VonChristina Jachert-Maierschließen
Seit nun drei Jahren gibt’s im Tegernseer Tal kein öffentliches Hallenbad mehr. Mit viel Engagement versuchen die örtlichen Wasserrettungsorganisationen, mit dem Notstand zurechtzukommen.
Tegernseer Tal – Den Kindergartenkindern am Ort das Schwimmen beibringen: An diesem Anspruch hält die Wiesseer Wasserwacht fest, auch wenn die Lage kaum schwieriger sein könnte. Der Wiesseer Badepark machte zu Beginn der Pandemie im März 2020 die Schotten dicht und nie wieder auf. Die Wasserwacht-Kindergartenschwimmkurse 2023 konnten trotzdem stattfinden – im Schwimmbecken des Wiesseer Hotels Alpensonne. „Dafür sind wir dem Hotelier sehr dankbar“, erklärt der Wasserwacht-Vorsitzende Thomas Mielke. 24 kleine Mädchen und Buben gewannen unter der Anleitung ehrenamtlicher Trainer Sicherheit im Wasser. Fast alle schafften am Ende das Seepferdchen. Wer noch ein bisschen Übung braucht, erhielt den Seestern Stella als Nachweis für die Wassergewöhnung. Gelernt haben alle viel.
Große Nachfrage, kleines Angebot
„Wir sind stolz, dass wir die Schwimmkurse anbieten können“, erklärt Mielke. Leider sei es unmöglich, die Nachfrage abzudecken. Verständlicherweise stehe das Hotelbecken nur begrenzt zur Verfügung. „Aber wir bekommen das ganze Jahr über Anfragen nach Schwimmkursen“, berichtet Mielke. Durch Corona sei der Nachholbedarf groß.
Zum Glück könne die Wasserwacht ihre Jugend im Sommer im Rottacher Warmbad trainieren, mit dem dortigen Bürgermeister Christian Köck bestehe eine gute Kooperation, erklärt Mielke.
Wettzumachen ist der Verlust der Trainingsstätte Badepark damit nicht. „Früher kamen montags 120 Kinder zum Training, jetzt vielleicht die Hälfte.“ Mielke hofft, dass in Sachen neues Hallenbad bald etwas vorwärtsgeht. Wie berichtet, haben sich die Tal-Orte zu einer interkommunalen Arbeitsgruppe zusammengeschlossen. Unlängst traf man sich zur Besichtigung in Geretsried, wo der Bau eines interkommunalen Schwimmbads schon gelungen ist. „Das war ein großer Schritt“, findet Mielke.
Im Sommer steht Rottacher Warmbad zur Verfügung
Sehr viele Anfragen wegen Schwimmkursen erhält auch die DLRG Tegernsee. „Aber wir haben einfach nicht genügend Schwimmflächen, um Kurse in ausreichender Anzahl anbieten zu können“, erklärt der Vorsitzende Florian Mengele. Auch die DLRG habe bei Hotels angefragt, ob sie Becken nutzen dürfe, aber nur Absagen erhalten. Manchmal dürfe man das Holzkirchner Hallenbad Batusa nutzen, was wegen der Fahrt dorthin aber einen hohen Aufwand bedeute.
Besser geht’s im Sommer: Da kann auch die DLRG das Rottacher Warmbad nutzen. „Wir schauen immer, dass wir Lösungen finden“, meint Mengele. Aber oft bleibe nur der Verweis auf die Warteliste: „Wir brauchen einfach wieder ein Sportbecken im Tegernseer Tal.“
Fahrten in Nachbar-Hallenbäder für Eltern schwer zu stemmen
Im Sommer will auch die DLRG Gmund wieder Schwimmkurse anbieten. „Es gibt definitiv viele Anfragen, es erreichen uns ständig E-Mails“, berichtet Sprecherin Carolin Amann. Im Moment bilde die Ortsgruppe sechs neue Schwimmtrainer aus. Denn nicht nur die Örtlichkeit ist ein Problem: Durch Umzug und anderes sind manche der früheren Trainer ausgeschieden. Ihren bisher letzten Schwimmkurs haben die Gmunder vor zwei Jahren im Schlierseer Hallenbad Monte Mare durchgeführt. „Das hat super geklappt, und wir werden dort auch wieder anfragen“, meint Amann. Aber natürlich wäre alles viel einfacher, wenn die Kurse im Tegernseer Tal stattfinden könnten: „Vor allem auch für die Eltern.“
Im Sommer trainiert die DLRG Gmund wie alle Wasserretter im Tal im Rottacher Warmbad. „Aber wenn man da einen Kurs plant, hat man natürlich ein Wetterrisiko“, weiß Amann.
Für die Wasserwacht Rottach ist das Warmbad seit jeher das Zuhause. Spezialistin für Kurse ist Mitglied Silvana Wetzel, an deren Schwimmschule Oberland die Wasserwacht die Interessenten verweist. „Die Schwimmkurse sind immer gesteckt voll“, weiß Jan Zangenfeind, Vorsitzender der Wasserwacht.
Als Privatmann bietet auch Werner Wiemken mit seinem Gesundheitszentrum Kreuth Schwimmkurse an. Dies sehr individuell in Mini-Gruppen an wechselnden Standorten. Auch er hat schon im Hotel Alpensonne unterrichtet, schwimmt mit der Kundschaft auch im eiskalten Tegernsee. Ansonsten kann der Personal Trainer in einem Bayrischzeller Hotel untertauchen. Die Nachfrage, berichtet Wiemken, sei hoch.
