VonSascha Karowskischließen
Die Taktkürzungen bei einigen U-Bahn-Linien bleiben weiterhin bestehen. Grund ist, dass sich die Räder schneller abnutzen als üblich. Die MVG steht vor einem Rätsel.
München – Unsere U-Bahn ist ganz schön abgefahren – und zwar buchstäblich: Bereits seit dem 3. Februar ist der Betrieb auf der U4 und der U7 eingeschränkt. Das Ganze sollte eigentlich nur eine Woche dauern. Doch daraus wurde nichts. Grund sind die Räder der Züge, die mehr als üblich von Abrieb betroffen sind. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) steht vor einem Rätsel.
Reifen-Panne legt U-Bahn in München lahm: MVG klagt auch über zu wenig Personal in den Werkstätten
Unternehmens-Sprecher Maximilian Kaltner räumt auf Anfrage ein, dass tatsächlich seit Anfang des Jahres mehrere Faktoren den Betrieb der U-Bahn beeinflussen. Zum einen ist da der Mangel an Personal – auch für die Werkstätten. Zum anderen gab es beim Hersteller Lieferschwierigkeiten für die neuen Züge. „Das alles hat es uns unmöglich gemacht, die für den U-Bahn-Fahrplan nötigen Fahrzeuge auf die Schiene zu bekommen“, sagt Kaltner. „Wir bedauern die dadurch verursachten Einschränkungen für die Fahrgäste sehr und arbeiten nach wie vor mit sehr hoher Priorität daran, den Fahrplan wieder fahren zu können.“
Dass die Einschränkungen auf der U4 und der U7 noch nicht aufgehoben werden konnten, liegt aber tatsächlich an einem neuen Phänomen – und zwar „an dem unvorhergesehen hohen Radverschleiß, der uns im Februar überrascht hat und den wir so bisher nicht kannten“, sagt Kaltner. Woher der Verschleiß kommt, ist noch unklar. „Wir haben umfangreiche Untersuchungen angestellt und verschiedene Maßnahmen ergriffen.“
(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)
Reifen-Panne legt U-Bahn in München lahm: MVG erhöht Kapazitäten und bringt mobile Drehbank zum Einsatz
Zwischenzeitlich haben die Fachleute der MVG bereits durch eine intensivere Bearbeitung der Radreifen die Verfügbarkeit erhöht. „Wir haben die Kapazitäten zur Aufarbeitung der Radreifen durch die Inbetriebnahme einer mobilen Drehbank im Laufe dieses Monats gesteigert“, sagt Kaltner. Außerdem sei auf den Schienen ein spezielles Konditionierungsmittel aufgetragen worden, um den Verlust durch Reibung zu minimieren. Überdies arbeite die MVG mit dem Recruiting weiterhin daran, auch kurzfristig weitere Mitarbeiter für die Arbeit in den Werkstätten zu gewinnen. „Gleichzeitig optimieren wir unsere Prozesse laufend, um auch mit weniger Personal handlungsfähig zu sein.“
Bis die Maßnahmen Früchte tragen, werden Fahrgäste Geduld brauchen. Kaltner: „Es dauert noch etwas, da sich der Effekt nicht von heute auf morgen bemerkbar macht. Aufgelaufene Arbeiten in der Werkstatt müssen abgearbeitet, Wagen instand gesetzt werden.“ Ein positiver Trend sei aber erkennbar. „Ich gehe davon aus, dass wir die Einschränkungen bis Ende des Jahres nach und nach wieder aufheben können.“
Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon

