Von Demonstrationen begleitet

Drag-Lesung in München: Rechtsextreme Gruppe dringt in Bibliothek ein – Trans-Autorin (13) sagt Auftritt ab

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Vicky Voyage und und Eric BigClit als Eiskönigin Elsa und der Kleine Prinz. 
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Laute Demonstrationen haben die Drag-Lesung in der Stadtbibliothek begleitet. Drinnen versuchte eine rechtsextreme Gruppe, die Veranstaltung zu stürmen. Aus Angst sagten die Eltern des 13-jährigen Trans-Mädchens, das aus seiner Biografie lesen sollte, deren Auftritt ab.

München – Während es drinnen eher still und heiter um Prinzessinnen, Hasen und Frösche ging, tobte draußen der Politsturm. Die Befürworter der Lesung waren klar in der Überzahl: Besonders laut verschaffte sich die Initiative „München ist bunt“ Gehör.

Insgesamt um die 500 Vertreter aus SPD, Grünen und diversen linken Gruppen verteidigten die lesenden Drags. „Heute zeigt sich, dass in München Hass und Hetze keinen Platz haben“, rief die „München ist bunt“-Vorsitzende Micky Wenngatz. Und die Zuschauer skandierten „Es gibt kein Recht auf rechte Propaganda“. Auch Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) zeigte Solidarität mit den Drags. Im Vorfeld wurde sogar die Stadtbibliothek von Unbekannten beschmiert.

Draußen Trubel, drinnen Märchen: Lautstarke Debatte der Politiker

Die Gegner machten seit Wochen Stimmung gegen die Lesung, neben der AfD auch Vertreter der CSU und Bayerns Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, der wegen angeblicher Kindeswohlgefährdung nach dem Jugendamt rief. Die AfD hatte insbesondere mit einem Plakat, auf dem ein dunkelhaariger Mann nach einem kleinen Jungen greift, Anlass zu heftigen Diskussionen gegeben. René Dierkes, Vorsitzender der AfD München-Ost auf der Demo: „Wir diskriminieren nicht Homosexuelle, sondern möchten Gender-Propaganda in Kindergärten verhindern.“ Die Gruppierung „Ulli Pfeffer and Friends“ war ebenfalls lautstark vertreten. Der „München ist bunt“-Pegel war allerdings nicht dauerhaft zu übertreffen.

Rund 500 Demonstranten erhoben ihre Stimmen am Dienstag gegen Transfeindlichkeit. 

Zwischendurch verschaffen sich sieben Jugendliche der Identitären Bewegung Zutritt zur Bibliothek. Die Lesung finden sie nicht, sie ist in einem anderen Bereich. Kurz darauf führt die Polizei die Jugendlichen ab.

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Drag-Künstler traten als Eiskönigin Elsa und der Kleine Prinz auf

Derweil ging es im ersten Stock der Bibliothek ruhig zu. Die viel kritisierten Leser, Vicky Voyage und Eric BigClit, traten als Eiskönigin Elsa und der Kleine Prinz mit umgehängtem Fuchs auf. Sie wurden den Kindern im rund 70-köpfigen Publikum als „Vicky und Eric“ vorgestellt – ohne die pikanten Nachnamen. Es wurde aus Disney-Filmen gesungen und aus Bilderbüchern zum Thema „Anderssein“ gelesen, die Kinder durften an vielen Stellen mitmachen und ihre Meinung rufen. Im Interview mit tz hat einer der Künstler, Eric BigClit, erklärt, dass er sich auf die Veranstaltung freue und nie an eine Absage gedacht habe.

„Beide lesen gut, aber der Prinz war lustiger“, urteilte hinterher der fünfjährige Sohn von SPD-Stadträtin Lena Odell. „Die Bücher waren gut gewählt“, befand diese.

Stadträtin Lena Odell war mit ihrem fünfjährigen Sohn bei der Lesung. 

Münchner Stadtbibliothek erhielt massive Drohungen

Die Münchner Stadtbibliothek hatte im Vorfeld der Lesung massive Drohungen erhalten. „Wir wurden sogar gefragt, ob unsere Fenster kugelsicher sind“, berichtete Direktor Arne Ackermann. Die Folge davon war, dass die Lage zu unsicher wurde für Julana Gleisenberg – das 13-jährige Kind, das sich als Mädchen identifiziert, hätte bei der Veranstaltung lesen sollen. Das wollte die Familie ihrem Kind bei all dem Trubel aber doch ersparen – sie sagte die Teilnahme ab.

Anmerkung: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde die 13-jährige Julana Gleisenberg irrtümlich als „Transfrau“ bezeichnet. Dieser Fehler wurde korrigiert. Des Weiteren hieß es, die AfD habe nicht über eigene Mikrofone und Lautsprecher verfügt. Rene Dierkes, Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes München Ost, legt Wert auf die Feststellung, dass die AfD eigene Lautsprecher und Mikrofone dabeihatte. Die entsprechende Textpassage wurde korrigiert.

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