VonVeronika Ahn-Tauchnitzschließen
Während die Nachbarn in Österreich mit Hochwasser kämpfen, ist die Lage im Landkreis weniger heikel. Allerdings: Auf den Bergen gab es viel Neuschnee – und der könnte am Montag tauen. Zudem ist weiterer Regen angesagt.
Update, 16. September, 16.03 Uhr: Nach wie vor sorgen die anhaltenden Niederschläge für viel Wasser in Isar und Loisach. Auch die Zuflüsse sind gut gefüllt. Die Hochwassergefahr ist vom Wasserwirtschaftsamt aber heruntergestuft worden. „An den Flüssen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen steigen die Pegelstände. Nach der aktuellen Prognose kann das Erreichen der Meldestufe 1 an einzelnen Pegeln nicht ausgeschlossen werden. Auch kleinere Gewässer können betroffen sein. Innerhalb der Vorhersagen kann es aufgrund des gefallenen Schnees und der schwankenden Schneefallgrenze noch zu Unsicherheiten hinsichtlich der angegebenen Abflüsse kommen“, heißt es in der Einschätzung. Glücklicherweise liegt die Schneefallgrenze nach wie vor über 1500 Metern, sodass der Niederschlag in höheren Lagen in Schnee gebunden ist.
Update, 15. September, 11.30 Uhr: Über Nacht hat sich die Lage im Landkreis entspannt. „An der Isar haben alle Pegel die Meldestufe 1 unterschritten. An der Loisach bewegt sich der Pegel Kochel im Bereich der Meldestufe 1, der Pegel Beuerberg
hat in der Nacht zum Sonntag die Meldestufe 3 verlassen und befindet sich nun in Meldestufe 1 und verharrt dort“, so das Wasserwirtschaftsamt.
Am Sylvenstein wird die Regenpause an diesem Sonntag dafür genutzt, den Seespiegel wieder auf Sommerstauhöhe abzusenken beziehungsweise nicht weiter ansteigen zu lassen. Die Abgabe an die Isar wurde über Nacht von 40 auf knapp 80 Kubikmeter erhöht. In etwa genauso viel Wasser strömt derzeit in den See. Im Moment liegt der Seespiegel knapp unter 752 Metern über Normalnull. Zum Vergleich: Erst bei 763 Metern ist der Vollstau erreicht.
Die Ortsverbindungsstraße zwischen Fletzen und Hohenbirken wurde am Morgen von der Gemeinde Bad Heilbrunn wieder für den Verkehr freigegeben.
Allerdings gibt es eine neue Wetterwarnung des DWD: Ab Sonntagabend „tritt ergiebiger Dauerregen wechselnder Intensität auf. Dabei werden Niederschlagsmengen zwischen 50 l/m² und 70 l/m² erwartet. In Staulagen werden Mengen bis 90 l/m² erreicht.“ Zudem wird es wärmer. Daher der Hinweis des DWD: „Aufgrund ansteigender Schneefallgrenze ergibt sich ein zusätzlicher Abfluss durch abtauende Schneedecke.“ Die Wetterwarnung gilt von Sonntag, 20 Uhr, bis Dienstag, 17. September, 15 Uhr.
Update 14. September, 15.44 Uhr: Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim hat die Hochwasserwarnung für den Landkreis nach oben gestuft. Gewarnt wird mittlerweile vor der Überschwemmung bebauter Gebiete. In der Nacht zum Samstag „haben höhere Niederschläge das Isareinzugsgebiet mit Schwerpunkt unterhalb des Sylvensteinspeichers getroffen, als erwartet wurde“, schreibt das Wasserwirtschaftsamt Weilheim. In der Folge seien die Pegelstände stärker angestiegen. Die Niederschläge halten den Tag über weiter an.
An der Isar am Pegel Lenggries sowie am Pegel Puppling war am Samstagvormittag die Meldestufe 1 erreicht, mittlerweile ist sie aber wieder unterschritten. „Höhere Meldestufen werden aus aktueller Sicht nicht erwartet.“ Dort federt nach wie vor der Sylvensteinspeicher viel ab. Durch den erhöhten Zufluss steigt der Seespiegel derzeit um sieben bis acht Zentimeter pro Stunde. Mit 751,92 Meter über NN ist aber noch sehr viel Platz im Speicher.
Pegel der Loisach erreicht Meldestufen
An der Loisach am Pegel Kochel wurde die Meldestufe 1 mittlerweile überschritten. Am Pegel Beuerberg wird die Meldestufe 3 wahrscheinlich heute Abend noch erreicht. Diese liegt bei 5 Metern, derzeit steht die Loisach bei 4,91 Metern. „Auch kleinere Gewässer können im Landkreis betroffen sein“, so die Weilheimer Behörde. In Bad Heilbrunn wurde wegen Überflutung die Straße zwischen Hohenbirken und Fletzen gesperrt.
