Malachitgrün

Fisch-Skandal in Freising: Biologe wirft Behörden vor, Ergebnisse zu verharmlosen

+
Auch Bachforellen aus der Isar ließen die Behörden testen. Dabei stammten die gar nicht aus dem Besatz des angeklagten Fischzüchters. Sie waren also nicht mal potenziell belastet.
  • schließen

Der Skandal um mit Malachitgrün belastete Fische in Freising zieht weitere Kreise. Ein Fischer und Biologe wirft den Behörden eine „manipulative Datendarstellung“ vor.

Landkreis – Vor rund zwei Monaten hat das Landratsamt Freising die Messergebnisse veröffentlicht, die vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) erfasst worden waren. Ergebnis: Die Sedimente der Moosach und die Fische im Fluss wiesen zum Teil eine starke Belastung auf. Im Galgenbach etwa wurde eine Forelle mit einem Wert von 163 Mikrogramm pro Kilogramm gemessen. 

Bereits ab zwei Mikrogramm dürfen Fische, die mit dem verbotenen Arzneimittel behandelt wurden, nicht mehr in den Verkehr gebracht werden. Während Florian von Brunn, Verbraucherschutz-Experte der SPD, von einer „ernstzunehmenden Umweltbelastung“ sprach, lautete der Tenor der Kreisbehörde: Es besteht keine Gesundheitsgefahr.

Messergebnisse machen Fischer stutzig

Im Auftrag des LGL wurden aber auch Fische aus der Isar gefangen und analysiert. Hintergrund dafür ist, dass der Anglerverein Moosburg bei dem inzwischen angeklagten Fischzüchter Bernd Kiffner Besatzfische gekauft und im September in der Isar eingebracht hat. Fische, die von den Anglern auf Eigeninitiative zur Analyse gebracht wurden und mit 332 Mikrogramm pro Kilo stark belastet waren.

Für die Messwerte des LGL interessierte sich auch ein Fischerei-Wissenschaftler aus dem Landkreis Freising, der anonym bleiben möchte. Den Biologen machte die Darstellung der Ergebnisse stutzig. „Bach und Regenbogenforellen ohne Kennzeichnung in einer Tabelle darzustellen, kam mir seltsam vor. Zudem fehlten Angaben zur Fischgröße“, berichtete er dem FT. Solche Angaben seien absoluter Standard bei ökotoxikologischen Untersuchungen von Fischen. „Ich fand es auch seltsam, dass so viele Aitel und Barben beprobt wurden. Diese waren doch nicht betroffen.“ Schließlich hatten die Moosburger Angler nur Regenbogenforellen im Gewicht zwischen 500 und 1500 Gramm in die Isar gesetzt.

Nur 11 der 62 betroffenen Fische hätten belastet sein können

Der Experte wandte sich an das LGL und ließ sich den gesamten Datensatz zusenden. Bei der Ansicht stellte er fest, dass von den 31 untersuchten Forellen, die als potenziell belastet eingestuft wurden, 20 gar nicht belastet sein konnten – „weil es sich um Fische handelte, die nach Art und Größe unmöglich aus dem mit Malachit behandelten Herbstbesatz stammen konnten“, wie der Biologe ausführt. Zudem seien 31 „Wildfische“ untersucht worden, bei denen, wie erwartet, keine Belastung vorlag, weil in die Isar selbst kein Malachitgrün eingebracht wurde.

„Es ist zwar sinnvoll, auch Fische zu beproben, die sicher nicht aus dem behandelten Fischbesatz stammten. Eine solche Kontrolle dient dazu, eine eventuelle nicht bekannte Hintergrundbelastung auszuschließen“, erläutert der Fischer. „Jedoch muss eine solche Kontrollgruppe dann auch entsprechend gekennzeichnet werden.“ Zudem sei es ungewöhnlich, elf potenziell belasteten Fischen 51 sicher unbelasteten gegenüberzustellen.

Experte vermutet: Belastung sollte kleiner dargestellt werden

Mit seinen Erkenntnissen hat der Experte auch das LGL konfrontiert. Die Antwort der Behörde: „In der Internetdarstellung wurde auf eine detaillierte Auflistung der entnommenen Forellen zugunsten der Übersichtlichkeit der Untersuchungsergebnisse bewusst verzichtet.“ Der Fischerei-Wissenschaftler vermutet hingegen ein anderes Motiv. „Die Behörde hat die Daten in solcher Art und Weise publiziert, um die tatsächliche Belastung kleiner darzustellen, als sie in Wirklichkeit ist.“

Bei der Darstellung auf der Homepage des LGL ergibt sich für den Leser das Bild, dass nur etwa jede zehnte Forelle Rückstände aufweist. „Tatsächlich weist jede dritte bis vierte Regenbogenforelle - die mit Abstand am häufigsten gefangene Fischart - in fangfähiger Größe Rückstände auf“, betont der Experte. Genaue Aussagen könnten aber nicht gemacht werden, da ja von den 62 beprobten Fischen tatsächlich nur elf potenziell belastet waren. „Der Rest diente wohl nur dazu, die Tabelle zu beschönigen.“

Mehr zum Thema: Fischzüchter Peter Baumgartner, dessen Zucht von der mit Malachitgrün verunreinigten Moosach lebt, fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen.

Kommentare