VonDoris Schmidschließen
Das Geretsrieder Unternehmen Rudolf Chemie will erweitern. Dafür müsste der Dieselweg zur Sackgasse werden. Die Firma erklärt, warum.
Geretsried – Das Betriebsgelände der Firma Rudolf Chemie platzt aus allen Nähten. Deshalb beschäftigt sich das Unternehmen aktuell mit Erweiterungsplänen. Der Dieselweg soll wie berichtet zu einer Sackgasse werden, damit das Areal jenseits dieser Straße optimal angebunden werden kann. Auf Nachfrage unserer Zeitung erläutern die Rudolf-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Schumann und Dr. Oliver Kusterle, warum diese doch ungewöhnliche Lösung so wichtig für die Firma sein würde.
Am Stammsitz sind 385 Mitarbeiter beschäftigt
An seinem Stammsitz an der Altvaterstraße stellt das Unternehmen mit 385 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über 800 chemische Produkte her – hauptsächlich für die Textilindustrie. In den vergangenen zehn Jahren sei man stark gewachsen, sagt Geschäftsführer Kusterle. „Das Geschäft hat sich mehr als verdoppelt. Jetzt ist einfach kein Platz mehr da, um weiterhin zu investieren.“
Bereits vor zehn Jahren kaufte das Unternehmen am benachbarten Dieselweg ein Grundstück. Und das wäre der bevorzugte Platz für weitere Investitionen. Kusterle: „Dann können wir unsere Kernchemie hier am Standort weitermachen.“ Damit gemeint sind die Zwischenprodukte, die Rudolf für seine weltweiten Kunden in Geretsried herstellt. Theoretisch könnten diese Produkte auch an den Rudolf-Standorten in Indonesien und China produziert werden. Aus Sorge um den Schutz geistigen Eigentums würden die Geschäftsführer eine Verlagerung nach Asien allerdings nur ungern sehen.
Jetzt ist einfach kein Platz mehr da, um weiterhin zu investieren.
Zudem sei der Stammsitz auf die Herstellung dieser Produkte auch ausgelegt. „Wir haben hier den ganzen Boden versiegelt“ erklärt Geschäftsführer Schumann. „Wenn uns hier ein Fass umfällt oder durch einen Gabelstapler beschädigt wird, sickert das nicht einfach in den Boden, sondern läuft kontrolliert in eine Kanalisation, die getrennt ist von der öffentlichen Kanalisation.“ Aus Sicherheitsgründen könnten die Fässer nicht mit einem Gabelstapler über eine öffentliche Straße gefahren werden. Noch dazu dürfe der Gabelstapler nur auf dem Betriebsgelände genutzt werden.
Alternativen „nicht praktikabel und nicht bezahlbar“
Aus Sicht der Firma Rudolf wäre also die ideale Lösung eine direkte Anbindung des Areals an den Stammsitz – und den Dieselweg damit zu einer Sackgasse zu machen. „Wir haben auch Rampen- und Tunnellösungen untersucht“, berichtet Wolfgang Schumann. Aber die Straße sei sehr alt, „da liegen Kanalisation, Telefon- und Stromleitungen drin“. Das würde bedeuten, dass man für einen Tunnel sehr weit in die Tiefe graben und sehr lange Rampen anlegen müsste. „Das ist nicht praktikabel und nicht bezahlbar“, so der 49-Jährige weiter.
Schumann ist sich bewusst, dass die Dieselweg-Frage vom Stadtrat nicht einfach und kurzfristig entschieden werden kann. Es handle sich schließlich um eine öffentliche Straße. „Wir sind dankbar, dass der Stadtrat das überhaupt in Erwägung zieht“, betont er. Sollte das Gremium seine Zustimmung erteilen, „dann freut uns das und ermöglicht uns, dieses große Areal ans Werk anzuschließen“. Sollte der Stadtrat die Bitte ablehnen, „müssen wir uns Alternativen überlegen“.
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