Die Post hat im Ringen um den Standort Germering für ihr neues Briefzentrum weiter Boden gut gemacht. Nach Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi, hat diese ihren Widerstand gegen die Pläne aufgegeben.
Germering – Noch vor wenigen Monaten wollte Verdi nichts wissen von einer Verlagerung des Briefzentrums aus der Münchner Innenstadt nach Germering. Als „Affront gegen Mensch und Natur“ hatte David Merck, Leiter des Fachbereichs Postdienste, die Pläne bezeichnet. Davon ist jetzt nichts mehr zu hören. Bei einer Podiumsdiskussion der Germeriniger SPD am Mittwochabend verkündete Merck den staunenden Besuchern, dass die Gewerkschaft jetzt nichts mehr gegen die Verlagerung des Standortes habe.
Grund seien die Verhandlungserfolge, die man mit der Post erzielt habe. So seien etwa gute Regelungen für jene Mitarbeiter gefunden worden, die nicht von München oder vom ebenfalls verkauften Standort Schorn südlich der Landeshauptstadt wechseln wollen. Und auch für die Angestellten, die mit nach Germering kämen, habe man das Beste herausgeholt. „Wenn sich Germering für die Post entscheidet, werden wir die besten Arbeitsbedingungen haben“, sagte Merck.
Mitarbeiter die den Standort nicht wechseln wollen oder können, sollen mit Abfindungszahlungen entschädigt werden. Kurze Schichten, für die sich die Anreise für die in München lebenden Mitarbeiter nicht lohnen würde, sollen vermieden werden. Diesen Angestellten soll zudem der Arbeitsweg erleichtert werden. In Zusammenarbeit mit der Stadt will die Post den Busverkehr von der S-Bahn zum möglichen neuen Standort ausbauen. „Da werden wir Geld in die Hand nehmen“, sagte Ralf Steffes, Leiter der Infrastruktur des Konzerns. Zudem werde es Jobtickets geben.
Bei manchen der Zuschauer kam ob der 180-Grad-Wende von Verdi Zweifel an den Vereinbarungen auf. Rückendeckung bekam Gewerkschaftsvertreter Merck ausgerechnet von den Vertretern der Post. Nur aufgrund des hohen Verhandlungsgeschicks des Verdi-Mannes habe das Unternehmen solch große Zugeständnisse machen müssen, sagte Steffes. Es sei das umfangreichste Paket, das die Post jemals bei Standortwechseln geschnürt habe.
Der Moderator des Abends, Christian Winklmeier, einst Kandidat der Sozialdemokraten für die Landtagswahl, wollte bei all den Regelungen für die bisherigen Mitarbeiter auch über die Vorteile der Umsiedlung für Germering sprechen. Mittelfristig geht die Post davon aus, dass rund 50 Prozent der 1300 Mitarbeiter aus Germering oder der näheren Umgehung kommen. „Das wird einfach so geschehen“, sagte Ralf Steffes auf die Frage, wie die Post dies erreichen wolle. Grund seien die vielen Teilzeitstellen, bei denen es erfahrungsgemäß eine hohe Fluktuation gebe. Zudem habe sich gezeigt, dass solche Arbeitsstellen sehr häufig von Menschen aus der Umgebung gesucht würden.
Die rund 70 Besucher der Veranstaltung zeigten sich überwiegend kritisch gegenüber den Plänen des Konzerns. Im Vordergrund standen bei vielen wie bisher die Bedenken bei den Themen Umwelt und Verkehr. Ein Landwirt kritisierte etwa die große Versiegelung des Bodens. „Das ist Wahnsinn“, so sein Kommentar. Thomas Schlickenrieder, Abteilungsleiter Immobilien der Deutschen Post, versuchte, die Bedenken zu zerstreuen. Die Versiegelung liege bei 44 000 Quadratmetern. Dafür werde das Dach aber auf 27 000 Quadratmetern begrünt. „Das ist ökologisch wertvoller als ein Maisacker.“ Der Landwirt wollte dieser Argumentation nicht folgen.
Den Verkehr brachte SPD-Stadträtin Tinka Rausch noch einmal zur Sprache. Man dürfe die Situation in Germering nicht isoliert betrachten. Auch die vielen zusätzlichen Fahrzeuge aus dem neuen Münchner Stadtteil Freiham müssten in Planungen mit einbezogen werden. Thomas Schlickenrieder konterte, dass der Zuwachs – Freiham mit eingerechnet – durch die Post tagsüber bei zwei Prozent liege. Zudem seien 77 Prozent der eingesetzten Fahrzeuge keine Lastwagen sondern lediglich Vans oder Lieferwagen.
Einzig bei der Frage nach einem alternativen Standort blieben die Post-Vertreter eine konkrete Antwort schuldig. Ralf Steffes erklärte: „Wir haben keinen Plan B.“
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