Da war der Geist aus der Flasche, mit Rauch und viel Gelächter: Das Faschingskonzert der Tölzer Stadtkapelle am Sonntagabend im ausverkauften Kurhaus bot wieder einmal beste Unterhaltung.
Bad Tölz – Kostüme, Programm und natürlich die Musik begeisterten die Besucher. Wie üblich trat das Ensemble in der ersten Hälfte des Abends in Tracht auf, nach der Pause gab’s schrille Verkleidungen.
Doch schon zu Beginn herrschte verkehrte Welt: Der „Tölzer Schützenmarsch“ erklang unüblicherweise als erstes Stück. Dann verkündete Trompeter Toni Margreiter dem Publikum, die Stadtkapelle hätte „keinen Bock“ auf ihren Auftritt, es wäre besser, es würde nicht geklatscht, damit um 21 Uhr alles vorbei sein könnte. Aber schon mit dem zweiten Stück, der Ouvertüre von Willy Koesters „König Drosselbart“, strafte die Stadtkapelle diese Behauptung Lügen. Mit ihrer temporeichen Darbietung, als wollten sie wirklich rasch durchs Programm, rissen die Musiker die Zuhörer mit.
Der Marsch „Alte Kameraden“ begann in einer schmissigen Swingversion – nur kurz dazwischen erklangen die traditionellen Takte. Hinreißend verträumt dagegen gelang den Musikern der Welthit „Moonriver“, den sie in ein Potpourri berühmter Filmmelodien betteten.
Turbulent begann der sehr einfallsreiche zweite Teil des Abends: Die Musiker betraten den Saal verkleidet und mit ihren Instrumenten. Dirigent Josef Kronwitter im schwarz-goldenen Zauberergewand und mit Rauschebart spielte den Verzweifelten, der die Musiker nur schwer unter Kontrolle brachte. Die Rahmengeschichte handelte von Aladin (Michael Lindmair), der mit Hilfe eines Flaschengeistes (Martin Strein) das Herz der schönen, aber stets kühlen Sultanstochter (Julia Fuchsgruber) erobert.
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Musikalische Höhepunkte waren die Soloauftritte von Klarinettist Sepp Scharf und Posaunist Martin Schnitzer als Kontrahenten Aladins. Schnitzer stellte als betrunkener Russe in einer filmreifen Darbietung sein Instrument dar. Erst kämpfte er mit einem einfachen Notenständer. Danach demonstrierte er, welche Mengen an Flüssigkeit eine Posaune aufnehmen kann und bespritzte das Publikum, als er das Instrument säuberte. Mit den höchsten und tiefsten Tönen buhlte er musikalisch um die Schöne, die ihn allerdings abwies. Das Publikum aber hatte er mit Leichtigkeit erobert.
Weitere Einlagen zeugten vom Ideenreichtum der Aufführenden. Judith Rinshofer und Benedikt Kloiber sägten und hämmerten im Takt zur „Heimwerker Polka“. Für großes Gelächter sorgte auch Tobias Kuhnert, der mit zwei Becken in den Händen einen hilflos jammernden Schlagzeuger gab, der nie den großen Tusch im Marsch traf. Theresa Baumgartner und Sebastian Heufelder traten als tanzendes Trachtenpärchen auf, Letzterer als beeindruckender Schuhplattler.
Das Publikum wurde direkt miteinbezogen, als Lindmair und Strein durch den Saal zogen und ein Quiz zu deutschen TV-Serien veranstalteten. Die Stadtkapelle stimmte zu den Antworten die zwar bekannten, aber auch verkannten Melodien der „Lindenstraße“, der „Schwarzwaldklinik“ oder des „Aktuellen Sportstudios“ an.
Am Ende des zweieinhalbstündigen Programms musste Kronwitter dem lachenden und erwartungsvoll schauenden Publikum winkend und rufend klar machen: „Jetzt ist es aus!“ BIRGIT BOTZENHART