Kontroverse Debatte im Stadtrat

Vier neue Solarparks im Osten von Weilheim: Werden es zu viele PV-Freiflächenanlagen in der Stadt?

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Wie viele Solarparks rund um Weilheim sollen noch entstehen dürfen? Die Meinungen dazu gehen auseinander...
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Weilheim bekommt vier weitere Solarparks: Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat den Plänen für Freiflächen-Anlagen im Hardt und nahe dem Dietlhofer See zugestimmt. Die Diskussion verlief jedoch höchst kontrovers.

Weilheim – Viele, viele Wortmeldungen gab es in der März-Sitzung des Weilheimer Stadtrates zum Thema „Solarfelder“. Dabei waren die aktuellen Vorhaben eigentlich schnell abgehakt – und relativ unumstritten. Wie berichtet, will das Kommunalunternehmen Stadtwerke eine rund 1,1 Hektar große Photovoltaik-Freiflächenanlage auf dem Deutenhausener Feld errichten, nördlich des kleinen Feldweges zwischen dem Baumarkt „Renner“ und dem Stadtwerke-Neubau.

Und gleich drei neue Solarparks plant ein Weilheimer Landwirt in eigener Regie auf eigenen Feldern: einen auf 1,8 Hektar am Dietlhofer Seeweg (nordöstlich der Berufsschule), einen auf 2,6 Hektar an seiner Hofstelle nördlich der Hardtstraße und einen auf 3,4 Hektar südlich davon.

Unter den Solarpanels bildet sich „Magerrasen“, sagt Romana Asam

Den dafür nötigen Änderungen des Flächennutzungsplanes stimmte der Stadtrat mit großer Mehrheit zu. Dagegen votierten beim Stadtwerke-Projekt Romana Asam (FW), Rüdiger Imgart (AfD) und Klaus Gast (CSU). Es handle sich bei dieser Fläche um besten Getreideacker, argumentierte Letzterer. Gegen die drei anderen Flächen stimmten Asam, Imgart und Ullrich Klinkicht (WM Miteinander) . Sie werde grundsätzlich keinem Solarpark auf landwirtschaftlichen Feldern mehr zustimmen, erklärte Asam. Denn unter den PV-Modulen bilde sich Magerrasen, der nach Beendigung der Solarnutzung zum Biotop erklärt werde und dann keiner Agrarnutzung mehr zur Verfügung stehe. Klinkicht verwies darauf, dass für Solarmodule zunächst Firmendächer genutzt und Parkplätze überdacht werden sollten.

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Angesichts der vielen Anträge für Freiflächen-Anlagen um Weilheim („die schießen derzeit wie Schwammerl aus dem Boden“) müsse die Stadt festlegen, „wo wir das wollen und wo wir das nicht wollen“, forderte Klinkicht – womit das Ratsgremium in einer grundsätzlichen und kontroversen Debatte war. Er sei prinzipiell für solche Anlagen, sagte Grünen-Sprecher Manuel Neulinger: „Aber wenn wir nicht wollen, dass rund um Weilheim ein Flickenteppich mit Freiflächenanlagen entsteht, die womöglich alle unterschiedlich aussehen, dann brauchen wir ein planvolles Vorgehen, sonst läuft es uns irgendwann aus dem Ruder.“

Heftige Debatte über die Ausgestaltung

Dagegen befand es Claus Reindl (BfW) für richtig, „die Flächen gut übers Stadtgebiet zu verteilen und nicht zu sehr an einer Stelle zu konzentrieren“. Nach Art eines Katasters Vorrangflächen auszuweisen, wie es manche Ratsmitglieder fordern, bringe wenig, so Reindl weiter. Besser sei es, jeweils „den Einzelfall anzuschauen“. Die Stadtverwaltung erarbeitet gerade eine Checkliste, die dafür sorgen soll, dass für alle Anträge gleiche Voraussetzungen gelten. Laut Bauverwaltungsleiter Manfred Stork soll diese Liste im April im Bauausschuss vorgestellt werden.

Mehrere Ratsmitglieder verwiesen auf den kürzlich verabschiedeten Energienutzungsplan der Stadt Weilheim, wonach noch mindestens 30 Hektar Freiflächen-Anlagen nötig seien, um die angestrebte Klimaneutralität zu erreichen. Mit den genannten Vorhaben im Osten der Stadt komme man aktuell auf rund 17 Hektar, rechnete Rupert Pentenrieder (BfW) vor. Stefan Zirngibl (CSU) regte an, ein konkretes Limit festzulegen, wie viel Gesamtfläche man in puncto Solarparks noch „zubauen“ wolle. Damit würde man nur „ein Windhundrennen“ um diese Flächen auslösen, warnte Imgart. Und Karl-Heinz Grehl (Grüne), der Energiereferent des Stadtrates, bezweifelte, dass ein solches Limit überhaupt rechtlich möglich wäre: Es brauche jeweils gute Gründe, um ein konkretes Projekt abzulehnen, „ansonsten wird das Landratsamt unser gemeindliches Einvernehmen ersetzen“.

„Südbayern wird Solarland sein“

Die Diskussion dürfe sich „nicht auf den eigenen Kirchturm eingrenzen“, fügte Umweltreferent Stefan Emeis (Grüne) hinzu. Solarflächen zu schaffen, sei „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Und angesichts der überdurchschnittlichen Sonnenscheindauer stehe fest: „Südbayern wird Solarland sein.“

„Enttäuscht“ von den verzagteren Stimmen zeigte sich Saika Gebauer-Merx: Deutschland brauche schlichtweg mehr Strom, und deshalb seien Begrenzungen und neue bauliche Regelungen für Solaranlagen fehl am Platz. Limitiert würden Vorhaben letztlich durch die Leistungsfähigkeit des Stromnetzes, so die FDP-Vertreterin weiter. Und bis zu diesem Punkt solle die Stadt in Sachen Photovoltaik „nichts verhindern“.

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