VonGabi Wernerschließen
Ein doppelt so großer Biergarten wie bisher, ein neuer Saal, ein nachhaltiges Energiekonzept: Bad Wiessee macht seine Post zu einem hochmodernen Gastro-Betrieb - für rund 20 Millionen Euro.
Bad Wiessee – Selten war das Interesse an einem gemeindlichen Projekt derart groß. Immer wieder schleppte der Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn (SPD) persönlich Stühle in den Sitzungssaal des Rathauses, um allen Besuchern – darunter auch der ehemalige Post-Wirt Kurt Geiß und Tourismus-Chef Christian Kausch – eine Sitzgelegenheit zu verschaffen. Überraschend war der Andrang nicht: Zum ersten Mal überhaupt präsentierte die Gemeinde öffentlich die Pläne für den Umbau ihres Gasthofs Zur Post und hatte dazu auch alle Fachplaner geladen. „Viele Diskussionen und harte Entscheidungen haben uns bis hierher gebracht“, sagte Bürgermeister Kühn. „Es ist ein Meilenstein.“
Denkmalgeschützte Gaststätte bleibt äußerlich unangetastet
Michi Huber vom Architekturbüro Atelier Glasnhof aus Gmund stellte den gespannten Zuhörern das bereits ausgeklügelte Zukunftskonzept vor. Die wohl wichtigste Botschaft: Der nördliche Gebäudeteil mit dem denkmalgeschützten Altbau aus dem Jahr 1864 und dem dahinter liegenden Anbau von 1989 bleiben äußerlich weitgehend unangetastet – im Inneren werden Gasträume, Schenke, Rezeption, Hotel- und Nebenräume zeitgemäß umgestaltet.
Post-Saal wird deutlich kleiner, der Biergarten dafür größer
Abgerissen und neu gebaut wird der Veranstaltungssaal auf der Südseite. Er wird laut Huber auf West- und Ostseite um insgesamt 25 Meter verkürzt und damit deutlich kleiner als bisher. Das wiederum kommt dem Biergarten zugute: Der wird nun doppelt so groß und bietet künftig 450 Sitzplätze. „Die Freifläche wird für die Gäste immer wichtiger“, erläuterte der Planer und schob hinterher: „Der Bräustüberl-Wirt macht es uns vor.“ Neu entstehen wird zwischen Altbestand und neuem Saal auch ein erdgeschossiger Zwischenbau mit Salettl, das sich bei Bedarf zum Biergarten hin öffnen lässt. „Dorthin können sich die Gäste zurückziehen, wenn ein Gewitter kommt“, so Huber.
Über dem Saal werden sechs Personalwohnungen entstehen
Der Saal, der sich mit seiner Holzverschalung der Gaststätte optisch deutlich unterordnen soll, ist wie bisher über ein Foyer an der Südseite zugänglich. Je nach Möblierung bietet er laut Huber Platz für Hochzeitsgesellschaften mit bis zu 160 Personen oder für Vorträge und Theateraufführungen mit bis zu 250 Besuchern. Während über dem Saal sechs unterschiedlich große Personalwohnungen für rund 20 Mitarbeiter geplant sind, entstehen im ersten und zweiten Obergeschoss des Hauptgebäudes die Hotelzimmer mit insgesamt 118 Betten. Hier soll es auch Familienzimmer und -suiten geben.
So zeitgemäß wie die Räumlichkeiten, Küche und Technik soll auch die Energieversorgung der neuen Post werden. Die Wärmeerzeugung erfolgt laut Marcus Kreft vom Haushamer Ingenieurbüro PFG Mayer unter anderem über eine Pelletheizung, eine thermische Solaranlage und Erdwärmekollektoren. Für die Stromerzeugung wird auf den Dächern großflächig eine PV-Anlage installiert.
Zwei CSU-Gemeinderäte stimmen wegen hoher Kosten gegen Bauantrag
Die meisten Gemeinderäte sprachen bei der Sitzung von einem großen Tag für Bad Wiessee und zeigten sich überzeugt, mit dem millionenschweren Umbau der Post auf dem richtigen Weg zu sein. Zu hoch ist die Investitionssumme – die Rede war erneut von rund 20 Millionen Euro – allerdings in den Augen von Alois Fichtner (CSU). Auch er wolle die Post, betonte Fichtner, „aber nicht um jeden Preis“. Auch sein Fraktionskollege Florian Flach hätte sich eine „günstigere Variante“ gewünscht. Gegen die Stimmen der beiden CSU-Vertreter wurde der Bauantrag am Ende genehmigt.
Dass die Investitionssumme Bauchschmerzen bereitet, wurde offenbar noch einmal im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung deutlich, als die Kostenberechnung zum Umbau der Post vorgestellt wurde. Wie die Gemeinde im Nachgang mitteilte, wurde diese mit 14:4 Stimmen genehmigt. Hier waren neben Fichtner und Flach auch die CSUler Florian Sareiter und Peter Kathan dagegen.
Sareiter und Kathan wollen vor Baustart fixen Vertrag mit Partner
Im Gespräch mit unserer Zeitung stellt Sareiter klar, warum er und sein Kollege Kathan gegen den Beschluss in nicht-öffentlicher Sitzung gestimmt haben. Dabei sei es weniger um die Kostenberechnung an sich gegangen, sondern vielmehr darum, dass die Gemeinde noch keinen fixen Pachtvertrag mit einem Partner geschlossen hat. Dem Vernehmen nach gibt es zwar bereits eine Vereinbarung mit einem künftigen Betreiber der Post, doch laut Sareiter sei „die vertragliche Basis noch nicht geklärt“. Er selbst und Kathan seien der Ansicht, dass dies der Fall sein sollte, ehe mit der Bauausführung begonnen wird. Da der Beschluss zur Genehmigung der Kostenberechnung auch die Freigabe für die Bauausführung beinhaltete, hätten sie beide dagegen gestimmt, erläutert Sareiter. Er hatte bereits in öffentlicher Sitzung klar gemacht: „Wir benötigen nun einen Pächter, der den Weg mit uns geht und für den Cashflow sorgt. Hier sind wir in vielversprechenden Gesprächen. Vor dem Baubeginn muss der Partner gesichert sein.“
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