„Wir brauchen eine aktive Politik“

Diese Ziele hat der Stadtrat für Geretsried - sie sind ziemlich hoch

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Modellcharakter: die geplante Bebauung auf dem ehemaligen Lorenz-Areal zwischen Banater und Elbestraße.

Geretsried wächst. Das bringt viele Baustellen mit sich – im wörtlichen und übertragenen Sinn. Der Stadtrat will sie in ein Gesamtkonzept fassen.

Geretsried – Wohin entwickelt sich die Stadt? Um diese Frage drehte sich eine Klausurtagung des Stadtrats am Wochenende. In einem Pressegespräch am Montag berichtete Bürgermeister Michael Müller von dem Treffen in Bad Aibling. Es war ihm zufolge nicht öffentlich, weil auch über den Flächennutzungsplan (FNP) und konkrete Grundstücke gesprochen wurde. Öffentlich will der Rat in der nächsten Sitzung einen „Bekenntnisbeschluss“ fassen. Der FNP soll Anfang 2019  fertig sein.

Wachstum

Die zentrale Erkenntnis der Klausurtagung lautet: „Die Region wird wachsen, ob wir wollen oder nicht“, sagt Müller. Laut Planungsverband könnten mit der maximal möglichen Bebauung in 20 Jahren 36.000 Einwohner in der aktuell 26.000-Einwohner-Stadt leben. Das sei die Orientierungsgröße für Schulen, Abwasser-, Trinkwasser- und Straßennetz.

„Wir brauchen eine aktive Politik“, sagt Müller. Sonst müsste der sozial schwache Bürger schauen, wo er bleibt. Deswegen wolle der Stadtrat – Details gilt es noch auszudiskutieren – das Geretsrieder Modell allgemein verbindlich machen. Wie berichtet wird es erstmals für das ehemalige Lorenz-Areal angewendet. Je 30 Prozent des Mietraums werden gefördert und frei finanziert, die restlichen 40 Prozent verkauft, wobei Einheimische bei der Vergabe bevorzugt werden sollen.

Festgelegt habe sich der Stadtrat auch auf den Grundsatz: „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Es sollen also nicht weiter großartig Wälder und landwirtschaftliche Flächen bebaut werden.

Mittelzentrum

Geretsried will die Zusammenarbeit mit Wolfratshausen suchen. „Wir müssen die Entwicklung des Mittelzentrums voranbringen“, sagt Müller. Mehr noch: Die größte Stadt im Landkreis will ein sogenanntes Oberzentrum mit der Nachbarstadt anstreben. Über einzuleitende Maßnahmen möchte der Geretsrieder Rathauschef mit seinem Wolfratshauser Amtskollegen Klaus Heilinglechner sprechen. Müller verspricht sich primär drei Vorteile vom durch den Freistaat verliehen Attribut: Zuteilung zentraler Versorgungseinrichtungen, Lösung der Verkehrsthematiken und ein eigenständiges Wirtschaftszentrum in Abgrenzung zur Landeshauptstadt.

Leitbild

Dass das Stadtleitbild, das mit Bürgern erarbeitet wurde, ein bunter Strauß an „Wünsch dir was“ ist, hat Müller schon häufiger kritisiert. Inbegriffen seien „Fragen, für die die Stadt nicht zuständig ist, teils konträre und nicht priorisierte Zielsetzungen“, so der Bürgermeister. Der Stadtrat habe – um die Einzelmaßnahmen in einen Gesamtkontext zu stellen – sechs Oberziele festgelegt. Stark konzentrieren möchte man sich demnach auf die Themenbereiche „Wirtschaft und Arbeit“, „Mobilität und Infrastruktur“, „Stadt und Natur“, „Schule und Bildung“, „Freizeit, Sport und Kultur“ sowie „Familien und Generationen“. Im Rahmen dieser Themenbereiche sollen Maßnahmen des Leitbilds priorisiert sowie mit Zeit- und Budgetvorstellungen hinterlegt werden.

Identität

Flüchtlings-, Sport- oder Kulturstadt? Geretsried müsse in einen Dialogprozess einsteigen über die Frage: „Wer sind wir?“, sagt Bürgermeister Müller. Das ist nach der Sommerpause in einer offenen Bürgerbeteiligung mit Vertriebenenverbänden und Vereinen vorgesehen. Vorbild ist das Vorgehen bei der Planungswerkstatt für die Neue Mitte, zu der gezielt Bürger angeschrieben worden waren.

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