VonChristiane Mühlbauerschließen
Das Kochler Franz-Marc-Museum wird auch in den kommenden Monaten ein großer kultureller Anziehungspunkt bleiben. Das liegt nicht nur an einer neuen Skulptur im Garten und drei Sonderausstellungen in 2019, sondern auch an einem ganz besonderen Ereignis im Jahr 2020.
Kochel am See – Vor zehn Jahren wurde das „neue“ Franz-Marc-Museum mit dem modernen Erweiterungsbau eingeweiht. Die Feier im Juni sowie drei Sonderausstellungen heuer werden von den Besuchern sehr gut angenommen, berichtet Direktorin Cathrin Klingsöhr-Leroy auf Nachfrage unserer Zeitung.
Direktorin Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy
Vor allem mit der Lektüre-Schau „Bilder vom Lesen – Vom Lesen der Bilder“ hat die Kunsthistorikerin den Nerv des Publikums getroffen: „Die Resonanz war sehr gut, der Katalog ist ausverkauft“, sagt Klingsöhr-Leroy. Sie führt das darauf zurück, dass trotz aller Digitalisierung heutzutage noch immer eine große Sehnsucht bestehe, „sich mit einem Buch in Ruhe zurückziehen zu können“. Insgesamt verzeichne man heuer im „Jubiläumsjahr“ so viele Besucher wie 2016, als das Museum anlässlich des 100. Todestags von Franz Marc überregional beachtet wurde.
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Derzeit werden Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen von Franz Marc ausgestellt, einiges davon stammt aus dem Depot und ist zum erstren Mal öffentlich zu sehen. Weil der Sammlungskatalog des Museums, erstellt 2008, vergriffen ist, arbeitet Klingsöhr-Leroy schon seit einigen Monaten mit Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität in München an einer Neuausgabe. Darin werden nicht nur Bestand und Neuerwerbungen aufgelistet, sondern auch besondere Werke vorgestellt sowie Entwicklungen der Künstler skizziert und die Rolle der Frau in den Künstlervereinigungen „Blauer Reiter“ und „Die Brücke“ thematisiert. Das etwa 200 Seiten umfassende Buch, publiziert vom Hirmer-Verlag, soll im Juni 2019 vorgestellt werden.
Im Juni wird auch eine neue Skulptur im Museumspark Einzug halten – nämlich ein Werk des renommierten Bildhauers Tony Cragg. Die rund 3,50 Meter hohe Bronze-Skulptur soll im Park in Blickrichtung Kochelsee aufgestellt werden. „Sie ergänzt den ,Torso-Ast‘ von Per Kirkeby auf eine ganz andere Weise“, sagt Klingsöhr-Leroy. Für die Direktorin ist es eine weitere Möglichkeit, den Dialog zwischen Kunst und Natur, dem sich das Museum verpflichtet fühlt, zu ergänzen. Passend dazu werden im Sommer 2019 Zeichnungen von Cragg zu sehen sein. Finanziert wird die Skulptur übrigens von einem Mäzen und mit Hilfe der Stiftung von Hans und Wilma Stutz aus der Schweiz, die allein 150 000 Euro beisteuert.
Auch für Frühjahr und Herbst 2019 sind die Programmplanungen abgeschlossen. Im Frühjahr steht Erich Heckel im Mittelpunkt, im Herbst geht es um die Entwicklung der Abstraktion in der Gruppe des „Blauen Reiters“. Parallel dazu forscht übrigens auch Klingsöhr-Leroy. So konnte sie ein Aquarell, das man bislang Max Pechstein zuschrieb, als Werk von Ernst Heckel identifizieren.
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Derzeit laufen schon die Planungen für 2020. Und da wird das Museum mit einem echten Coup aufwarten: Nach Kochel wird eine Schau von Anselm Kiefer kommen. Er ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Künstler der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland. Ein Sammler stellt dem Museum 23 teils sehr große Vitrinen zur Verfügung.
Und noch eine gute Nachricht für alle, die gerne eine Yoga-Stunde im Museum machen möchten: Das neue Angebot kommt recht gut an, sodass es wohl auch 2019 Kurse geben wird. Nächster Termin ist am Sonntag, 2. Dezember, um 10 Uhr. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.


