Viele Firmen vertreiben Kunststofftüten für den Biomüll, die als „kompostierbar“ bezeichnet werden. Das Umweltamt rät vom Kauf ab - und schlägt eine Alternative vor.
Freising – Von diversen Firmen werden laut Landratsamt Freising „kompostierbare“ Kunststofftüten zum Verkauf angeboten. Die Tüten seien mit Aufschriften wie „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ versehen. Das Amt für Umweltschutz und Abfall am Landratsamt Freising weist jedoch darauf hin, dass für den Biomüll nur die vom Landkreis ausgegebenen Papiertüten verwendet werden sollten, die an den Wertstoffhöfen kostenlos verteilt werden.
Nicht nur Stärke, sondern auch Erdöl
Kompostierbare Biobeutel aus biologisch abbaubaren Werkstoffen würden unter anderem auf Basis Mais- oder Kartoffelstärke hergestellt. Das bedeute, dass sie zu etwa 50 Prozent aus Stärke, aber auch zu 50 Prozent aus Erdöl bestehen. „Sie enthalten beispielsweise Kunststoffkügelchen, die in ein Maisstärkegerüst eingebunden sind“, teilt Sprecher Robert Stangl mit. „Bei der Kompostierung zerfällt das Gerüst, die kleinen Kunststoffteilchen jedoch bleiben im Kompost erhalten und verunreinigen ihn.“
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„Kompostierbare“ Kunststofftüten bieten laut Landratsamt bei der Sammlung von Biomüll gegenüber der üblicherweise verwendeten Papiertüte einige Vorteile. Sie seien etwa flüssigkeits- und geruchsdicht. Jedoch ergäben sich im praktischen Betrieb einige Schwierigkeiten:
- Sie verleiten Dritte dazu, normale Kunststofftüten zum Sammeln von Biomüll zu nutzen.
- Die Tüten verschmutzen beim Transport und sind von normalen Plastiktüten nicht mehr unterscheidbar. Sie müssen deshalb genauso wie ordinäre Plastiktüten vor der Verwertung aussortiert werden.
- Sie durchlaufen, sofern sie nicht aussortiert werden, die Verwertungsanlage nahezu unbeschadet und müssen spätestens vor der Verwertung des Kompostes entfernt werden. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass die Verwertung des Biomülls aus dem Landkreis Freising nicht in einer Kompostieranlage erfolgt, sondern in einer Vergärungsanlage.
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„Kompostierbare“ Tüten kosten doppelt Geld
Deshalb können sogenannte kompostierbare Kunststofftüten bei der Erfassung von Biomüll nicht verwendet werden. Stangl: „Unterm Strich ist die Papiertüte die weitaus bessere Alternative.“
Deshalb appelliert der Abfallberater des Landratsamts an die Bürger, darauf zu achten, dass nur kompostierbarer Biomüll in die Biotonne gegeben wird und nur die vom Landkreis ausgegebenen Papiertüten verwendet werden. Diese sind kostenlos am Wertstoffhof erhältlich. Demgegenüber koste die Verwendung von „kompostierbaren“ Kunststofftüten gleich zweimal Geld: Erstens müssen sie gekauft, zweitens aussortiert werden und die Kosten für das Aussortieren werden über die Biotonnengebühren abgerechnet. Hinzu kommt das Risiko, dass die Biotonne aufgrund der Verwendung kompostierbarer Kunststoffbeutel eventuell nicht geleert wird. ft
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