Gemeinde gibt Machbarkeitsstudie in Auftrag

Bad Wiessee lässt Kosten für Badepark-Neubau prüfen: Ist Abriss die bessere Alternative?

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Der Badepark ist schwer in die Jahre gekommen. Eine Sanierung würde nach jetziger Planung 19 Millionen Euro kosten. Jetzt lässt die Gemeinde die Kosten für einen Neubau prüfen.
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Ist für den Badepark der Abriss die bessere Alternative? Das lässt der Wiesseer Gemeinderat jetzt prüfen. In nicht öffentlicher Sitzung klopfte das Gremium den Kurs fest.

Bad Wiessee – Jahr um Jahr reißt der Badepark ein großes Loch in die Wiesseer Gemeindekasse. Für 2019 kalkuliert die Kämmerei mit einem Defizit in Höhe von 1,7 Millionen Euro. Mit dieser Summe hält die Gemeinde einen Dinosaurier am Leben: Die 50 Jahre alte Anlage ist technisch so veraltet, dass trotz ständiger Reparaturen latent ein Totalschaden droht. Inzwischen denkt der Gemeinderat an Abriss. In einer nicht öffentlichen Sondersitzung beschloss das Gremium jetzt mit 13:2 Stimmen, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Am Ende soll eine klare Empfehlung stehen: Was ist besser, Sanierung oder Neubau? Gesucht wird die wirtschaftlichste Lösung.

Es war ein Besuch des neuen Wellness-Bads Atoll in Maurach, der den Stein ins Rollen gebracht hat. Ende November 2018 besichtigten alle Tal-Bürgermeister und Tourismus-Chef Christian Kausch das Bad, dessen Bau 22 Millionen Euro gekostet hat. Die bisher geplante Sanierung ist auf 19 Millionen Euro taxiert.

Mit dem Beschluss lebt auch die AG Badepark wieder auf. Die AG besteht aus Gemeinderäten und dem Projektentwickler Helmut Karg. Seit Ende 2017 tüftelt sie an einem Zukunftskonzept. Unter ihrer Regie entwickelte das Büro Wagenpfeil das Konzept für eine Kernsanierung.

Im Januar hatte Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD) die Arbeit der AG für vorerst beendet erklärt, zum Ärger der CSU-Fraktion. Wenig später setzte Huber mit einer knappen Gemeinderatsmehrheit die Erhöhung des Kurbeitrags von 2 auf 3,30 Euro durch. Begründung: Die Anhebung sei nötig, um die Erneuerung des Badeparks finanziell stemmen zu können.

Bei der Sondersitzung fehlte Huber: Er macht gerade Urlaub. Im vorgelegten Finanzplan spielt die Erhöhung des Kurbeitrags aber eine wichtige Rolle. „Es ist offensichtlich, dass die zu erwartenden Mehreinnahmen aus der Kurbeitragserhöhung den größten Teil der Finanzierung einer Generalsanierung beziehungsweise eines Neubaus des Badeparks darstellen“, erklärt Geschäftsleiter Hilmar Danzinger. Vorsichtig kalkuliert, bringe die Erhöhung des Kurbeitrags ein Plus von 400 000 Euro, die Zweitwohnungssteuer ein Plus von 250 000 Euro.

Zudem setzt Bad Wiessee auf die finanzielle Mithilfe der Nachbargemeinden. Bei einem ersten Gespräch habe sich der Tegernseer Bürgermeister Johannes Hagn „vorsichtig aufgeschlossen“ gezeigt, eine Defizitvereinbarung zu treffen, lässt die Gemeinde Bad Wiessee verlauten. Heißt: Die Nachbarn beteiligen sich am Minus, um dem Tegernseer Tal ein Hallenbad zu erhalten. Es dürfe erwartet werden, dass auch die Gespräche mit den Tal-Gemeinden Rottach-Egern, Kreuth und Gmund „vorsichtig positiv verlaufen werden“, heißt es im Finanzierungskonzept.

Bedeutet der Beschluss auch, dass an der Erhöhung des Kurbeitrags nicht mehr zu rütteln ist? Florian Sareiter (CSU) sieht das nicht so. Im Gegenteil: Seiner Ansicht nach zeige der Finanzierungsplan, dass die Erhöhung des Kurbetrags in diesem Ausmaß gar nicht nötig gewesen wäre: „Ich sehe die Behauptung, dass man den Badepark sonst nicht sanieren kann, noch mehr entkräftet.“ Die CSU-Fraktion hatte gegen die Anhebung gestimmt und im Nachgang vergeblich versucht, das Thema erneut auf die Tagesordnung zu bekommen.

Dem Beschluss, die Kosten für einen Neubau prüfen zu lassen, hat Sareiter zugestimmt. „Bei der Finanzierung stehen wir auch ganz am Anfang“, meint er. Wichtig sei, dass die AG ihre Arbeit wieder aufnehme. Die sei „von oben herab“ beendet worden: „Das war völlig unverständlich und intransparent.“ Sareiter ist Mitglied der AG, die im November 2018 zuletzt getagt hat. Sie wird nun demnächst wieder zusammenkommen. Dem Beschluss zufolge gibt die AG nicht nur eine Machbarkeitsstudie für einen Neubau in Auftrag, sondern lässt auch überprüfen, ob das bestehende Sanierungskonzept des Büros Wagenpfeil noch den heutigen Anforderungen an moderne und gewinnorientierte Bäderbetriebe entspricht.

Klar ist: Ein, eher zwei Jahre lang müssen die Wiesseer und das ganze Tegernseer Tal ohne Hallenbad auskommen. Ohne eine lange Schließung geht es auch bei der Sanierung nicht. Vom jetzigen Badepark würde allenfalls eine Hülle bestehen bleiben.

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