Bis zu 1,3 Millionen Euro werden für den Umbau der Tölzer Hütte veranschlagt. Zu Beginn bringt erstmal ein Hubschrauber den Bagger.
Hinterriß – Für Touristen ist es wegen der Corona-Pandemie weiterhin strikt verboten, in das Tiroler Karwendelgebirge zu fahren, doch für die Berufsausübung gelten seit Kurzem Ausnahmen. Davon profitiert jetzt auch die Sektion Tölz des Alpenvereins, die nach der Schneeschmelze in den Bergen ihren lang geplanten Umbau der auf 1800 Metern gelegenen „Tölzer Hütte“ am Schafreuter in Angriff nehmen kann.
Baubeginn soll bereits der kommende Montag sein, tags darauf wird schon der Bagger zur Hütte geflogen. Am vergangenen Dienstag haben sich Hüttenwart Max Nichtl und der mit der Bauleitung beauftragte Wolfgang Buchner mit Vertretern der drei wichtigsten Firmen an der Talstation der Materialseilbahn getroffen. Ein gemeinsamer Aufstieg zur Hütte war angesichts des Wettersturzes zwar nicht möglich, dennoch konnten sie „Nägel mit Köpfen“ machen, so Buchner.
Die Hüttenbaustelle befindet sich rund 500 Meter jenseits der Tiroler Landesgrenze. Einen Kilometer hinter der Grenze liegt auch die Talstation der für einen Personentransport nicht zugelassenen Materialseilbahn, noch einen Kilometer dahinter der Ausgangspunkt für den üblichen kürzesten Hüttenaufstieg am Leckbach.
So eine Baustelle im Hochgebirge ist angesichts der erschwerten Bedingungen eine besondere logistische Herausforderung, weshalb es für Nichtl und Buchner jetzt vor Ort viele Details zu besprechen gab mit dem beauftragten Tiroler Unternehmen für Spezialtiefbau, der Firma für die Lastentransporte per Helikopter und der Firma Simon Haus- und Holzbau aus Lenggries-Schlegldorf. Diese drei Firmen haben die drei größten Gewerke, daneben sind sechs weitere Handwerksbetriebe aus dem Tölzer Land beteiligt. „Alle sind ganz begeistert, dass es endlich losgeht, denn so eine Baustelle am Berg ist spannend und für alle etwas ganz Besonderes“, beschreibt Wolfgang Buchner die Stimmung.
Tölzer Hütte soll technisch auf den neuesten Stand gebracht werden
Wie bereits berichtet, werden für Umbau und Sanierung des alpinen Unterkunftshauses bis zu 1,3 Millionen Euro veranschlagt. Dabei geht es in erster Linie darum, die Hütte technisch auf einen guten Stand zu bringen. Unter anderem muss ein Anbau erneuert, der Hang darunter stabilisiert werden, die Eingangssituation wird verbessert und die Küche vergrößert und modernisiert. Während der Bauzeit, die sich bis weit in das Jahr 2021 erstrecken wird, werden die Handwerker wegen des gut zweistündigen Aufstiegs und Abstiegs zwischen dem Parkplatz und der Hütte auch immer wieder auf dem Berg nächtigen und mit Mahlzeiten versorgt. Darum kümmert sich ein Beauftragter der Sektion. Das Catering übernimmt via Materialseilbahn der Gasthof Post in Hinterriß. Für alle Baustellen-Abläufe wird angesichts der Corona-Pandemie ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept erstellt. Unabhängig von Corona bleibt die Hütte während der gesamten Bauzeit für Bergwanderer geschlossen.
Bereits seit September 2017 wird auch die „Falkenhütte“ der Sektion Oberland mit einem Kostenaufwand von 6,4 Millionen Euro grundlegend umgebaut. Hier war die Baufertigstellung und Wiederöffnung für August 2020 vorgesehen. „Mit der Baumaßnahme werden wir trotz der durch Corona erschwerten Bedingungen heuer fertig“, sagt Petra Mühlbauer aus der Geschäftsstelle der Sektion. „Aber hinter der Wiedereröffnung steht ein dickes Fragezeichen.“ Rainer Bannier
Lesen Sie auch:
Sanierung der Tölzer Hütte: Millionenprojekt auf 1800 Metern Höhe
Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weit weg von Corona-Obergrenze
Wirtschaftsförderin Sandra Kern analysiert Corona-Krise in Tölz
