VonAlois Ostlerschließen
Mit Sorge gehen die Bürgermeister am Montag, 16. September, an den Runden Tisch. Es geht um Managementplan zu den zwei Natura-2000-Gebieten im Estergebirge.
Kochel am See/Wallgau – Dem Wallgauer Bürgermeister schwant Übles: „Der Managementplan ist zutiefst undemokratisch. Das ist der Einstieg in eine Ökodiktatur.“ Damit gießt Hansjörg Zahler (CSU) bereits im Vorfeld des Runden Tisches Öl ins Feuer. Seine Kritik richtet sich an das Weilheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), das am Montag, 16. September, in Wallgau (10 Uhr, Haus des Gastes) über den von Zahler so gegeißelten Managementplan zu den zwei Natura-2000-Gebieten im Estergebirge informiert.
Mit dabei am Runden Tisch ist auch die Gemeinde Kochel am See. „Man geht da mit gemischten Gefühlen hin“, sagt Bürgermeister Thomas Holz. Ganz so energisch wie sein Amtskollege in Wallgau ist Holz indes nicht. Dennoch sei das Verhältnis zwischen Landwirten und Naturschutzvertretern seit dem Rettet-die-Bienen-Volksbegehren schwieriger geworden. Für Holz ist wichtig, dass der Runde Tisch „keine Alibi-Veranstaltung wird“. Beide Seiten müssten sich ernst nehmen. Die Gemeinde Kochel ist bei dem Managementplan mit Flächen am Fahrenberg im Walchensee-Gebiet betroffen.
Soviel ist sicher: Es wird ein Treffen voller Brisanz und gegenteiliger Meinungen. Bei dieser Konferenz unterrichtet die Behörde Grundstückseigentümer, Waldbesitzer, Jäger, Alpenverein, Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Almbauern über die Umsetzungen der Natura-2000-Initiative, die nicht wenige als staatlich verordnete Enteignung betrachten.
Dahinter steckt ein europäischer Biotopnetzverbund, durch den die biologische Vielfalt der natürlichen Lebensräume und der wild lebenden Pflanzen und Tiere aufrechterhalten werden soll. Grundlage für den Aufbau von Natura 2000 im Estergebirge sind die 6075 Hektar große FFH-Fläche (Flora-Fauna-Habitat) und das 11 993 Hektar umfassende SPA-Gelände (Special Protection Areas), das einem Vogelschutzgebiet entspricht.
Zahler findet es „befremdlich, wie hier vorgegangen wird“. Das AELF gebe Ziele vor, stelle Planungen auf, „ohne Rückbezug auf die tatsächlichen Besitzverhältnisse“. Der Bürgermeister bemängelt darüber hinaus, dass die Gemeinden und Grundstücksbesitzer kein Mitspracherecht beim Managementplan hätten.
Formulierungen und Kartierungen zum Teil nicht in Ordnung
In die gleiche Kerbe schlägt Alois Kramer aus Krün. Es gebe im Rahmen des Managementplans Formulierungen des Landwirtschaftsamts und Kartierungen in Bezug auf Mähwiesen, „die sind nicht in Ordnung“, betont der CSU-Gemeinderat und gleichzeitig Vorsitzender der Forst- und Weidegenossenschaft. Generell sei der Runde Tisch für die beiden Natura-2000-Gebiete im Estergebirge „eine diffizile Sache, sehr kompliziert“, sagt Kramer.
Auf der einen Seite steht das gut 400 Seiten starke Werk der Behörde. Die EU fordert einen guten Zustand der Natura-2000-Areale. Naturschutz- und Forstbehörden erfassen im Managementplan Lebensräume sowie Arten und formulieren Vorschläge für Erhaltungsmaßnahmen. Dies steht jedoch häufig in krassem Gegensatz zu den Bedürfnissen von Wald- und Grundbesitzern. „Wir wollen die Almbeweidung aufrecht erhalten“, betont Kramer. Zudem sei es ihnen wichtig, Tränkestellen und Lichtweideflächen zu nutzen sowie die Infrastruktur zur Verfügung zu haben, um die Weidewirtschaft fortzuführen. Kramer fordert deshalb, die Beweidung im Managementplan zu verankern.
Ob derlei Anregungen aufgenommen werden können, hängt laut Markus Heinrich davon ab, inwieweit Schutzgüter betroffen sind. Der AELF-Experte nennt dabei Rückzugsgebiete für Arten im Estergebirge und schützenswerte Naturlandschaften. Er appelliert an den Zusammenhalt: „Nur durch gemeinsames Handeln aller Beteiligten lässt sich der Zustand der Gebiete und damit die wertvolle Kulturlandschaft erhalten.“ Der Experte gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus: „Anregungen und Wünsche werden am Runden Tisch diskutiert und gegebenenfalls in den Managementplan einfließen.“
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