- VonPeter Herrmannschließen
Der Marienbrunnen in Wolfratshausen bleibt stehen, wo er seit 1924 steht. Die Initiatoren des Bürgerbegehrens feiern ihren Erfolg.
Wolfratshausen – Mit lachenden Gesichtern begrüßten sich am Montagvormittag Helmut Forster, Dr. Manfred Fleischer und Richard Kugler im Löwenbräu. Gemeinsam mit vielen Helfern hatten die drei Stadträte der Wolfratshauser Liste in den vergangenen Monaten gegen die vom Stadtrat mehrheitlich beschlossene Versetzung des Marienbrunnens mobil gemacht – wie berichtet mit durchschlagendem Erfolg.
„Ein Sieg der Demokratie“: Marienbrunnen in Wolfratshausen bleibt stehen
„Eine Zustimmung von über 86 Prozent ist eines der besten Ergebnisse, die je in Bayern bei einem Bürgerentscheid erzielt wurden“, stellte Fleischer fest. In Wolfratshausen sei das deutliche Votum ohnehin bislang einzigartig. Selbst die Abstimmung gegen die Schrankenlösung bei der geplanten S-Bahn-Verlängerung endete im Juli 2010 mit einem nicht so deutlichen Resultat. Damals sagten 80,76 Prozent der Wahlgänger nein zur Schranke.
„Wir haben nur das umgesetzt, worum uns viele Bürger gebeten haben“, erklärte Forster die Motivation der Initiatoren. Fleischer dankte den Helfern, die rund 2650 Unterschriften gesammelt und damit die rechtlichen Voraussetzungen für die Durchführung des Bürgerentscheids geschaffen hatten. „Das war ein Sieg der Demokratie, das Volk als höchster Souverän durfte entscheiden“, zeigte sich Fleischer begeistert. Forster und Kugler legten Wert auf die Feststellung, dass nicht nur Mitglieder der Liste WOR für die Abstimmung geworben hatten.
„Ich hoffe nun, dass sich der Stadtrat die Pläne zur Aufwertung der Altstadt noch mal genauer anschaut“, so Kugler. Mängel gibt es seiner Ansicht nach genug. Neben dem Verlust an Parkplätzen prangert er die Reduzierung der Fahrspurbreiten an.
Ex-Bürgermeister macht Amtsnachfolger für Bürgerentscheide verantwortlich
Dass einige Stadträte ihre Entscheidung für eine Brunnen-Versetzung nach der Abstimmung in sozialen Netzwerken verteidigten und den Bürgern Kompetenz absprachen, bezeichnete Sibylle Steckermaier als „überheblich“. Erich Brockard junior sieht das genauso. „Entweder die Stadträte lagen bei ihrer Entscheidung falsch oder sie konnten den Bürgern das Konzept nicht vermitteln“, sagte er am Montag.
Altstadt geschützt, Brunnenzerstörung verhindert und über 220.000 Euro gespart.
Der ehemalige Rathauschef Helmut Forster machte seinen Amtsnachfolger Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung) dafür verantwortlich, dass es zum Bürgerentscheid kam. „Er wollte ihn unbedingt durchziehen, obwohl wir ihn gebeten haben, darauf zu verzichten.“ Wie berichtet hätte der Stadtrat seinen im April gefassten 15:5-Beschluss für die Versetzung des Brunnens vor einem Bürgerentscheid aufheben und so Arbeit und Geld sparen können.
Ob die Wolfratshauser Liste nach dem großen Abstimmungserfolg auch in anderen Belangen auf Bürgerbegehren und -entscheide setzen wird, ließ das Stadtrats-Trio offen. Das Hauptziel sei erst einmal erreicht, bilanzierte Fleischer: „Altstadt geschützt, Brunnenzerstörung verhindert und über 220 000 Euro gespart.“ (ph)
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