VonManuel Eserschließen
Trotz Lehrermangels ist es Schulamtsdirektorin Irmintraud Wienerl gelungen, alle Klassleiterstellen zu besetzen. Doch die Erfolgsmeldung hat eine Kehrseite.
Freising – Für Schulamtsdirektorin Irmintraud Wienerl ist es die härteste Phase im Jahr: die Zeit kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs. „Das sind die Wochen, wo ich meine Kohlen am heißesten verdiene“, sagt sie und lacht.
Immerhin – das traditionelle Pressegespräch zum Schuljahresbeginn konnte sie mit einer Erfolgsmeldung krönen: Trotz Lehrermangels ist es ihr gelungen, alle Klassleiterstellen an den 41 Grund- und Mittelschulen des Landkreises Freising zu besetzen – „auch wenn das alles andere als einfach war“, wie Wienerl betont. Noch Anfang dieser Woche habe ihr ein designierter Klassleiter abgesagt. Auf die Schnelle gelang es der Schulamtsleiterin aber, Ersatz zu finden.
Der Preis: Auch weniger qualifizierte Lehrer werden genommen
Allerdings hat das seinen Preis: Während Uni-Absolventen früher für eine prompte Festanstellung als Lehrer mindestens eine Examensnote von 2,0 benötigten, kommen jetzt auch angehende Pädagogen mit einer Note von 3,5 sofort unter – mit besten Aussichten auf eine schnelle Verbeamtung. „Seit zwei Jahren haben wir Volleinstellung“, sagt Wienerl. Anders ausgedrückt: „Man nimmt jeden.“
Das neue Schuljahr soll ein großer Schritt in die Zukunft werden. „Alles steht im Zeichen der digitalen Bildung“, betont die Schulamtsdirektorin. Denn nun gilt es, den 2017 beschlossenen Masterplan „Bayern Digital II“ umzusetzen. Sowohl das Lernen mit als auch das Lernen über Medien wird intensiviert. „Dabei erstellt jede Schule ihr eigenes Konzept, um die Medienkompetenz der Schüler zu erhöhen“, erklärt Wienerl.
Schüler sollen mehr Medienkompetenz erhalten
Dabei gehe es nicht nur um das Know-how bei der Anwendung – etwa, dass Schüler eine sachgerechte und zielführende Internet-Recherche hinbekommen und ein Referat mit Neuen Medien, zum Beispiel mit dem digitalen Whiteboard präsentieren können. Es gehe auch darum, die Schüler für die Gefahren zu sensibilisieren. „Sie müssen wissen, dass Medien süchtig machen können“, sagt Wienerl. „Es ist aber auch wichtig, sie auf Gefahren von Cyber-Mobbing hinzuweisen, oder, dass sich Pädophile etwa über soziale Netzwerke bei Schülern als Gleichaltrige ausgeben.“
Zur Förderung der Medienkompetenz zählt auch die Informatik. Ab sofort ist die Wissenschaft in den Jahrgangsstufen fünf bis sieben Pflichtfach. Bis dato war Informatik an den Mittelschulen lediglich Wahlfach. Zu den Neuerungen zählt zudem der dreimonatige Einschulungskorridor. Eltern von Kindern, die vom 1. Juli bis 30. September sechs Jahre alt werden, können selbst entscheiden, ob ihr Kind schon die erste KLasse besuchen soll oder die Schulpflicht um ein Jahr verschoben wird.
An einigen Schulen gibt es Neuerungen
Mit Neuerungen warten auch einzelne Bildungsstätten auf. An der Grundschule Nandlstadt zum Beispiel wird ab September „Kooperative Sprachförderung“ angeboten. Ziel der Maßnahme ist es, Schüler in den Eingangsklassen im sprachlichen Bereich noch intensiver zu fördern, aber auch Lehrer und Eltern zu beraten. Eine sogenannte „Mobile Sonderpädagogische Hilfe“ unterstützt künftig das Kollegium der Theresia-Gerhardinger-Grundschule in Moosburg. „An fünf Wochenstunden hilft ein Heilpädagoge aus dem Sonderpädagogischen Förderzentrum Pulling Kindern, die Defizite im sozial-emotionalen Bereich haben“, erklärt die Schulamtsdirektorin. „Die Schule kann das gut brauchen.“
Die Zahlen im Landkreis
- Schüler insgesamt: 9216 (2018: 9248)
- Grundschüler: 6333 (6360)
- Mittelschüler: 2883 (2888)
- Klassen: 453 (453)
- Grundschulklassen: 308 (303)
- Mittelschulklassen: 145 (150)
- Klassengröße im Schnitt: 20,3 Schüler (20,4)
- Schulanfänger: 1651 (1545)
Was Freising noch bewegt
Feuerwehr auf Facebook: Umstrittener Post sorgt für Aufregung. Seit vielen Monaten kämpfen Mütter um ein Schulbushäuschen am Seilerbrückl in Freising - und müssen sich weiter gedulden. Die Jo-Mihaly-Mittelschule in Neufahrn teilt mit, dass es aufgrund des Lehrermangels künftig zu massiven Unterrichtsausfällen kommen kann. Die Eltern sind wütend – und ratlos.
