Den Winter mit seinen Schneemassen haben auch die Jäger zu spüren bekommen. Das wurde jetzt bei der Eröffnung der Hegeschau im Lenggrieser Alpenfestsaal deutlich.
Lenggries – Neben den ausgestellten Trophäen als Bilanz des zurückliegenden Jagdjahres im Altlandkreis kamen bei der Eröffnung der Hegeschau im Lenggrieser Alpenfestsaal am Samstagabend das neue Vegetationsgutachten, der dringliche Waldumbau, die Afrikanische Schweinepest und noch einiges mehr zur Sprache.
Aufgrund der extremen Schneelage war bereits in den ersten Januartagen aus Tierschutzgründen die Jagd auf alles Wild weitestgehend eingestellt worden. Stattdessen habe in vielen Revieren ein immenser Aufwand betrieben werden müssen, um die Fütterungen überhaupt erreichen und bedienen zu können, blickte Vollrad von Poschinger in seiner letzten Amtshandlung als Kreisjagdberater zurück. In dieser Situation habe sich auch gezeigt, wie viel Rotwild tatsächlich vorhanden sei: „Der Bestand ist deutlich angewachsen.“ Trotz der verminderten Jagdmöglichkeiten seien bei dieser Wildart noch 90 Prozent des Abschuss-Solls erreicht worden.
„Die Wildschweine sind mittlerweile überall angekommen“
Um die Population generell zu reduzieren, müsse der Anteil der erlegten weiblichen Tiere deutlich erhöht werden. Beim Rehwild hingegen wurde das Abschuss-Soll zu 99,9 Prozent erfüllt. Speziell für das Gamswild, so Poschinger, sei die neue Abschussplanung aufgrund der Schneemengen und der noch nicht überschaubaren Bestands-Situation nach hinten verschoben worden. Bei den Sauen, deren Spezies wegen ihrer rasanten Vermehrung, der großen Flurschäden sowie der Gefahr der Einschleppung und Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest kleingehalten werden soll, lag der Schwerpunkt zuletzt im Südlandkreis – während hier 33 Stück erlegt wurden, waren es im Nordlandkreis nur 7 Stück.
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„Sie sind mittlerweile also überall angekommen“, resümierte Poschinger. Die Schonzeiten für diese Art seien aufgehoben worden, der Muttertierschutz gelte jedoch weiterhin. Der mancherseits geforderte Einsatz von Nachtzielgeräten bei der Schwarzwildjagd sei gesetzeswidrig. Für eine erfolgreiche Reduzierung müsse an vielen Stellschrauben gedreht werden, wie die vom Kreisverbands-Vorsitzenden Wolfgang Morlang aufgeführte Maßnahmen-Liste deutlich machte. Die Jagd stehe in einem großen Spannungsfeld, die Gesellschaft habe einen strengen Blick darauf, sagte Landrat Josef Niedermaier. „Die einen befürchten das Ausrotten von Wildarten, die anderen wollen Sanierungsgebiete von Wildschäden verschonen.“
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Wie wichtig angepasste Wildpopulationen für den Wald sind, unterstrichen Amts-Forst-Bereichsleiter Christian Webert und Hans Killer von der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. Beim im vorigen Jahr erstellten Vegetationsgutachten seien nur zwei der sechs Hegegemeinschaften als „grün“, also positiv bewertet worden. Für den dringlichen Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern sei die Tanne als „Weiserbaum“ einzustufen. „Sie zeigt uns, wo die Bedingungen stimmen“, so Webert. Erfassungen zufolge sei sie als Jungbäumchen durchschnittlich zu 30 Prozent in Mischbeständen vertreten, einige Jahre später, wenn sie dem Verbiss entwachsen ist, aber nur noch zu etwa 7 Prozent. „Da geht zu viel verloren.“
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Nicht anfreunden kann sich Killer mit der Verwendung von vor Verbiss schützenden Kunststoff-Clips oder Wuchshüllen an den Jungbäumen. „Die verschandeln das Landschaftsbild und bringen jede Menge Plastikmüll in die Wälder.“ Es sei vorgegeben, dass Mischbaumarten ohne Schutzmaßnahmen aufwachsen können.
Keinen Gefallen findet Morlang an der Ansiedlung des Wolfes: Mittlerweile gebe es Meldungen von Rinder- und Pferde-Rissen. Auch die Jagd sei bei Anwesenheit des Raubtieres vielfach betroffen.
Rosi Bauer