verkehrsverein fühlt sich übergangen und hat eine saftige Stellungnahme abgegeben.
Bad Wiessee – 3,30 Euro statt 2 Euro müssen Gäste ab 1. Dezember 2019 pro Person und Nacht an Kurtaxe zahlen. Dass Bad Wiessee den Beitrag damit um rund 65 Prozent anhebt und zugleich aus der einheitlichen Marschroute im gesamten Tegernseer Tal ausschert, ist nicht nur im Gemeinderat selbst umstritten. Auch der Kur- und Verkehrsverein Bad Wiessee ist empört. „Wir sind von der Erhöhung der Kurtaxe mehr als kalt erwischt worden“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins, unterzeichnet vom Vorsitzenden Bernhard Kaiser, der Stellvertreterin Steffi Erlacher, Kassier Regina Beil und Schriftführerin Maria Strillinger.
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Angesichts der Deckungslücke von über einer Million Euro, die als Grund für die Erhöhung angeführt wurde, könne der Verein aus kaufmännischer Sicht zwar nachvollziehen, dass eine Kommune auf Kostendeckung achten müsse. „Wir vermissen aber die Berücksichtigung des Fremdenverkehrsbeitrags und die Gewerbesteuer“, heißt es weiter.
Am meisten erschrecke den Verein aber der Alleingang von Bad Wiessee, wo doch im 2012 noch alle Tal-Bürgermeister einig gewesen seien, auf eine talweite Kurtaxe zu achten. „Als Verein, der die Interessen der Vermieter vertritt, fühlen wir uns übergangen“, heißt es in der Stellungnahme. Der Verein kritisiert, dass er im Vorfeld nicht konsultiert und darüber informiert worden sei. Man sei überzeugt, dass die Entscheidung „von Anfang an geplant“ und am Abend der Gemeinderatssitzung „durchgedrückt“ werden sollte.
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Nach Ansicht der Unterzeichner würden die Gäste nun für die jahrelange Misswirtschaft bestraft, „und das in einem Ort, der mehr Baustellen als sonst wo hat, die Straßenverhältnisse teils miserabel und die Einkaufsmöglichkeiten gleich Null sind.“ Vermieter, die für 2020 und später Reservierungen zum Festpreis für Busgruppen bestätigt hätten, würden nun höchstwahrscheinlich auf der Differenz von einigen Tausend Euro sitzen bleiben, befürchtet Kaiser, der zugleich Mitglied im Tourismusbeirat der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) ist. Die Gemeinde werde wohl nicht für diese Summe aufkommen, „denn Mehreinnahmen“, glaubt der Vereinsvorstand mit süffisantem Unterton, „werden ja nun hoffentlich in die vielen versprochenen Objekte im Ort gesteckt.“
gr
