VonSebastian Grauvoglschließen
Das Fischbachauer E-Auto wurde seit Januar erst elf Mal privat ausgeliehen. Zwölf Leihen pro Monat waren das Ziel. Nun sollen zwei Aktionen helfen.
Fischbachau – Das „E-Car“ (Elektroauto) ist da, nur mit dem „Sharing“ (Teilen) hapert es noch gewaltig. Gerade einmal 49 Fahrten hat der batteriebetriebene Nissan-Kleinbus der Gemeinde Fischbachau seit seiner Anschaffung Anfang Januar erlebt – 38 davon durch Mitarbeiter der Gemeinde. Heißt im Umkehrschluss: Nur elf Mal wurde der eigentlich als Leih-Auto für Bürger und Urlauber geleaste Wagen gebucht. „Kalkuliert waren zwölf pro Monat“, räumte Bürgermeister Josef Lechner (CSU) nun im Gemeinderat ein. Damit liege man bei den Einnahmen 361 Euro unter dem berechneten Budget. „Unser E-Bus hängt leider nur an der Ladesäule.“
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Fischbachau: E-Auto kaum angenommen – Erst elf private Fahrten bisher
Den Stecker ziehen will der Rathauschef dem E-Carsharing-Projekt aber nicht. Das wäre so auch gar nicht möglich, erklärte er. Der Leasingvertrag laufe drei Jahre. „Da kommen wir nicht raus.“ Doch Lechner hat sich einen Schlachtplan überlegt. Mit zwei Aktionen will er versuchen, den Elektrobus öfter auf die Straße zu bringen.
Von 1. September bis 31. Oktober sollen die Vorstände aller Fischbachauer Vereine den Bus gratis anmieten können, sagte Lechner. Einzige Voraussetzung sei die Registrierung für die Zugangskarte, für die einmalig zehn Euro fällig werden. „Wir können das Ehrenamt nicht hoch genug schätzen“, begründete Lechner seinen Vorschlag. Doch auch für alle anderen Bürger soll das Ausprobieren des E-Autos attraktiver werden. So sollen die ersten 16 Nutzer ab 1. September einen Gutschein für einen Gratis-Energiecheck für ihr Wohngebäude im Wert von 136 Euro erhalten. Für die Gemeinde sei dies sogar kostenneutral, versicherte der Bürgermeister. Die Gutscheine habe man selbst geschenkt bekommen.
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Fischbachau: „E-Auto sucht Fahrer“ - Bürgermeister will mit Aktionen helfen
Heinrich Isenmann (CSU) führte die mangelnde Nachfrage nach dem E-Carsharing eher auf den derzeitigen Standort des Autos auf dem Parkplatz am Martinsmünster zurück. „Wäre es am Bahnhof nicht besser aufgehoben?“, fragte Isenmann. Dazu müsse man die dortige Ladesäule erst für die Carsharing-Plattform ertüchtigen, meinte Lechner. Er räumte aber ein, dass ein für möglichst viele Bürger zu Fuß erreichbarer Standort schon ein Vorteil wäre.
Der Beschluss für das Maßnahmenpaket fiel im Gremium einstimmig. Als „bärig“ lobte Hans Seemüller (FWG) die Idee mit den Vereinsvorständen. „Das entlastet auch den Gemeindebus.“ Die Frage von Georg Göttfried (FaB), die Gratisfahrten an Vereinszwecke zu koppeln, hielt Michael Gartmaier (CSU) nicht für sinnvoll. Die Vorstände seien Multiplikatoren. „Wenn die vom E-Bus schwärmen, ist das die beste Werbung.“ Eine Auffassung, die Lechner teilte: „Sie sollen sehen, dass sie auch wieder damit heimkommen“, scherzte er. Josef Obermaiers (CSU) Idee, das Mietangebot auch direkt am Auto noch stärker zu kommunizieren, griff der Rathauschef gern auf. Eine launige Botschaft für ein entsprechendes Schild am Parkplatz hatte er auch schon im Kopf: „E-Auto sucht Fahrer“.
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