VonArmin Forsterschließen
In Moosburg durften Grundbesitzer ihre Bäume nur mit Genehmigung fällen - bis die Baumschutzverordnung gekippt wurde. Nun fordert die Fresh-Fraktion die Wiederaufnahme der Regel.
Moosburg – Unliebsame Bäume auf dem eigenen Grundstück fällen, ganz ohne Genehmigung und egal, wie alt oder gesund sie sind: Das ist in Moosburg seit März 2007 legal. Damals kippte der Stadtrat mit großer Mehrheit die Baumschutzverordnung aus 1998. Naturfreunde waren entsetzt, der Eigenheimerverein jubelte. Denn auf seinen Antrag hin wurde die Verordnung abgeschafft.
Nun könnte erneut ein Antrag zu einer Kehrtwende führen: Die Fresh-Stadträte Julia Neumayr und Thomas Wittmann fordern die Wiedereinführung der Baumschutzverordnung. In ihrem Schreiben an Bürgermeister Josef Dollinger und das Ratsgremium argumentieren sie, dass es „gerade in der heutigen Zeit unsere Pflicht ist, willkürliche Baumfällungen zu unterbinden. Die Ausmaße des Klimawandels sollten jedem bewusst sein und dürfen nicht verschwiegen werden“, heißt es in dem offenen Brief.
„Wirksames Instrument“ für lokalen Klimaschutz
Neumayr und Wittmann erinnern dabei an Deutschlands Verpflichtung im Pariser Klimaabkommen, den Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur zu verhindern. „Ein wirksames Instrument dazu bietet die Baumschutzverordnung.“
Die Fresh-Räte sehen aber noch mehr Gründe für ihre Initiative: „Bäume bauen krankheitserregende Stickoxide ab, binden toxischen Feinstaub und produzieren lebensnotwendigen Sauerstoff.“ Nicht nur Wetterextreme könnten durch Bäume abgemildert werden. „Sie bieten auch unzähligen Tierarten Unterschlupf und Lebensraum.“ Als Schattenspender, Wind-, Lärm- und Sichtschutz würden sie zur Aufwertung des Wohnumfelds beitragen. „Ebenso wirkt sich ein begrüntes Stadtbild positiv auf die Lebensqualität jedes einzelnen Bürgers aus, beugt Depressionen vor und stimuliert das Immunsystem“, so die Argumentation im Fresh-Schreiben.
Im Stadtrat gibt es weitere Unterstützer
Die Wiedereinführung der Baumschutzverordnung wollen die Antragsteller keinesfalls als weiteren bürokratischen Mehraufwand oder eine Einschränkung der persönlichen Entscheidungsfreiheit verstanden sehen, vielmehr sei sie ein vorbeugendes Mittel, jeden einzelnen Baum zu schützen. „Das Ganze ist nicht für uns, sondern für die nächsten Generationen von Enkeln und Urenkeln, die in einem lebens- und liebenswerten Moosburg aufwachsen sollen.“
Die Chancen, Unterstützer für den Antrag im Stadtrat zu finden, dürften nicht gering sein: Neben Fresh hatten auch die Grünen eine Wiedereinführung der Baumschutzverordnung in ihr Wahlprogramm geschrieben. Und die SPD verkündete erst im vergangenen Herbst, mitten in der Diskussion um die Birken-Fällung an der Dr.-Schels-Straße, auf Facebook: „Das Ereignis lässt uns über die Einbringung einer Baumschutzsatzung in den Stadtrat nachdenken.“
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