Auch die Grünen in Bad Tölz stellen zur Kommunalwahl 2020 einen Bürgermeisterkandidaten: Franz Mayer wird für sie ins Rennen gehen.
Bad Tölz – Den Fehler von 2014 wollen die Tölzer Grünen nicht wiederholen. Damals trat der Ortsverein ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten an. Das kostete am Ende Stimmen und womöglich ein weiteres Mandat. 2020 werden die Grünen nun mit Franz Mayer als Spitzenmann ins Rennen gehen. Er wurde bei der Nominierungsversammlung am Mittwoch im „Gasthaus“ von 25 der 27 Wahlberechtigten (zwei Enthaltungen) als Bürgermeisterkandidat gewählt.
Dass der 60-jährige gebürtige Kochler antreten würde, war seit Längerem klar. Ortsvereins-Chef Andreas Wild, der als Alternative gehandelt wurde und den die Aufgabe „durchaus gereizt hätte“, sagte aus beruflichen und familiären Gründen ab. Außerdem: „Ich wäre ein völliger Neuling gewesen, ohne Erfahrungen in der Stadtratsarbeit.“
Nun, wenig Erfahrung kann man Mayer nicht vorwerfen. Er lebt seit 30 Jahren in Tölz und vertritt seit 2002 im Stadtrat grüne Interessen. Die Fraktion hat seitdem erheblich an Schlagkraft gewonnen. Auch der Verein, sagt Wild stolz. „Wir haben nun 32 Mitglieder. Das sind 10 mehr als die Jahre zuvor.“
Schlagworte sind in. Auch die Tölzer Grünen gaben sich für 2020 ein Motto: „Mutig miteinander handeln – für Tölz“. Mutig bedeutet für Mayer, auch Gegenwind auszuhalten und langen Atem zu beweisen.
Das Beispiel im Großen: der Atomausstieg. Das Beispiel vor Ort: der Bürgerentscheid Bichler Hof. Man habe trotz aller Verunglimpfungen die Sache des Bürgers konsequent und mit Erfolg vertreten. Mayers Fazit: „Was wir in Tölz brauchen, sind keine hochpreisigen Zweitwohnungen, sondern bezahlbare Wohnungen für Einheimische und Familien.“
Die hätte er gerne am Hintersberg mit Hilfe von Wohnungsbaugenossenschaften realisiert. CSU-Kandidat Ingo Mehner sei leider auch einer der Gegner gewesen. Auch Erbbaurecht-Modelle seien förderungswürdig.
Für die brandaktuellen Themen ÖPNV und Klimawende sah Mayer in Tölz viel Spielraum, „obwohl wir nicht schlecht aufgestellt sind“. Aber es gebe schon noch erstaunlich viele städtische Dächer ohne Solaranlagen. Das zentrale Heizkraftwerk Badeteil liege seit zwei Jahren auf Eis. Und bei modernen Nahverkehrskonzepten tue sich auch seit Jahren nichts. „Dass die RVO-Busse leer herumfahren, kann es jedenfalls nicht sein.“
Apropos Verkehr, der mehrfach in der Aussprache thematisiert wurde: Franz Mayer kann sich immer noch eine Radverbindung aufwärts durch die Nockhergasse vorstellen. Dass Tempo 30 vor der Jahnschule nur bis mittags gilt, wie ein Sprecher monierte, sei angesichts des Ausbaus der Ganztagesschule in der Tat widersinnig, so der langjährige Umweltgutachter, der auch im Vorstand von zwei Ingenieurfirmen saß. Die Jahnstraße sei freilich Staatsstraße und Angelegenheit des Bauamts Weilheim. Gegenüber solchen Staatsbehörden müsse die Stadt –auch in Bezug auf die Nordspange – viel entschlossener auftreten. „Da sind wir viel zu brav. Ich wäre nicht so brav.“
Durchaus auffällig: Bei aller Kritik nahm Mayer das Tölzer Bauamt und den Bürgermeister mehrfach in Schutz. Das Bauamt schlampere nicht. Dass die Baukosten beim Rathaus statt 5 schlussendlich 10 Millionen betrugen, sei nicht der Kostenexplosion, sondern einer gewünschten umfangreichen Umplanung geschuldet gewesen. Die Grünen seien gleichwohl grundsätzlich gegen den Quasi-Neubau gewesen.
Und Josef Janker habe im Umgang mit Anton Hoefter keineswegs versagt. Er habe den Fall „extrem sachlich abgearbeitet. Da habe ich was gelernt.“ Er werde versuchen, mit den Grundbesitzern (Alpamare, Moralt, Bruckfeld, Klitzsch) ins Gespräch zu kommen und traue sich gute Lösungen zu. Beim Schandfleck Bahnhof sei er hingegen dafür, auch das Thema Enteignung anzudenken.
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