Teilweise Lieferstopp

Obsternte bringt Mostereien ins Schwitzen

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Reiche Ernte: Der Rekordsommer sorgt für einen überdurchnittlichen Ertrag an Äpfeln und weiteren Früchten.

Die Äste der Obstbäume biegen sich, und in den Saftpressen fließt der Schweiß. Angesichts der Rekordernte kommen die örtlichen Mostereien an ihre Kapazitätsgrenzen.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Äpfel und Birnen wohin das Auge reicht. Der Landkreis erlebt heuer ein sogenanntes Mastjahr, in dem die Obsternte überdurchschnittlich gut ausfällt. „Eine derart reiche Ernte ist auf das „apfelarme“ Vorjahr zurückzuführen“, erklärt Martin Jost vom Gaißacher Apfel-Hofladen. Durch den Frost im Frühjahr der letzten Saison seien viele Blüten erfroren; im Folgejahr hätten sich dafür umso mehr Blütenknospen gebildet.

Ein Segen für die örtlichen Saftpressen möchte man meinen, doch während Hobbygärtner und Landwirte ihre reiche Ernte zufrieden bei den Gartenbauvereinen und Mostereien anliefern, versinken die Betreiber der Pressanlagen in Arbeit.

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So freut sich Inge Buchner vom Obst- und Gartenbauverein Egling zwar über den regen Betrieb. Bei der Vielzahl an Lieferungen kann sie aber nicht mehr hinterherkommen. „Wir können das einfach nicht stemmen. Dass uns ein anstrengender Sommer ins Haus steht, war klar, so schlimm hätten wir es aber nicht erwartet“, berichtet sie humorvoll von den vielen Anrufen, die dieser Tage in Egling eingehen. „Wir sind bis Mitte Oktober komplett ausgebucht, und trotzdem heizen uns die Leute am Telefon so richtig ein“, scherzt Buchner.

Mindestens ebenso gefragt ist die Saftpresse in Eurasburg. „Die Obsternte war in diesem Jahr unvorstellbar. Dementsprechend pressen wir an Samstagen gut und gerne 260 Liter Saft in der Stunde, bei Liefermengen von bis zu fünf Zentnern“, erklärt Martina Bergmann vom Gartenbauverein.

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Beim Schlegldorfer Familienbetrieb Fruchtsäfte Wenig musste man sich, ob des zu erwartenden Ansturms zu Saisonbeginn sogar personell verstärken. „Wir haben extra einen neuen Mitarbeiter eingestellt und zwei neue Edelstahltanks angeschafft, um der Lage Herr zu werden“, erzählt die Inhaberin Sofie Filgertshofer, die bedauert, dass man die teueren Tanks in den kommenden fünf bis sechs Jahren wohl kaum brauchen werde. Es sei nicht so toll, wie die Leute sich das vorstellen. „Nach einer solchen Ernte werden die großen Kunden meist ungeduldig. Durch die Kosten für Neuanschaffungen sind die Erträge wirklich nicht besser als in den Vorjahren, eher ganz im Gegenteil.“ Inzwischen sah sich der Betrieb um Filgertshofer sogar dazu gezwungen, auf die Unmengen an Obstlieferungen zu reagieren. So rief „Fruchtsäfte Wenig“ jüngst einen Aufnahmestopp aus, um das bereits erhaltene Obst zu verarbeiten, bevor es verdirbt. Nun wird ausschließlich noch Obst von Bestandskunden angenommen.

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Beim Garten- und Verschönerungsverein Beuerberg hingegen ist die Anmeldung zum Apfelpressen weiterhin montags und donnerstags von 17 bis 20 Uhr unter Telefon 0176/72963432 möglich. Der Betreiber der Presse, Othmar Winterling, ist mit den bisherigen Rückmeldungen seiner Kunden hochzufrieden. „Hier war durchgehend ein riesiger Betrieb – gar kein Vergleich zum Vorjahr. Uns haben jede Menge Kleingärtner, aber auch Landwirte besucht. Die sind natürlich überglücklich mit ihrer Ernte.“

Ähnlich positiv blickt auch Martin Jost auf die letzten Wochen in seinem Apfelgeschäft zurück. „Das warme Wetter und die ausreichende Bodennässe haben uns durchwegs groß gewachsene, qualitativ hochwertige und leckere Äpfel beschert.“

Nicolás Linner

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