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Nun ermittelt auch die Münchner Staatsanwaltschaft gegen René Benko. Die Ruinen des Immo-Pleitiers schaden der Innenstadt-Attraktivität, finden die Händler. Welche Veränderungen sie jetzt fordern.
München – Thomas Vollmer steht in der Neuhauser Straße – zwischen Bier-Tempel und Benko-Tristesse. Als Chef des Augustiner-Stammhauses arbeitet der Wiesn-Wirt genau gegenüber der Alten Akademie. Er sieht quasi jeden Tag die wohl markanteste Bauruine, die der Zusammenbruch von René Benkos Immo-Imperium in München hinterlassen hat. „Natürlich hat das Einfluss auf mein Geschäft – grad im Sommer“, erzählt Vollmer beim Besuch unserer Redaktion am Mittwoch.
Münchner Geschäftsleute mit klaren Forderungen
Kein Wunder, die Aufenthaltsqualität lässt zu wünschen übrig. Denn die Verkleidung der Akademie-Ruine zeigt zwar, wie sie vielleicht einmal hätte aussehen sollen oder können. Aber vor und hinter der Fassade sieht man das Gerüst-Gerippe – das kann der beschmierte Bauzaun davor längst nicht verdecken.
In der vergangenen Woche ließ die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft René Benko festnehmen, nun sitzt er – wie berichtet – in U-Haft. Und die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den in Österreich inhaftierten Pleitier wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue – in jeweils dreistelliger Millionenhöhe!
Was in den Augen vieler Münchner jetzt erstmal bleibt: eine verwüstete Stadt. „Ich hoffe natürlich, dass das rechtlich korrekt aufgearbeitet wird“, sagt Wolfgang Fischer. Denn wenn Besucher ungern in die Innenstadt kommen, leiden darunter auch Geschäftsleute.
Stachus: Neues Shoppingcenter am Karlsplatz München?
Der Vorsitzende des Vereins CityPartner kennt deren Sorgen und Wünsche. Gestoppte Baumaßnahmen müssten fortgesetzt werden, und die Insolvenzverwalter sollten schnell neue Interessenten oder Käufer für die Objekte finden, sagt er. Denn: „Die Schützenstraße leidet natürlich gewaltig.“ Und nicht nur die. Münchens ganzes Bahnhofsviertel steht in der Kritik.
In der Straße zwischen Bahnhof und Stachus – nahe dem Problempark Alter Botanischer Garten – fühlen sich manche Menschen einfach unsicher. Da müsse es vorwärts gehen, findet auch Gregor Lemke, der Vorsitzende des Vereins der Münchner Innenstadtwirte. Er betreibt den Augustiner Klosterwirt an der Frauenkirche.
Dachterrasse und Co.: Die Pläne für den Kaufhof
„Die Ruinen zahlen natürlich auf ein Gesamtbild der Innenstadt ein. Ich hoffe ich, dass da eine Dynamik reinkommt, die den Bürgern zeigt: Hier passiert was!“ Zumindest sei der Moderiese C&A nun ins ehemalige Sport-Scheck-Gebäude gezogen, das sei eine positive Entwicklung.
Wenn Thomas Vollmer auf die Alte Akademie schaut, spürt er Ungewissheit. „Der Kran wurde zwar zurückgebaut“ – aber wie geht‘s weiter? Wird der Weg vom Hauptbahnhof in die City attraktiver gestaltet? „Ein modernes Shoppingcenter am Stachus würde gut die Passagen ergänzen“, glaubt er.
Für den alten Kaufhof plant Inhaber Michael Zechbauer wie berichtet einen Komplett-Umbau samt Restaurants, Handel, Büroräumen, einem Lichthof und einer öffentlich zugänglichen Dachterrasse. Zum Zeitplan könne er noch nichts sagen, so Zechbauer am Mittwoch auf Anfrage. Aber es soll Licht werden am Stachus.

