Porträt: Franz Mayer ist das Steckenpferd der Grünen in puncto Kommunalwahl 2020. Er kämpft um den Sitz des Rathauschefs. Hier stellt er sich vor.
Bad Tölz – Einmal quer durch Tölz mit dem Radl. Es sind einige Punkte, an denen Franz Mayer stehen bleibt und anmerkt: „Das haben wir Grüne angestoßen.“ Ob das nun die Fußgängerampel an der Bahnunterführung Sachsenkamer Straße ist, oder die städtischen Grünflächen entlang der Straßen, die nun vom Betriebshof im Hinblick auf die Artenvielfalt gepflegt werden. Mayer lobt ausdrücklich die gute Zusammenarbeit. „Da haben alle dazugelernt.“
Es sind aber zwei andere Projekte, die der dienstälteste der vier Bürgermeister-Kandidaten als Erfolg bewertet. Wir sind bei der Tour durch Tölz an der Zwickerwiese angekommen. Dass ein Drittel der Flächen an die Stadt verkauft werden musste, schreibt sich Mayer mit auf die Fahnen. Die entsprechenden Satzungen (SoBon und ZoBon) seien schließlich von Seiten der Grünen angeregt und mit viel Überzeugungsarbeit durchgesetzt worden.
„Da geht noch mehr“
Ein Drittel der Fläche (rund 5600 Quadratmeter) können so von der Stadt nach einem Punktesystem an einheimische Familien zum Bau von Doppelhäusern und Dreispännern vergeben werden. „Da geht noch mehr“, hat sich Mayer Anfang des Jahres gedacht und ist zusammen mit dem Grünen-Ortsvorsitzenden Andreas Wild auf Grundeigner Martin Sappl zugegangen. Es sei ein gutes Gespräch gewesen. Das Resultat: „Die Stadt hat nochmals 3600 Quadratmeter dazukaufen können.“ Und wie teuer? „Herr Sappl hat uns einen ausgesprochen fairen Preis gemacht“, sagt Mayer. Zahlen darf er nicht nennen. Jedenfalls könne die Stadt künftig weiteren Wohnraum für Familien anbieten.
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Zwei Erfolgsstorys und zwei Themen zum Anpacken sind für das Kandidaten-Porträt gefragt. Nummer zwei auf der Habenseite ist für den früheren Umweltgutachter und Ingenieur mit eigener Firma ein für kommunale Gremien eher ungewohntes Thema: die Aufarbeitung der Vergangenheit. Mayer initiierte mit Marie-Luise Schultze-Jahn, die einst im Umfeld der „Weißen Rose“ im Widerstand gegen das Nazi-Regime aktiv war, den Arbeitskreis Ge(h)denksteine. Dieser erforschte das Schicksal von in der Nazizeit ermordeten Tölzern. Mayer nennt die Stichworte Hindenburg, Stollreither, Deschermeier und Mahnmal Mühlfeldkirche: Tölz werde inzwischen überregional als Vorbild angesehen, wie sie mit ihrer Geschichte umgehe. Das sei früher anders gewesen. Teil dieser Entwicklung gewesen zu sein, mache ihn stolz.
„Auch wenn‘s nicht gleich klappt: Du musst einfach dranbleiben“
„Auch wenn’s nicht gleich klappt: Du musst einfach dranbleiben, wenn du dir ein Ziel gesetzt hast“, wiederholt Franz Mayer mantraartig sein Motto, das ihm auch als Bürgermeister als Leitsatz dienen soll. Etwa beim Tölzer Bahnhof, den der Grünen-Politiker genau wie Haus Bruckfeld, Postareal, Jodquellenhof und Wandelhalle zu den städtebaulichen Problemfällen zählt. „Reden, reden, reden und ja nie aufgeben“, ist Mayers erstes Rezept. Das zweite: Es gebe schon – Beispiel Bahnhof – rechtliche Instrumentarien, um den Eigentümer eines verfallenden Gebäudes zum Einlenken zu bewegen. Verkehrssicherungspflicht, Instandsetzungsgebot und Denkmalschutz nennt er als Beispiele. Den nötigen langen Atem habe er – etwa am Bichler Hof – immer wieder bewiesen.
Immer wieder den nötigen langen Atem bewiesen
Anpacken und Widerstände überwinden will der verheiratete Vater von zwei Kindern beim Heizwerk-Projekt im Badeteil, das derzeit auf Eis liegt. Auch Mayer ist gegen ein Heizwerk am Fuß des Kogels, das dort tatsächlich nicht hinpasse. Aber er fordert eine Standortanalyse, die den Namen auch verdiene, und schaut dabei auch über die Stadtgrenze hinaus. „Die Energiewende endet dort ja nicht.“ Am Hoheneck existiere zum Beispiel schon ein Heizwerkmodell für Wackersberg und Tölz. Im Vorbeifahren hatte er zuvor auf das Biomasse-Heizwerk am Schulzentrum Alter Bahnhof gezeigt. „Das stört auch niemanden.“
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Beim Radeln durch die Stadt kann nicht ausbleiben, dass Mayer auch die Nockhergasse anspricht. Die soll eine Radlspur erhalten. Dann könne man auch die Marktstraße endlich konsequenter zur echten Fußgängerzone machen. Für die Engstelle Irlbeck-Haus traut sich Mayer eine positive Gesprächslösung mit dem Eigentümer zu.
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