Erholung für Mensch und Natur

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Freiwillige Helfer haben in Fall für die Stiftung der Polizeigewerkschaft einen eindrucksvollen Therapieraum geschaffen. Ein Besuch vor Ort.

Fall – Es ist eine bunte Gruppe, die an diesem Donnerstag im Biergarten des „Jäger von Fall“ zur Mittagspause zusammensitzt. Die Männer sind angereist aus Baden-Württemberg, Niedersachsen und aus verschiedenen Regionen Bayerns. Was sie gemeinsam haben: Sie kommen alle aus dem Polizeidienst. „Ein paar von uns hatten selbst traumatische Erlebnisse, einige hatten Glück“, sagt Berend Jochem. „Was uns eint, ist die Überzeugung, für diejenigen etwas Gutes zu tun, die Pech hatten.“

Jochem ist Vorsitzender der Stiftung der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Zusammen mit seiner Frau betreibt er in Fall ein Appartmenthaus und mehrere Bungalows, in denen traumtisierte Kollegen aus Blaulichtberufen zur Ruhe kommen können. In diesem Jahr startete das neue Projekt „Therapieraum Natur“. Dafür hat die Stiftung von den Bayerischen Staatsforsten ein Areal direkt neben dem Appartementhaus gepachtet. „Für Null“, wie Jochem sagt. „Wir haben 120 000 Euro in die Hand genommen, um das Gebiet aufzuforsten.“

Um freiwillig zu helfen, dafür sind die Kollegen aus ganz Deutschland angereist. Sie helfen beim Ausreißen von Pflanzen, beim Neueinsetzen von Bäumen – außerdem muss der Therapieraum „winterfest“ gemacht werden. Jeder der Männer bringt seine persönliche Erfahrung mit. „Vier kommen aus landwirtschaftlichen Betrieben“, sagt Berend Jochem. An diesem Tag sind zwei Handwerker mit vor Ort, die die Vorarbeiten für ein Bienen-Haus übernehmen. Im kommenden Jahr sollen zudem Erdhummeln ein eigenes „Hotel“ erhalten.

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„Früher war hier eine schwarze Wand bis zum Zaun“, beschreibt Karin Jochem die Fichten-Monokultur, die dort noch bis vor knapp einem Jahr stand. „Ich war in den vergangenen 20 Jahren nicht einmal in diesem Wald, weil er irgendwie unheimlich war.“ Jetzt sieht alles anders aus. Es ist licht geworden. Was abgeschnitten oder ausgerissen wird, bleibt zum Verrotten liegen.

Zusätzlich zu den neuen Wegen wurden Biotope angelegt, ein Feuchtbiotop – Libellen und Lurche sind schon eingezogen –, ein Trockenbiotop. Geplant ist eine Schautafel gleich am Eingang des Therapieraums. Dort sollen Besucher alles Wissenswerte über Flora und Fauna erfahren. Aufgestellt wird diese Tafel im kommenden Jahr. Obstbäume zieren den Wegesrand. In diesem Sommer musste viel gewässert werden, die Wasserschläuche hat die Feuerwehr Lenggries gestellt.

Der Therapieraum Natur soll künftig nicht nur den Gästen der Stiftung zur Verfügung stehen. Für alle, die in Fall spazieren gehen, ist das Tor geöffnet. Verschiedene Bänke laden zum Rasten ein, an einer Stelle kann man abends die Wildfütterung beobachten. Ein „Stammtisch“ wurde auch angelegt: Ein dicker Baumstamm inmitten von Isarwinkler Findlingen mit traumhaftem Ausblick. Dort werden die fleißigen Helfer später ihr Feierabend-Bier einnehmen.

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Die nächste Pflegemaßnahme ist für Ende Mai 2019 geplant. „Alles, was nach dem Winter zu tun ist“, stehe dann an, sagt Karin Jochem. Der Aufwand werde von Jahr zu Jahr geringer. Die Natur soll sich frei entfalten können. „In den nächsten fünf Jahren wird hier alles dicht sein“, sagt Berend Jochem. „In zehn Jahren haben wir ein blühendes Biotop. Alles soll so sein, wie es die Natur zulässt.“

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