Thomas-Mann-Weg eröffnet

Familie Mann in Bad Tölz: Ihre Geschichte als offenes Buch

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Das ehemalige Sommerhaus von Thomas Mann in Bad Tölz (Archivfoto).
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Das ehemalige Sommerhaus des Schriftstellers Thomas Mann in bad Tölz ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Jetzt gab es eine der seltenen Ausnahmen.

Bad Tölz – Es war eine der seltenen Gelegenheiten, zu denen der Garten der Thomas-Mann-Villa an der Tölzer Heißstraße für die Öffentlichkeit geöffnet war: Am Donnerstag fand dort in einem Zelt ein Festakt zur Eröffnung des neuen Thomas-Mann-Weges statt. In seiner Ansprache stellte 3. Bürgermeister Christof Botzenhart fest: „Der Weg dokumentiert dauerhaft und in aller Öffentlichkeit, dass Thomas Mann und seine Familie ein fester Bestandteil des Tölzer kulturellen Gedächtnisses sind.“

Wie berichtet ließ die Stadt entlang eines Rundwegs für 70.000 Euro acht Stelen aufstellen. Auf den Infotafeln in Form von aufgeschlagenen Büchern finden die literaturinteressierten Spaziergänger Bilder und Zitate der Familie Mann mit Bezug zu ihren Aufenthalten in Bad Tölz, wo sie von 1909 bis 1917 ein Sommerhaus besaß. Mit Hilfe von QR-Codes gelangt man übers Handy zu weiterführenden Informationen.

Bei der Feierlichkeit am Donnerstag galt es, vielen Beteiligten zu danken – darunter Martin Hake, „der mit immensem Forscherfleiß unendlich viel über die Manns in Tölz herausgefunden hat und so zur wesentlichen Inspirationsquelle für die Tölzer Aktivitäten geworden ist“. Für die optische Gestaltung der Stelen lobte Botzenhart die Münchner Agentur BalleyWasl, für die Projektorganisation Gabi Peters von der Tourist-Info.

Vor einem literaturinteressierten Publikum wurde im Garten der Thomas-Mann-Villa der neue literarische Rundweg vorgestellt.

Stadtarchivarin Manuela Strunz zeichnet für die Abfassung der Texte und die Auswahl der Zitate verantwortlich und präsentierte die Tafeln auf einer Leinwand – ergänzt durch passende historische Fotos. So nahm sie die Zuhörer mit zum Prinzregent-Luitpold-Genesungsheim. Thomas Mann sah von seinem Fenster aus den Zug von blinden Soldaten, die dort im 1. Weltkrieg gepflegt wurden. Das heutige „Café am Wald“ empfahl Mann seinen Gästen zur Übernachtung bei „täglichen Kosten von sieben Euro“. Und die Schlittenstrecke an der Galgenleite führte laut Golo Manns Autobiografie „vom Landhaus bis zur Isar“ – „das lasse ich jetzt mal dahingestellt“, kommentierte Strunz. Laut der Stadtarchivarin ist eine Erweiterung des Thomas-Mann-Wegs um weitere Stationen angedacht. Strunz wäre am wichtigsten, dass es auch eine Stele am ehemaligen Hotel Alpenhof auf dem Kogel gäbe. Dessen Wirtin hatte dem Literaten den Vierbeiner Bauschan vermittelt, der in der Novelle „Herr und Hund“ verewigt ist.

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Was die Sommeraufenthalte für den Schriftsteller bedeuteten, darüber referierte Prof. Friedhelm Marx aus Bamberg, Vizepräsident der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft. Der Literat habe hier zwar die Natur genossen und auf dem hauseigenen Tennisplatz Sport getrieben, aber auch viel gearbeitet – ungehindert von den gesellschaftlichen Verpflichtungen in München. „Thomas Mann stand öffentlichen Wegen übrigens kritisch gegenüber“, sagte Marx und spielte darauf an, dass Mann sich bemühte, einen öffentlichen Weg neben seinem Grundstück zu privatisieren. „Aber gegen einen Thomas-Mann-Weg hätte er sicher auch damals nichts einzuwenden gehabt.“

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Thomas Mann selbst und sein Sohn Klaus kamen auch zu Wort: Schauspieler Markus Eberhard las aus ihren Werken vor. Musikalisch wurde die Feier vom Ensemble Nebenluft gestaltet.

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