- VonHans Kürzlschließen
1600 Wohnungen und 3000 Arbeitsplätze will Fürstenfeldbruck auf dem Gelände des Fliegerhorsts entwickeln. Die Zahlen zur Verkehrsbelastung für Olching, die die Kreisstadt jetzt im dortigen Stadtentwicklungsausschuss vorlegte, rufen große Skepsis hervor.
Olching – Am emotionalsten formulierte dies Stadtrat Josef Gigl (Freie Wähler Olching). „Da fühlt man sich als Stadt nicht ernst genommen“, richtete er seine Kritik an die Vertreter der Großen Kreisstadt, insbesondere an deren Bauamtsleiter Johannes Dachsel. Der hatte in seinem Vortrag erläutert, dass Olching laut der durchgespielten Szenarien eine Mehrbelastung von im Schnitt 500 Fahrzeugen pro Tag zu erwarten hätte.
Suche nach dem kürzesten Weg
Gigl geht jedoch fest davon aus, „dass sich die Autofahrer den kürzesten Weg suchen werden“ und es wohl mehr sein werden. Der berühre nun mal Olching und führe zum Bahnhof nach Esting. In diesem Zusammenhang sprach Josef Gigl von einer Zumutung für Olching und forderte die Fürstenfeldbrucker Abordnung auf: „Legt uns beim nächsten mal etwas Gescheites vor.“
Deutlich wurde ebenso Maria Hartl (CSU). „Ich glaube Ihnen diese Zahlen schlicht nicht“, wandte sie sich an die Vertreter aus Bruck. Dass Wohnungen und Arbeitsplätze entstehen müssten, verstehe sie, nicht aber die für Olching ermittelten Zahlen. „Da werden wir sehr stiefmütterlich behandelt, und Emmering auch.“ Hartl sprach sich dafür aus, die Staatsstraßen weit mehr in die Berechnungen und Planungen einzubeziehen. Mehrfach wurde wie etwa von Ingrid Jaschke (Grüne) angemerkt, dass ein vierspuriger Ausbau der Bundesstraße 471 nichts entzerren werde.
Überdimensioniert?
Für Tomas Bauer (CSU) enthält das Projekt darüber hinaus Widersprüche. Die Stadt Fürstenfeldbruck wolle zum einen Hightechfirmen anlocken und zum anderen sozial verträglichen Wohnungsbau gestalten. „Das beißt sich.“ Insgesamt halte er die Brucker Pläne für überdimensioniert.
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Dem hielt Brucks Bauamtsleiter Dachsel entgegen, dass man die im Großraum München Wohnungssuchenden im Auge behalten müsse – zum Beispiel bei Berufsgruppen mit dringendem Bedarf wie im Pflegebereich. Auf die Verkehrsproblematik eingehend erwähnte Dachsel, dass die Berechnungen sehr aufwändig gestaltet seien. Projektleiterin Nadja Kripgans-Noisser erläuterte für Bruck, dass ein zweistufiger Wettbewerb durchgeführt werde. Damit könne man die Bürger einbeziehen. Diesbezüglich werde man in den nächsten Wochen in der Stadt Fürstenfeldbruck aktiv. Insgesamt müsse man aber bei dem gesamten Prozess davon ausgehen, „dass es acht bis zehn Jahre dauern wird, bis die ersten Bagger anrollen werden“.
Frist zu kurz
Daniel Schreyer, Geschäftsführer bei „Hendricks & Schwartz“ erklärte, dass man versuchen werde, alle Interessen in das Projekt einzupflegen. Der Dienstleister unterstützt die Stadt Fürstenfeldbruck dabei, das Projekt transparent zu gestalten.
Von Seiten der Großen Kreisstadt wurde darum gebeten, dass die betroffenen Anrainerkommunen Emmering, Maisach und Olching ihre Wünsche und Anregungen zum Thema Fursty-Nachnutzung bis zum Jahresende formulieren.
Olchings Zweiter Bürgermeister Maximilian Gigl (CSU) ließ aber bereits während der Sitzung durchblicken, dass die genannte Frist zu kurz gefasst sei. Von Seiten des Olchinger Bauamtes hieß es, man werde das Meinungsbild aus dem Stadtentwicklungsausschuss so zeitnah wie möglich zusammenfassen. Auch Vize-Rathauschef Gigl wandte sich abschließend an das Trio aus Bruck. Man sei kooperativ. „Aber hier mit offenen Armen empfangen zu werden, wäre an Erwartung wohl zu viel des Guten gewesen.“
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