Corona macht erfinderisch: Weil die Band „Mountain Lake Vista“ ihr neues Album „Wayfarer“ dem Publikum derzeit nicht live vorstellen kann, hat sie sich etwas anderes einfallen lassen.
Bad Tölz/Holzkirchen – Wenn die Fans nicht zum Konzert kommen können, kommt die Band eben ins Wohnzimmer - zumindest via Live-Stream. Auf diesem Weg stellt die Band „Mountain Lake Vista“ am Samstag, 16. Mai, ihr neues Album „Wayfarer“ vor. Zu sehen ist es auf der Facebook-Seite der Band und auf Youtube. Los geht’s um 20 Uhr.
Etwa eineinhalb Stunden wird die CD-Vorstellung dauern, auf die die Musiker nicht länger warten wollten. „Wir haben zwei Jahre lang an diesem Album gearbeitet“, sagt Gitarrist und Sänger Tobias Gmach (30) aus Bad Tölz dazu. In der geplanten „Listening Session“ sind die Zuschauer bei einer Art Gruppenvideochat dabei, bei dem jedes Bandmitglied einen der Songs vorstellt. Dazu werden Videos und Fotos eingeblendet und zwischen den Songs gibt es auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen. „Der Rest ergibt sich dann spontan“, hofft Gmach.
Diese Alternative zum CD-Release-Konzert, das am gleichen Tag im Arzbacher „Kramerwirt“ hätte stattfinden sollen, ist „schon ein kleines Experiment, aber hoffentlich spannend und unterhaltsam“, sagt der 30-Jährige. Um ein ganzes Jahr hat die Band den Auftritt im Kramerwirt verschoben – bis dahin wird „Wayfarer“ vermutlich nicht mehr unbekannt sein.
„Wayfarer“ wurde in Bad Tölz aufgenommen
Sebastian Schaal, Tobias Gmach, Vinzenz Semmler, Giustina Gabelli und Veronika Muth, die aus Bad Tölz, Holzkirchen und München kommen, haben das Album in einem engen, aber gut ausgerüsteten Kellerstudio in Bad Tölz aufgenommen, technisch unterstützt wurden sie von Studiobesitzer Dominik Schmidt, der auch für die Produktion verantwortlich ist. Die Location im Untergeschoss scheint die Musiker beflügelt zu haben, sich mit Fernweh im Herzen und dem Kopf in den Wolken auf mentale und musikalische Wanderschaft zu begeben, denn herausgekommen sind zehn Songs in bester Folk-Manier-Melange von Country bis Irish-Folk, mal in getragenen Balladen melancholisch ruhig, und dann wieder mitreißend fröhlich und Pub-tauglich tanzbar. Sie erzählen vom Weggehen und wieder Heimkommen, von Freundschaften, die sich verändern, von der Flucht aus der Stadt oder vor sich selbst, von Berggipfeln, Sonnenaufgängen, vorbeiziehenden Wolken. Man hört förmlich das Lagerfeuer knistern. Genau so hat die Band nach ihrer Gründung 2014 übrigens auch ihre ersten kleinen Konzerte unter freiem Himmel gegeben.
„Wanderer“ heißt der Titel ihres ersten größeren Albums übersetzt. Und wer den englisch ausgesprochenen Begriff „Wanderlust“ – Lied Nummer vier auf der Scheibe“ – wieder ins deutsche übersetzt, kommt direkt zu „Fernweh“. Genau die ist in den handgemachten Songs zu spüren, wenn die Herren der Folk-Band in die Westernsaiten greifen, Banjo, Mandoline oder Ukulele klingen lassen und von Giustina Gabelli und Veronika Muth mit Akkordeon- oder Geigenmelodien ausgeschmückt werden.
Kaufen kann man das gute Stück übrigens auf Vinyl (18 Euro) und CD (12 Euro); bestellbar auf der Internetseite mountainlakevista.bandcamp.com. „Wieder proben dürfen“ sei der erste Wunsch der Musiker, damit sie gut gerüstet sind für ihren nächsten Traum: „Das Kellerkultur-Festival im Miesbacher Waitzinger Keller, das für den 24. Oktober geplant ist. Wenn das klappen sollte, dann wäre es das Jahreshighlight.
Ines Gokus
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