„Plastic Planet“

Filmvorführung im ZUK mit klarer Botschaft: Plastik am besten im Regal stehen lassen

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Vereint im Einsatz gegen Plastik (v. li.): Ursula Menke (Kreisbildungswerk), Jasmin Seitner-Spangenberg (Café Freizeit), Regisseur Werner Boote, Sonja Borowski (KBW), Melanie Eben (Förderverein „Oberland plastikfrei“), Diana Meßmer und Friedl Krönauer (Kreisgruppe Bund Naturschutz).

Der Film „Plastic planet“ kam 2009 in die Kinos und füllt immer noch Jahr für Jahr Säle. Auch im Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern mussten kurz vor Beginn der Vorführung noch Stühle zusätzlich aufgestellt werden, damit die über 70 Interessierten Platz fanden. Die Besucher lockte auch die Anwesenheit des österreichischen Regisseurs Werner Boote.

Benediktbeuern – Nach dem 140-minütigen Film stellten sich Initiativen vor, die plastikfreies Handeln und Leben im Landkreis bereits praktizieren. Eingeladen hatten das Kreisbildungswerk (KBW) und der Förderverein „Oberland plastikfrei“ der Kreisgruppe des Bund Naturschutz.

„Plastic planet“ ist kein reißerischer Film, er wirkt aber nachhaltig, weil er zum Nachdenken anregt. Trotz Recycling-Industrie und -vorgaben hierzulande bleibe laut Dokumentation ein grundsätzliches Problem: Weder Nahrungsmittelindustrie noch Produkthersteller wissen, was in Plastik enthalten ist. Die „Rezepturen“ sind das Geheimnis der Plastikindustrie. Aus Schnullern und Babyflaschen verbannte die Europäische Union Bisphenol A. Aber was steckt in Tupperware? Als vegan, gentechnikfrei oder regional sind die Inhalte deklariert, nicht aber die Verpackung.

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Melanie Eben vom Förderverein „Oberland plastikfrei“ leitete die anschließende Diskussion. „Man müsste den Wert von Plastik erhöhen“, schlug Boote vor, „oder eine Verpackungssteuer einführen.“ Mit einleuchtenden Zahlen ergänzte er die Vorführung. So würden in Brüssel sechs Lobbyisten für Fair-Trade-Produkte sitzen, und 400 für den Chemieriesen BASF. Der Regisseur antwortete auf die Frage, ob er persönlich ganz auf Plastik verzichtet: „Als Filmemacher kann ich auf die Stromkabel nicht verzichten. Aber ich bin jedes Mal stolz, wenn ich in meinem Umfeld wieder etwas plastikfrei geräumt habe.“ Boote lobte das hiesige Leitungswasser. „Warum schleppen Leute Wasserflaschen aus Plastik nach Hause?“, fragte er aber.

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Der Verein „Oberland plastikfrei“ wurde vergangenes Jahr gegründet. In Bad Tölz soll ein verpackungsfreier Laden auch als Informationsort entstehen. Sonja Borowski vom KBW berichtete von ihren Anstrengungen, im Alltag auf Plastik zu verzichten. „Das ist relativ einfach umzusetzen“, ermutigte sie die Zuhörer und verwies auf die Macht der Verbraucher: „Was im Regal stehen bleibt, wird aussortiert!“

Jasmin Seitner-Spangenberg eröffnete im Frühjahr in Bairawies das plastikfreie Café Freizeit. Aber sie gab zu: „Ich habe es auf ein immerhin 80 Prozent plastikfreies Geschäft gebracht.“ Ihre Forderung: Die Lieferanten und Hersteller müssten stärker in die Pflicht genommen werden.

Birgit Botzenhart

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