Es ist ein Angebot, das im Umkreis seinesgleichen sucht: Am Trachteninformationszentrums in Benediktbeuern fand ein Kurs im Federkielsticken statt.
Benedikbeuern – Mitunter ganz bewusst, sozusagen als Berufsgeheimnis, behielten die Federkielsticker ihr Wissen für sich. Nun fand im Trachteninformationszentrums (TIZ) des Bezirks Oberbayern in Benediktbeuern ein siebentägiger Federkielstickkurs statt. Denn wenn Wissen nicht weitergegeben wird, besteht die Gefahr, dass es irgendwann in Vergessenheit gerät, sagt TIZ-Leiter Alexander Wandinger. In die Geheimnisse dieses alten, ursprünglich aus Indien stammenden Handwerks weihte Federkielsticker-Meisterin Katharina Stuefer aus Südtirol die zwölf Teilnehmer an insgesamt drei Wochenenden ein.
Still ist es in der Runde. Jeder konzentriert sich auf seine Arbeit. Nach einer Einführung und dem Anfertigen eines Probestücks in den ersten Seminartagen sitzen nun fast alle vertieft an ihrem „Nährössl“. So nennt man eine Haltevorrichtung, in der man das zu bearbeitende Stück – in diesem Fall jeweils ein Rindsleder-Gürtel – einspannen und fixieren kann. Die ausgewählten Stick-Ornamente, die zuvor teils mit Tusche aufgepaust worden sind, sind bereits ein Stück weit gediehen. Denn es mussten seit Kursbeginn auch fleißig Hausaufgaben gemacht werden. Katharina Stuefer gibt hier und da Rat und Hilfestellung.
Ruhe und Geduld als Grundvoraussetzungen
„Das ist reine Handarbeit“, erklärt TIZ-Leiter Wandinger. „Nach dem Vorstechen eines jeden Stickloches muss sofort der Federkiel durchgezogen werden, weil sich das Loch sonst wieder schließt.“ Präzision verlangt dabei der Umgang mit den Ahlen, denn es kommt auf den richtigen Winkel des Einstichs an. Große Sorgfalt braucht es ebenfalls bereits zu Beginn der Arbeit, nämlich beim Spalten der Pfauenfederkiele: Sie müssen in schmale, gleichmäßige und glattrandige Streifen geschlitzt werden. „Da braucht man Ruhe und Geduld“, meint eine der Teilnehmerinnen und ist froh, diese Sache bereits hinter sich gebracht zu haben. Die Rückseite des Gürtels wird dann mit einem Schweineleder-Streifen abgedeckt und beide Lederschichten an den Rändern zusammengestickt.
Vielfach herrsche hierzulande die Meinung, die Federkielstickerei sei aus dem Tirolerischen zu uns gekommen. Dies sei aber nicht so, erläutert Wandinger. Die Forschungen des Trachteninformationszentrums datieren die ältesten Gürtel dieser Art zum Ende des 18. Jahrhunderts, und zwar aus der Gegend um Traunstein und dem niederbayerischen Rottal. „Sie waren sehr oft farbig und mit Sprüchen und Geschichten bestickt.“ Schon bald nach 1800 sei diese Handwerkstechnik nach Österreich und Tirol gewandert. Im weiteren Verlauf habe man die Stickerei zunehmend filigraner gemacht – „da waren die Federkiele so dünn wie Fäden, man musste mit einer Lupe arbeiten“. In diesem Stil erhalten sind zum Beispiel auch „Geldkatzen“, die Metzger und Händler bei sich trugen.
Weitere Kurse geplant
Um 1900 wurde die Federkielstickerei schließlich im Sarntal weitergeführt und belebt. „Da gab es eine gewisse Familie Thaler, die dieses Wissen aufgenommen und weitergegeben hat“, so Wandinger. Und ein Spross dieser Familie Thaler wiederum ist Katharina Stuefer. Bei einem Cousin, so erzählt sie, sei sie als Hilfskraft eingesprungen und habe dabei ihre Leidenschaft für diesen Beruf entdeckt. Seit 1984 führt sie ihren eigenen Betrieb. Der bislang weitum einmalige Einsteigerkurs in Benediktbeuern sei sehr gut angelaufen, urteilt Stuefer. Bereits im nächsten Jahr, so Wandingers Ankündigung, soll es im Trachteninformationszentrum einen weiteren Einsteigerkurs geben – und einen Aufbaukurs. (Rosi Bauer)
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