Nach dem Vorbild von Greta Thunberg

Fridays for Future: Schülerproteste gegen Klimapolitik erreichen Bad Tölz

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Schüler machen mobil für mehr Klimaschutz (v. li.): Katharina Brandhofer, Lukas von Andrian und Maxl Kiefersauer.
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Auch in Bad Tölz wollen jetzt Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Die Initiatoren hoffen auf bis zu 100 Teilnehmer, die wie sie nicht davor zurückschrecken, dafür dem Unterricht fernzubleiben.

Bad Tölz – Die „Fridays for Future“-Bewegung kommt auch im Landkreis an: Für Freitag, 15. März, planen Schüler erstmals eine Demonstration für mehr Klimaschutz in Bad Tölz – Schulstreik inklusive. Wenn die Aktion auf Interesse stößt, dann können die Initiatoren sich vorstellen, die Demos regelmäßig freitags zu wiederholen – so wie in vielen europäischen Städten.

Im Organisationsteam aktiv sind vor allem die Gymnasiasten Katharina Brandhofer (18) und Maxl Kiefersauer (17), der Realschüler Lukas von Andrian (15) und Luis Rempel (19), der die FOS besucht. Sie alle waren schon bei den Klimaschutz-Demonstrationen in München dabei. Lukas von Andrian hat dort sogar schon einmal eine Rede gehalten, um für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen einzutreten.

Generell ist für den 15-jährigen Tölzer klar: „Wenn man sich nur ein bisschen informiert, merkt man, dass man jetzt etwas gegen den Klimawandel tun muss.“ Maxl Kiefersauer aus Gaißach begründet sein Engagement mit einem Zitat: „Wir demonstrieren dafür, dass Ihr aufhört, unser Haus anzuzünden.“

Erster Schülerstreik für den Klimaschutz in Bad Tölz ist für 15. März geplant

Dass sie nach dem Vorbild der Schwedin Greta Thunberg fürs Demonstrieren den Unterricht ausfallen ließen, hatte für die Schüler bereits Konsequenzen. „Ich habe einen Verweis bekommen“, berichtet Katharina Brandhofer. Lukas von Andrian muss die versäumte Unterrichtszeit nachholen, indem er täglich nachsitzt. Der Neuntklässler wehrt sich aber gegen den Vorwurf, nur deshalb zur Unterrichtszeit zu demonstrieren, weil das der „leichteste Weg“ sei. Im Gegenteil: Nachmittags in seiner Freizeit zu demonstrieren, bringe für ihn wesentlich weniger Komplikationen mit sich. Die Jugendlichen sind sich einig: Nur die Verbindung der Demos mit einem Schülerstreik verhindere, dass die Politik die Proteste einfach aussitze.

Katharina bedauert, dass es den jungen Leuten von Seiten der Schulen „extrem schwer gemacht“ werde, sich zu engagieren. „Von den Lehrern bekommen wir oft zu hören, dass sie uns unterstützen.“ In der Praxis sehe es leider anders aus. Auch der ideelle Zuspruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist den Jugendlichen daher wenig wert. „Sie hat gesagt, sie versteht uns, aber sie handelt nicht“, meint Maxl Kiefersauer.

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Bei der Teilnahme an den „Fridays für Future“ (Freitage für die Zukunft) in München bekamen die Tölzer auch einen der Mängel zu spüren, für dessen Behebung sie im Sinne des Klimaschutzes eintreten: Probleme mit dem öffentlichen Nahverkehr. Jede Woche nach München zu fahren, beanspruche viel Zeit und gehe ins Geld, meinen sie. Deswegen beschlossen sie, eine Demonstration in Bad Tölz auf die Beine zu stellen – gut erreichbar für Schüler aus dem ganzen Umkreis.

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Treffpunkt ist um 11 Uhr der Vichyplatz. Von dort soll es mit Transparenten und Slogans wie „Hopp, hopp, hopp, Kohlestopp“ oder „Wir sind hier, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut“ durchs Badeteil, über Isarbrücke sowie Markt- und Salzstraße in Richtung Schulzentrum gehen. Auf dem Sportplatz ist eine Kundgebung mit Reden und Diskussionen geplant. Dabei kann jeder ans „offene Mikrofon“ treten.

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In einer WhatsApp-Gruppe sind aktuell rund 150 Interessierte zusammengeschlossen. Die Initiatoren hoffen, dass in Bad Tölz rund 100 Teilnehmer dabei sind. Davor fahren sie diesen Freitag aber noch einmal nach München – um zu zeigen, dass sie für ihr großes Anliegen gerne auch einen Ferientag opfern.

Informationen zur Demo

Interessierte werden über das Instagram-Profil fridaysforfuture.badtoelz und über den Twitter-Account fbadtoelz auf dem Laufenden gehalten. Geplant ist auch noch eine offene vorbereitende Versammlung im Jugendcafé.

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