VonSebastian Grauvoglschließen
Bis November 2020 muss die Rettungswache in Aurach umgezogen sein. Ein Wunschstandort war gefunden, Baurecht in Aussicht. Doch vom Fischbachauer Bauausschuss kassierte der Antrag eine Abfuhr.
Fischbachau – Nicht nur im Einsatz haben Blaulichtautos Vorrang. Auch im Baurecht genießen Hilfsorganisationen wegen ihrer im Zweifel lebensrettenden Aufgaben bestimmte Vorteile. So offenbar auch die MKT Rettungswachen Management GmbH aus Flintsbach am Inn beim geplanten Bau ihrer neuen Rettungswache in Aurach. „Laut Landratsamt ist eine Einzelbaugenehmigung möglich“, berichtete Fischbachaus Bürgermeister Josef Lechner (CSU) bereits im Rahmen seiner Vorabinformation im Gemeinderat. Heißt: Die MKT kann auch ohne Bauleitplanung auf eine Genehmigung für ihr neues Hauptquartier auf einem 1200 Quadratmeter großen Grundstück nördlich des Wölflhofs hoffen.
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Fischbachau: Standort für Rettungswache fällt durch
Auch wenn sich alles nach Schnelldurchlauf anhört: Die Suche nach einer neuen Heimat für die Ambulanz Rosenheim als Tochter-Gesellschaft der MKT in Aurach läuft schon seit fünf Jahren. „Das ist der siebte Standort, der im Gespräch ist“, betonte Lechner. Wie berichtet, besteht mittlerweile ein gewisser Zeitdruck. Nach einem Eigentümerwechsel im Gebäude der jetzigen Rettungswache wurde der Mietvertrag nicht mehr verlängert. Bis 1. November 2020 muss die Ambulanz ausgezogen sein.
Dass im südlichen Leitzachtal keine Versorgungslücke entstehen darf, darüber waren sich laut Lechner alle im Bauausschuss einig. Über den für die neue Rettungswache gewählten Platz schieden sich allerdings – wie schon im Gemeinderat – die Geister. Vor allem die Lage direkt vor dem denkmalgeschützten Wölflhof habe im Ausschuss für Bedenken gesorgt, berichtet der Bürgermeister. Weil das Grundstück mal als möglicher Standort der Firma Sixtus im Gespräch war, weiß Lechner, dass hier durchaus naturschutzrechtliche Bedenken bestehen.
Auch die Grundfläche von 27 auf 16 Metern des Gebäudes mit Erd- und Dachgeschoss sei einigen im Bauausschuss zu üppig bemessen gewesen. Vertreter des Rettungsdienstes hätten in der Sitzung den Raumbedarf mit der geplanten Unterbringung von drei Fahrzeugen sowie für Männern und Frauen getrennten Sozialräumen und eines Seminarraums begründet, so Lechner.
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Der zweite große Kritikpunkt bezog sich auf die offene Zukunft der Rettungswache. Wie der Rathauschef bereits im Gemeinderat erklärte, wird der Rettungsdienststandort immer nur für eine Dauer von fünf Jahren vergeben. Hier hätten einige Bauausschussmitglieder befürchtet, dass das Gebäude nach Ablauf dieser Zeit im schlimmsten Fall in Wohnraum umgebaut werden könnte. Dies lasse sich vermeiden, indem man das Baurecht an den Zweck als Rettungswache kopple, versuchte Lechner zu beschwichtigen. Sollte dieser eines Tages entfallen, könne das Landratsamt einen Rückbau anordnen.
Den Bauausschuss überzeugte dies nicht. Mit 2:5-Stimmen fiel der Antrag der MKT mehrheitlich durch. „Einige waren der Meinung, dass es zwei andere und bessere Standorte in Aurach gibt“, erklärt Lechner. Auch diese würden sich allerdings in privater Hand befinden. Er als Bürgermeister sieht sich deshalb einmal mehr in der Rolle des Vermittlers. Diesen Auftrag habe er aus dem Bauausschuss mitgenommen.
„Schnellstmöglich“ werde er die Gespräche aufnehmen, versichert Lechner. Denn der Weg zur neuen Rettungswache in Aurach scheint nach dem ablehnenden Beschluss wieder weiter geworden zu sein. Lechner: „Es sind noch viele Fragen offen.“
