VonDoris Schmidschließen
Prominenter Gast beim Geretsrieder Kulturherbst: Kabarettist Helmut Schleich wird im Kulturzelt an der Jahnstraße sein neues Programm „Kauf du Sau“ vorstellen.
Geretsried – An diesem Donnerstag beginnt der Geretsrieder Kulturherbst. Auch Helmut Schleich wird im Theaterzelt an der Jahnstraße zu sehen und zu hören sein. „Mit ihm und Claus von Wagner haben wir die Crème de la Crème des deutschen Kabaretts in Geretsried“, sagt Festivalleiter Günter Wagner, der sich über Schleichs Zusage ganz besonders freut. Unsere Zeitung hat sich mit dem Kabarettisten unterhalten.
Herr Schleich, Sie treten am 6. Oktober auf dem Geretsrieder Kulturherbst auf. Wann ist Ihnen der Name Geretsried zum ersten Mal untergekommen?
Ach, das ist eine schöne Frage. Zu Geretsried habe ich eine alte Verbindung. Das rührt von den Zeiten der „Narrenschaukel“ um Hias Röttig und Claus Steigenberger her. Als Hias Röttig die Kleinkunstbühne Hinterhalt in Gelting 1991 eröffnet hat, habe ich mit „Kabarett Fernrohr“ am Eröffnungsabend gespielt. Vorher bin ich schon in Volker Wittes Kneipe Korkenzieher in Geretsried aufgetreten.
Wie oft waren Sie über die Jahre in Geretsried?
Hmm, zehn Mal vielleicht? Aber das letzte Mal liegt schon relativ lang zurück. Das ist acht, zehn Jahre her.
Sie sind persönlich mit Kulturherbst-Veranstalter Günter Wagner bekannt. Woher kennen Sie sich?
Der Wagner Günter hat ja früher mit seiner „Gruppe 84“ in München auch Kabarett gemacht. Daher kennen wir uns. Wir hatten auch schon gemeinsame Auftritte, zum Beispiel beim „Kabarett Kaktus“. Das ist ein Kleinkunstwettbewerb, den ich zusammen mit Albert Kapfhammer und Christian Springer 1989 ins Leben gerufen habe.
Sie sind ein gefragter Kabarettist, haben viele TV-Auftritte und Termine. Laut Günter Wagner waren Sie der erste, der den Termin für den Kulturherbst zugesagt hat. Was hat den Ausschlag für Ihre schnelle Zusage gegeben?
Festivals haben immer eine besondere und intensive Atmosphäre. Außerdem bin ich beim Flussfestival in Wolfratshausen aufgetreten (dieses Festival wurde ebenfalls von Günter Wagner veranstaltet, Anm. d. Red.). Das war sehr schön und gut organisiert.
Was glauben Sie, erwartet Sie in Geretsried?
Ich mag mein Publikum, und mein Publikum mag mich. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es ein angenehmer und schöner Abend in Geretsried wird. Der Auftritt am 6. Oktober ist einer meiner ersten in der Herbstsaison. In dieser politischen Zeit werde ich noch mit sehr heißer Nadel aktuelle Dinge stricken.
Manche Kabarettisten stimmen Ihr Programm auf den Spielort ab. Machen Sie das auch?
Wenn mir was unterkommt, ja. Aber zur Kommunalpolitik sage ich eigentlich eher wenig. Das erwartet das Publikum auch nicht. Es besteht die Gefahr, dass man g’scheit daneben haut und trotz genauer Recherche den Nagel nicht auf den Kopf trifft.
Eine Ihrer beliebtesten Rollen ist die des Franz Josef Strauß. Ist das Segen oder Fluch für Sie?
Ein Segen, auch wenn ich kein gläubiger Mensch bin. Ich würde sagen, dass die Rolle positiv für mich ist. Sie ist eine starke Figur mit enormer sprachlicher Gewalt, die die bayerischen Befindlichkeiten extrem gut darstellt. Ich bin schon gefragt worden, ob ich damit eine Bierzelttournee mache. Das habe ich aber angelehnt.
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Aus welchem Grund?
Da besteht dann womöglich schnell die Gefahr, dass die Ironie in der Darstellung zu kurz kommt. Die Figur ist keine Eins-zu-eins-Imitation von Franz Josef Strauß. Eher eine Schleich’sche Kunstfigur, die eine gute satirische Waffe gegen alles und jeden ist. Ich setze sie sehr gern, aber dosiert ein.
Was würde Strauß zur aktuellen politischen Lage in Bayern sagen?
Es gibt mehr Parteien, aber die Lager sind im Grunde gleich geblieben: Zirka 30 Prozent stellen SPD und Grüne, 70 Prozent sind rechts davon. Das war schon immer so.
Wie steht es um die CSU?
Ach, die CSU bietet immer wieder Stoff. Meiner Meinung nach hat sie ihre Sammlungsqualitäten verspielt. Nach aktuellen Umfragen würden die Christsozialen mit 34 Prozent aus der Landtagswahl am 14. Oktober gehen. Sollte die Partei wirklich so schlecht abschneiden, glaube ich nicht, dass Markus Söder Ministerpräsident bleibt.
Wer könnte dafür in Frage kommen?
Die Ilse Aigner (stellvertretende Ministerpräsidentin, Anm. d. Red.) ist im Moment verdächtig still. Es wäre vorstellbar, dass sie nach der Landtagswahl aus dem Hut gezogen wird.
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Nach Geretsried kommen Sie mit ihrem neuen Programm „Kauf du Sau“. Um was geht es?
Da muss man am 6. Oktober zum Kulturherbst kommen, dann weiß man es (lacht). Es geht um die Themen Konsum und Kaufen. Und um jene, die uns etwas verkaufen wollen. Autobauer oder Politiker zum Beispiel. Es geht um Verkehr, Mobilität, Europa, den Islam, Bayern und die CSU. Auch Heimat, wo wir verwurzelt sind, spielt eine Rolle.
Eine Frage noch zum Nockherberg: Man munkelt, dass Sie bei der Paulaner-Brauerei als Nachfolger von Fastenpredigerin Luise Kinseher ganz oben auf der Liste stehen. Gibt es Neuigkeiten?
Dazu kann ich nichts sagen, mich hat niemand gefragt. Und das sage ich jetzt nicht, weil ich eine Verschwiegenheitsvereinbarung unterschrieben hätte. Aber ich denke, dass die Entscheidung längst gefallen ist, wer die Fastenpredigt auf dem Nockherberg halten wird.
Info
Karten für den Auftritt von Helmut Schleich am Samstag, 6. Oktober, ab 20 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) im Theaterzelt an der Jahnstraße gibt es zum Preis von 26 Euro (ermäßigt 21 Euro) im Rathaus oder unter www.geretsrieder-kulturherbst.de und www.muenchenticket.de im Internet.
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