VonJannis Gogolinschließen
Bei einer Diskussion über die angespannten Verkehrssituation in ihrem Stadtteil machen die Farcheter dem Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner Vorschläge.
Wolfratshausen – Autos gibt es im Wolfratshauser Stadtteil Farchet wie Sand am Meer. Besonders in der Hauptsaison des Freizeitparks Märchenwald. Findet parallel noch ein Fußballspiel im benachbarten Isar-Loisach-Stadion statt, erstickt Farchet in einem Verkehrskollaps – und deren Einwohner gleich mit. Daher lud die Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW) am Donnerstagabend in die Sportgaststätte „Costa Smeralda“ zu einer Diskussion über das seit Jahren latente Problem ein – gut 40 Bürger folgten der Einladung.
„Gibt kein ganzes Glück“: Farcheter diskutieren mit Wolfratshauser Rathauschef über Parksituation
„Wer erwartet, dass ich hier etwas aus dem Hut zaubere – das kann ich nicht“, schickte Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) der Debatte voraus. Sein Ziel an diesem Abend: ein Stimmungsbild für die Arbeit der Stadtverwaltung und des Stadtrats einholen. Das bekam er ebenso schnell wie eindeutig: Die Anwohner von Märchenwald und Isar-Loisach-Stadion sind genervt.
Hauptsächlich über zwei Ansätze diskutierten die meinungsstarken Bürger. Eine Variante, zumindest die Parksituation zu entspannen und Falschparker in die Schranken zu verweisen, schlug Anrainer Jürgen Huber vor: ein Shuttlebus, der die Märchenwaldbesucher von einem Parkplatz außerhalb Farchets zum Freizeitpark kutschiert. „Im Europapark funktioniert das doch auch.“
An einem sonnigen Wochenende, an dem der Märchenwald brummt und die Fußballfans ins Stadion strömen, verteile die Kommunale Verkehrsüberwachung bis zu 150 Knöllchen, schilderte der Bürgermeister die Ausgangslage. „Das ist schön für die Stadtkasse, bringt uns aber nicht weiter“, betonte Heilinglechner.
Für Märchenwald-Chef Daniel Diessl ist ein Shuttlebus keine praktikable Lösung. „Ich denke an die Familien mit Sack, Pack und Kinderwagen, die sich dann in einen Bus quetschen müssen“, so Diessl. Die Befürchtung vieler Farcheter, dass die Besucherzahlen des Freizeitparks noch zunehmen und sich das Verkehrsproblem somit weiter verschärft, konnte Diessl zerstreuen: „Mehr Leute kann ich nicht unterbringen.“
Aus Einfamilienhäusern werden Fünfspänner: Nachverdichtung im Stadtteil verschärft das Park-Problem
Nichtsdestotrotz werde der Autoverkehr zunehmen, meinte Huber und führte zur Begründung seiner These die stetige Nachverdichtung im Stadtteil Farchet an. „Einfamilienhäuser werden nach und nach abgerissen und von Drei- bis Fünfspännern ersetzt.“ Darum brauche Farchet eine Lösung – und zwar am besten schon vorgestern.
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Die altbekannte Alternative zum Shuttlebus: ein Parkhaus auf dem vorhandenen Parkplatz des Isar-Loisach-Stadions, wie schon vor gut zehn Jahren von Märchenwald-Betreiber Diessl vorgeschlagen – aber von einer Bürgerinitiative verhindert. Josef Praller, Sprecher der BVW-Stadtratsfraktion und Mitglied im Bauausschuss des Stadtrats, erinnert sich noch sehr gut an die damalige Diskussion im Fachgremium. „Letztlich waren wir im Bauausschuss nur zu zweit, die einem Parkhaus gegenüber offen waren.“ Die Fronten seien verhärtet gewesen. „Dabei gibt es nicht nur richtig oder falsch, dagegen oder dafür.“
Parkhaus vor über zehn Jahren abgelehnt – nur ist „eine Machbarkeitsstudie geplant“
Die Abstimmung im Bauausschuss, ergänzte der Bürgermeister, fiel seinerzeit 2:8 gegen den Parkhausbau aus. Doch das Thema stehe derzeit wieder auf der politischen Agenda, „eine Machbarkeitsstudie ist geplant“, berichtete Heilinglechner.
Ein Parkhaus beziehungsweise Parkdeck könnte die Situation zumindest etwas entspannen, war sich das Gros der Anwesenden einig. Sogar gegen eine ins Spiel gebrachte dreistöckige Variante regte sich am Donnerstag wenig Widerstand. „Wenn das Ding mal zwei Jahre steht, war es schon immer so“, sagte Monika Heidl-Seitner, Geschäftsführerin des Wolfratshauser Flößereibetriebs Franz Seitner, pragmatisch. „Wir müssen mal weg von dem Althergebrachten.“
Rathauschef Heilinglechner stimmte ihr zu. „Wir können uns nicht ewig wehren, in die Höhe zu bauen.“ Zudem seien moderne Parkhäuser keine „stupiden Waschbeton-Blöcke mehr“, fügte Märchenwald-Chef Diessl hinzu. Das Parkhaus an der Kreisklinik am Moosbauerweg beispielsweise sei in seinen Augen optisch recht ansehnlich.
Die Parksituation im Bereich Stadion/Märchenwald sei nur ein Aspekt, sagte der ehemalige CSU-Stadtrat Florian Wurm. Der Verkehrsfluss auf den engen – und häufig beidseitig beparkten – Fahrbahnen wie an der Stobäusstraße sei ebenso „katastrophal“. Nicht nur für die Anwohner, sondern auch für die Stadtbusfahrer – und nicht zuletzt für Feuerwehr und Rettungsdienst. Wurms Vorschlag: Eine zusätzliche Ausfahrt für den Stadtteil Farchet, eine Einbahnstraßenregelung oder ein einseitiges Parkverbot könnte Abhilfe schaffen.
Das Resümee von Bürgermeister Heilinglechner: „Es gibt kein ganzes Glück, irgendjemanden werden wir enttäuschen müssen.“
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