Die Warnung gilt aktuell bis Sonntagmittag. „Die Vorhersagen variieren noch hinsichtlich Lage und Niederschlagsintensität. Die Intensität wird im Laufe des Abends mit großer Sicherheit abnehmen, ehe Anfang der Woche mit erneuten Niederschlägen und Pegelanstiegen zu rechnen ist.“
Lawine nahe der Binsalm trifft Wandergruppe
In höheren Lagen gibt es nach wie vor intensiven Schneefall. Dennoch sind offenbar Wanderer unterwegs. Die Tiroler Tageszeitung berichtet mit Verweis auf die Leitstelle Tirol von einem Lawinenabgang am Samstagvormittag im Karwendelgebirge im Bereich der Binsalm. Dort soll eine 30-köpfige Gruppe zu Fuß von der Binsalm in Richtung Engalm am Sommerweg unterwegs gewesen sein, als es zum Unglück kam. Die TT berichtet von einem verschütteten Wanderer und einem Bergretter, der von einer weiteren Lawine erfasst wurde. Letzterer wurde gerettet. Mitglieder der Bergwachten aus Achenkirch und Lenggries waren im Einsatz. Der verletzte Bergretter wurde ins Krankenhaus gebracht. Am Nachmittag musste die Suche nach dem vermissten Wanderer wegen der zu großen Lawinengefahr abgebrochen werden.
Update 13. September, 12.29 Uhr: Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim hat eine Hochwasser-Vorwarnung für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen veröffentlicht. Sie gilt bis Montag, 16. September: „Über das Wochenende fallen anhaltende und vor allem an den Bergen ergiebige Niederschläge. An den Flüssen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen steigen die Pegelstände. Nach der aktuellen Prognose kann das Erreichen der Meldestufe 1 an einzelnen Pegeln nicht ausgeschlossen werden. Auch kleinere Gewässer können betroffen sein.“
Ursprünglicher Artikel, Bad Tölz-Wolfratshausen, am 13. September, 11.33 Uhr: Viel Regen gibt es an diesem Wochenende im Tölzer Land. Der Deutsche Wetterdienst warnt im Süden des Landkreises vor ergiebigem Dauerregen. Bis Sonntag, 15. September, wird mit Regenmengen von bis zu 90 Litern pro Quadratmeter gerechnet.
Bis zu 50 cm Neunschnee, warnt der DWD – Webcam zeigt Winterlandschaft
Oberhalb von 1500 Metern kommt der Niederschlag allerdings als Schnee runter. Mit Mengen zwischen 15 und 30 Zentimetern wird gerechnet, in Staulagen werden Mengen bis 50 Zentimeter erreicht, warnt der DWD. Entsprechend winterlich sah es am Freitag beispielsweise auf dem Herzogstand aus. 10 bis 20 Zentimeter Neuschnee sind laut Bergbahn über Nacht gefallen. Daher bleibt die Herzogstandbahn an diesem Freitag (13. September) auch geschlossen. Schneefall zeigt auch die Webcam am Brauneck.
Schnee sorgt für weniger Zufluss zum Sylvensteinspeicher
Durch den Schneefall bleibt die Lage im Tal aber entspannt. Denn so kommt glücklicherweise weniger Wasser in den Zuflüssen zum Sylvenstein an. Dort gibt es bislang wenig Bewegung. Der Seespiegel liegt bei 749,77 Metern (13. September, 11 Uhr) über Normalnull und damit noch 23 Zentimeter unter der üblichen Sommerstauhöhe. Damit das so bleibt, wurde die Wasserabgabe an die Isar um 11 Uhr leicht erhöht – auf 30 Kubikmeter pro Sekunde.
(Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)
Tiwag leitet kein Wasser aus der Dürrach mehr ab
Mehr Wasser als sonst fließt derzeit aus der Dürrach in den Sylvenstein. Das liegt an einer Vorsichtsmaßnahme der österreichischen Nachbarn. Bereits seit Mittwoch leite die Tiroler Wasserkraft AG (Tiwag) kein Wasser mehr aus der Dürrach zur Stromgewinnung in Richtung Achensee ab, sagt Tobias Lang, am Weilheimer Wasserwirtschaftsamt zuständig für den Sylvenstein, auf Anfrage. Deshalb kommt das komplette Wasser im Stausee an. Das ist ein Bild, das Naturschützer gerne öfter sehen würden. Denn im Normalfall belässt die Tiwag lediglich 143 Liter pro Sekunde in der Dürrach. Und das auch erst seit 2021, als das Unternehmen auch mit Blick auf die europäische Wasserrahmenrichtlinie dazu verpflichtet wurde. Vereine wie „Rettet die Isar jetzt“ fordern aber seit Jahren weit höhere Restwassermengen.
Uniper stellt Turbine auf, Dorffest fällt aus
Mit Blick auf den Dauerregen an diesem Wochenende hat Uniper das für Samstag, 14. September, geplante kleine Dorffest in Kochel am See abgesagt. Angeliefert wird aber dennoch die originale Pelton-Turbine, die im Walchenseekraftwerk rund 70 Jahre für die Erzeugung von Bahnstrom eingesetzt wurde. Sie wird als dauerhaftes Exponat vor dem Bahnhof zu sehen sein. Die rund zwölf Tonnen schwere Turbine wird ab 11 Uhr langsam von einem Ladekran auf ihren vorbereiteten Bestimmungsort gehoben und dort befestigt. Aus Sicherheitsgründen wird das direkte Umfeld zwischen Kran und Aufstellort abgesperrt. Auch die Straße vor dem Bahnhof Kochel wird in diesem Zeitraum halbseitig gesperrt.
Ins Innere verlegt wird die Einweihung der Gaißacher Turnhalle am Sonntag, 15. September. Beginn ist um 9.30 mit kirchlicher Segnung. Anschließend gibt es einen Tag der offenen Tür mit Kinderprogramm bis 17 Uhr. Für das leibliche Wohl sowie musikalische Umrahmung ist gesorgt.


