VonAndreas Steppanschließen
Weit weg von seinem eigentlichen Lebensraum war ein Greifvogel, den ein Tölzer jetzt in Sachsenkam fotografiert hat. Ein Experte nennt mögliche Gründe.
Sachsenkam/Bad Tölz – Es ist wahrhaft eine Aufnahme mit Seltenheitswert, die dem Tölzer Davide Fidone vor einigen Tagen gelungen ist. In der Nähe von Sachsenkam kam dem Fotografen ein Adlerbussard vor die Linse. Das Ungewöhnliche: Der Lebensraum dieses Greifvogels liegt weit entfernt. In Deutschland ist das majestätische Tier normalerweise nicht anzutreffen. „Ich bin richtig stolz und kann es kaum glauben“, sagt der 45-Jährige.
Fidone ist von Beruf Fotograf – und als Ausgleich zum Job fotografiere er in seiner Freizeit, wie er lachend berichtet. Doch die Art der Tätigkeit ist tatsächlich sehr unterschiedlich. Professionell ist der Tölzer Produktfotograf – oder „Still Life-Fotograf“, wie er selbst sagt – und setzt zum Beispiel Maschinenteile in Szene. Privat hingegen haben es ihm Motive in der Natur angetan. Besonders liebt er Greifvögel.
So machte er sich auch an einem regnerischen Tag Anfang Mai mit seiner Kamera auf den Weg in die Nähe von Sachsenkam. Als er einen ästhetischen Greifvogel im freien Feld fotografierte, „dachte ich zuerst, das muss ein Rotmilan sein“, sagt er. Nur die Farbe des Gefieders kam ihm zu hell vor.
In Deutschland ist seit Jahren kein solcher Vogel gesichtet worden
Als er die Bilder einem befreundeten namhaften Falkner in Italien zeigte, kam der zu der Erkenntnis: Auf dem Foto war ein Adlerbussard zu sehen. „Er war selbst schockiert“, sagt Fidone. Denn in Deutschland sei mindestens seit Jahren kein solcher Vogel mehr gesichtet worden.
Auf Anfrage des Tölzer Kurier bestätigt auch der Lenggrieser Falkner Paul Klima, der mit seinem Falkenhof mittlerweile auf dem Staubachhof in Unterleiten (Gemeinde Dietramszell) ansässig ist, dass es sich um einen Adlerbussard handelt – und dass die Sichtung in unseren Breiten zumindest „außergewöhnlich“ sei. Denn normalerweise habe diese Art ihr Verbreitungsgebiet in Richtung Balkan und Griechenland. Nach genauer Betrachtung der Fotos kommt Klima auch zu dem Schluss, dass es tatsächlich ein Wildvogel ist und das Tier nicht etwa aus einem Wildpark stammt, denn es trägt kein Lederriemchen und ist nicht beringt.
Vögel fliegen in Höhe von 5000 bis 6000 Metern
Klima erkennt in dem Sachsenkamer Adlerbussard „ein relativ junges Tier“. Es könne schon vorkommen, dass diese Greifvögel in ihrem ersten Lebensjahr auf der Suche nach einem Revier weit umherziehen. Die Greifvögel flögen auf einer Höhe von bis zu 5000 bis 6000 Metern. Dass sie eine entsprechende Thermik, wie sie gerade bei Frühlingswinden vorkommen könne, viele hundert Kilometer weit trage, sei „nicht völlig unnormal“.
Die „Einzelsichtung“ wertet Paul Klima jedoch nicht als Hinweis darauf, dass sich der Adlerbussard hierzulande dauerhaft ansiedeln könnte. „Vögel erschließen sich nicht von einem Tag auf den anderen einen neuen, 1500 Kilometer entfernten Lebensraum.“ Es sei anzunehmen, dass sich der Adlerbussard nach seinem „außergewöhnlichen Ausflug“ wieder auf den Weg Richtung Süden gemacht habe.
Davide Fidone hat den Greifvogel jedenfalls in den folgenden Tagen trotz intensiver Ausschau nicht mehr zu Gesicht bekommen. Und auch als er ihn fotografierte habe er ihn nur für ein paar Sekunden gesehen. „Dann ist er weggeflogen.“
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